Infoveranstaltung gegen Fracking

„Nicht alles gefallen lassen“

Sottrum - Von Mareike BannaschBÖTERSEN · „Am Anfang war ja gar nicht richtig klar, was das hier werden soll“, erinnert sich Hartmut Horn an die Entstehung des 59 Meter hohen Bohrturms der Firma Exxon.

Erst nach und nach seien die Absichten des amerikanischen Energiekonzerns, auf unkonventionelle Weise Erdgas zu fördern, sichtbar geworden. Mit diese Methoden werden in einer Tiefe von bis 5 000 Metern Gesteinsschichten mit Gasbläschen angebohrt. Um das Gas aus dem Gestein zu lösen, wird ein Gemisch aus Wasser, Sand, Stützmitteln und verschiedenen Chemikalien durch die Bohrlöcher in die Tiefe gepumpt. „Die wollen auch noch den letzten Rest Gas aus dem Boden bekommen“, betont der Einwohner von Jeerhof, der ungefähr 300 Meter von dem Turm entfernt wohnt und in den Bohrungen und dem Fracking (Einbringen des Wassers) etliche Gefahren sieht.

So würden die Bohrungen auch durch das Grundwasserlager getrieben und dadurch könne es zu einer Verschmutzung des Trinkwassers kommen. Außerdem sei auch die Korrosion der verwendeten Rohre ein nicht zu vernachlässigender Gefahrenfaktor. Denn durch eventuelle Risse könnten auch die Chemikalien in das Grundwasser gelangen. „Da spielen viele Gefahren mit hinein, die den meisten Anwohnern so gar nicht bekannt sind“, erklärt Hartmut Horn. Und auch die Verschandelung der Landschaft sowie die Lärmbelästigung durch die Lastwagen sei so nicht hinzunehmen. „Außerdem werden bei den Bohrungen Unmengen an Wasser verbraucht“, führt Horn als ein weiteres Argument gegen die Bohrungen nach Gas an.

Aus diesem Grund habe er sich jetzt entschieden tätig zu werden. Allerdings nicht allein, denn auch die Grünen, bei denen Horn aber kein Mitglied ist, sind mit im Boot. Gemeinsam haben sie einen Informationsabend für unmittelbare und weiter entfernte Anwohner des Bohrturms organisiert. Dieser steht am Mittwoch, 24. August, um 19.30 Uhr im Gasthaus Hoops in Bötersen auf dem Programm. Den Hauptvortrag hält Jörn Krüger von der Bürgerinitiative gegen Gasbohrungen in Nordwalde in Nordrhein-Westfalen. Dieses Bundesland hat inzwischen alle Genehmigungsverfahren für die unkonventionelle Gasförderung gestoppt. Krüger kann also nicht nur äußerst fundiert über Gefahren und scheinbare Möglichkeiten des Fracking berichten, sondern auch hilfreiche Tipps für Maßnahmen gegen eine solche Anlage geben.

Doch nicht nur die Information der Bürger steht an diesem Abend im Vordergrund. „Wir wollen auch versuchen, mit Teilnehmern der Veranstaltung eine möglichst überparteiliche Bürgerinitiative zu gründen, die sich aktiv gegen die Gasbohrungen einsetzt“, hofft Hartmut Horn, der diese zwar nicht leiten, aber nach ganzen Kräften unterstützen möchte. Dabei soll die Initiative nicht über die Bohrungen informieren, sonder setzt sich auch für ein Verbot diese Produktionsweise ein. Zumindest solange, bis die Wasserversorger die Werte des Trinkwassers überprüft haben.

„In der heutigen Zeit dürfen wir uns nicht mehr alles gefallen lassen. Schließlich sind wir ja auch alle betroffen“, ist sich der Schriftsteller sicher und hofft auf viele Mitstreiter.

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