Neujahrsempfang der IHK Stade: Präsident Lothar Geißler zeichnet optimistisches Bild

„Nach der Krise ist vor der Krise“

Die Delegation aus Verden und Rotenburg gestern beim Neujahrsempfang der IHK im Stadeum. Vorn, 3. von links: Jana Krumbholz wurde als eine von neun „Top-Azubis des letzten Jahres“ geehrt. Sie lernte bei Block-Transformatoren in Verden.
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Die Delegation aus Verden und Rotenburg gestern beim Neujahrsempfang der IHK im Stadeum. Vorn, 3. von links: Jana Krumbholz wurde als eine von neun „Top-Azubis des letzten Jahres“ geehrt. Sie lernte bei Block-Transformatoren in Verden.

Rotenburg - ELBE-WESER / STADE · Klaus-Peter Schöppner sorgt sich um das Image der deutschen Wirtschaft. Der bekannte Meinungsforscher (Emnid) referierte beim gestrigen Neujahrsempfang der IHK Stade. Umfragen belegten ein Glaubwürdigkeitsproblem. Schöppner beschwor eine „neue Moralität“, die sich im Bild des „ehrbaren Kaufmanns“ ausdrücke. IHK-Präsident Lothar Geißler aus Rotenburg durfte sich gestern Mittag über regen Zuspruch aus der Unternehmerschaft, aber auch aus der Politik und „allen gesellschaftlichen Gruppen“ freuen.

Eingangs betonte der Präsident vor fast 800 Gästen das ehrenamtliche Engagement, ohne das eine leistungsfähige IHK nicht möglich sei. Fast 2000 Menschen brächten sich im Elbe-Weser-Raum mit über 30 000 Stunden ehrenamtlich und unentgeltlich in „ihre IHK“ ein. Bundesweit verursache die Selbstverwaltungsorganisation der Wirtschaft Bürokratiekosten in Höhe von elf Euro je Mitglied. Ein, so Geißler, „hervorragender Wert, der auch noch zur Hälfte aus direkten gesetzlichen Vorgaben resultiert.“

Das Jahr 2011 sei auch für die Wirtschaft im Elbe-Weser-Raum „wirklich gut“ verlaufen. Die Auftragsbücher seien noch gut gefüllt: „Alle unsere Umfragen liegen bei der Lageeinschätzung in der Nähe des Zehn-Jahres-Hochs“. Aber, warnte Geißler: „Nach der Krise ist vor der Krise.“ Das habe nichts mit Schwarzmalerei zu tun, die Wirtschaft auch im Elbe-Weser-Raum müsse die „zentralen Herausforderungen“ sehen und meistern. Es beunruhige ihn, so Geißler, dass die wirtschaftliche Lage und deren Einschätzung deutlich auseinander klafften, dass „egal, was wir machen, immer jemand dagegen sein wird und auf sein Recht pocht, gefragt zu werden.“ Unter dem öffentlichen Druck führe die Politik eine wie auch immer geartete Bürgerbeteiligung herbei. Das erhöhe aus unternehmerischer Sicht die Unsicherheit, da Politik und Verwaltung ihre Verlässlichkeit verlören.

Geißler streifte den demografischen Wandel, der in den nächsten Jahren zum „stärksten Treiber in der Region“ werde, zeigte sich sicher, dass die mittelständischen Betriebe auch zukünftig ihren Nachwuchs finden, warb für die Oberschule als Erfolgsmodell für den ländlichen Raum, und mahnte die Kommunen, in ihrem Werben um attraktive Unternehmen und „wertvolle Steuerzahler“ nicht nachzulassen. Für die Zukunft skizzierte der IHK-Präsident einen „Fünf-Punkte-Plan“: Die Verkehrsinfrastruktur (Hafenhinterlandverkehre) müsse weiter entwickelt, die regionale Vernetzung verbessert, das Bekenntnis zum Industriestandort Elbe-Weser deutlich gemacht, die Energiewende entschlossen vorangetrieben und die Attraktivität der Region für junge Familien weiter verbessert werden.

Der Rotenburger Landrat Hermann Luttmann beklagte (unter Beifall) in seinem Gastbeitrag, „dass im Rahmen der Finanzmarktregulierung immer die Teile der Wirtschaft und der öffentlichen Hand negativ betroffen sein sollen, die in keiner Weise zu den Krisen der Finanzmärkte beigetragen haben.“

Meinungsforscher