Artenvielfalt fördern

Für das neue Naturschutzgesetz in Niedersachsen: Rotenburg sammelt Unterschriften

Für den Südkreis sammeln Thomas Lauber (vl.l), Manfred Radtke, Roland Meyer und Stefan Fuchs Unterschriften für das Volksbegehren, mit dem der Rückgang der Biodiversität verhindert werden soll.
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Für den Südkreis sammeln Thomas Lauber (vl.l), Manfred Radtke, Roland Meyer und Stefan Fuchs Unterschriften für das Volksbegehren, mit dem der Rückgang der Biodiversität verhindert werden soll.
  • Ann-Christin Beims
    vonAnn-Christin Beims
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Weniger Kiebitze und Brachvögel, der Rotschenkel ist bereits weg, ebenso die Uferschnepfe: Auch im Landkreis Rotenburg macht sich der Rückgang der Artenvielfalt bemerkbar. Dagegen soll etwas unternommen werden.

  • Immer mehr Arten verschwinden von der Bildfläche: es gibt weniger Kiebitze und Brachvögel, auch der Rotschenkel ist weg
  • Ziel des Volksbegehrens „Artenvielfalt.Jetzt!, dem sich neben niedersachsenweit 130 Organisationen angeschlossen haben ist, ein neues niedersächsisches Naturschutzgesetz durchzusetzen
  • Auch Rotenburg beteiligt sich an dem Projekt

Für mehr Artenvielfalt: Landkreis Rotenburg beteiligt sich an Volksbegehren - Ziel ist ein neues Naturschutzgesetz

Rotenburg – Ein neues niedersächsisches Naturschutzgesetz – das soll am Ende des Weges erreicht sein. Das ist das Ziel des angelaufenen Volksbegehrens „Artenvielfalt.Jetzt!“, dem sich niedersachsenweit mehr als 130 Organisationen angeschlossen haben und Unterschriften dafür sammeln. Roland Meyer vom Nabu Rotenburg, Manfred Radtke vom BUND Rotenburg, Thomas Lauber von der Biologischen Schutzgemeinschaft Wümmeniederung (BSW) und Stefan Fuchs von den Grünen wollen im südlichen Landkreis darauf aufmerksam machen. Denn in der ersten Phase werden bis November 25.000 Unterschriften benötigt.

Meyer zählt die größten Krisen auf, die die Menschen derzeit beschäftigen: der Klimawandel, Flüchtlinge, Corona und eben der Rückgang der Biodiversität. Der Naturschutz werde den Menschen immer wichtiger, sind sich alle vier einig. Aber „den Rückgang der Artenvielfalt merkt man nicht so, viele bekommen es nur im Stillen mit“, sagt Fuchs. Dabei ist klar: Er ist nach wie vor da. Die Hälfte der gut 11. 000 Tier- und Pflanzenarten Niedersachsens ist gefährdet, 62 Prozent aller Wildbienenarten sind vom Aussterben bedroht, Brutvögel verschwinden. „Da macht Rotenburg keine Ausnahme, bei uns ist die Landnutzung intensiver, wir haben viele Monokulturen“, erklärt Meyer. Am stärksten seien Pflanzen und Tiere auf Wiesen und Feldern betroffen, dennoch sei auch ein merklicher Rückgang in den Wäldern zu beobachten. „Das liegt zum Beispiel am Umbruch vom Grünland, so ist im Landkreis Rotenburg der Maisanbau groß“, fügt Radtke hinzu. Auch Igel und weitere kleine Tiere werden derzeit bedroht, und zwar durch die Gefahr des Mähroboters.

Natur- und Artenschutz soll mit 120 Millionen Euro unterstützt werden - Volksbegehren setzt Zeichen

Die Chance sei da, diesen Schwund aufzuhalten. Und da kommt das Volksbegehren ins Spiel. Denn es gilt, das Niedersächsische Ausführungsgesetz zum Bundesnaturschutzgesetz „zu verbessern und zu ändern“, meint Lauber. „Letzten Endes wird damit Gesetzgebung in Bürgerhand zurückgegeben“, sagt Fuchs. Deswegen hängt der Gesetzesvorschlag „zur Sicherung der Arten- und Biotopvielfalt in Niedersachsen“ an den Unterschriftenlisten. „Denn Landtag und Landesregierung haben nicht die notwendigen Schritte ergriffen“, so Fuchs. Es gebe zwar den Niedersächsischen Weg, eine bundesweit einmalige Vereinbarung zu großen Anstrengungen beim Natur- und Artenschutz, den die Landesregierung, Landvolk, Landwirtschaftskammer sowie Natur- und Umweltverbände unterzeichnet haben. Aber es müsse weiter gehen.

„Aufgrund des Drucks, den die Verbände mit dem Volksbegehren aufgebaut haben, hat es Gespräche mit der Regierung gegeben“, erklärt Radtke. Die wesentlichen Forderungen aus dem Volksbegehren sind in dem Papier übernommen, aber letztlich sei es bislang eine Absichtserklärung. Wichtig sei, dass es in Gesetzesform gebracht werde. Das Volksbegehren soll ein Zeichen nach Hannover senden, wie ernst es allen Beteiligten ist, dass die geplanten 120 Millionen Euro für Artenschutzmaßnahmen verwendet werden. „Der Niedersächsische Weg soll wirksam und vernünftig umgesetzt werden“, sagt Meyer – schrittweise, nicht Knall auf Fall.

Zusammengefasst gibt es vier Schlüsselfaktoren: mehr Vielfalt in der Landwirtschaft, also mehr Hecken, Blühstreifen und weitere Biotope sowie fünf Meter breite Randstreifen entlang der Gewässer. „Damit ein Austausch der Arten untereinander funktionieren kann“, so Meyer. Außerdem artenreiche Wiesen und Weiden, um Lebensräume zu erhalten; Wiesenvögel sollen geschützte Brutgebiete erhalten. Naturnahe Wälder fordert das Volksbegehren ebenfalls, darunter zählen Vorrang für Naturschutz in den landeseigenen Wäldern sowie mehr Natur im Wald. So bieten Alt- und Totholz Käfern, Pilzen und Spechten wichtige Lebensräume. Das sollte vor allem im Staatswald möglich sein. Meyer: „Der gehört allen, da sollte reichhaltiger Lebensraum sein.“ Der letzte Punkt betrifft Pestizide, ihren verminderten Einsatz. Mehr Ökolandbau sei vonnöten, als naturverträgliche Variante der Landwirtschaft. Doch der ist „nirgends in Deutschland so niedrig wie in Niedersachsen“, sagt Meyer.

Für mehr Artenvielfalt: Volksbegehren muss bis November 25.000 Unterschriften vorweisen

Bei der Erfüllung dieser Aufgaben spielen die Landwirte eine wesentliche Rolle. Diese sollen aber nicht alleingelassen werden. „Wir wollen nicht gegen die Landwirte arbeiten, sie sollen finanziell unterstützt werden, sodass sie damit und davon leben können“, so Meyer. Vielerorts habe sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Landwirtschaft naturverträglicher sein müsse, um eine Zukunft für alle zu ermöglichen. Dabei müsse gewährleistet sein, dass Einkommensverzichte der Bauern ausgeglichen werden, sie eine Planungssicherheit haben. „Wir wollen keine Gesetze auf dem Rücken der Landwirte“, erklärt Meyer.

Coronabedingt waren die Beteiligten bislang ausgebremst. Unterschriftensammlungen wie sie der Nabu auf dem Hurricane geplant hatte, mussten ausfallen. Die Listen können aber per E-Mail angefordert werden, und die Vier planen, an den kommenden beiden Samstagen von 10 bis 13 Uhr in der Fußgängerzone vor der Apotheke Große an einem Stand zu informieren und Listen zu verteilen. Auch Geschäftsinhaber im Südkreis wollen sie bitten, Listen auszulegen. „Bislang haben wir im privaten Umfeld Mitglieder angesprochen, wir mussten eine neue Strategie finden“, sagt Fuchs. „Wir wollen den Druck weiter aufrechterhalten.

Wer seine Unterschrift leisten möchte, kann aber auch eine Liste anfordern, entweder bei Roland Meyer (info@nabu-rotenburg.de), Manfred Radtke (bund.rotenburg@bund.net), Stefan Fuchs (stefan.fuchs@rotenburger-gruene.de) oder Thomas Lauber (tom.lauber@gmx.net). Wichtig ist, zu beachten, dass nur Originalbögen gewertet werden, alle Spalten müssen ausgefüllt sein und es dürfen keinerlei Notizen auf dem Zettel gemacht werden. Wer mitmacht, muss mindestens 18 Jahre alt sein, und auf einer Liste dürfen nur Bürger aus einer Stadt, Samt- oder Einheitsgemeinde stehen. Die Bögen können dann bei der Person wieder abgegeben werden, über die man sie erhalten hat. Bisher seien bereits insgesamt etwa 200.000 Bögen verschickt und verteilt worden. Mindestens 25. 000 Unterschriften müssen bis November zusammenkommen, um die zweite Stufe zu erreichen.

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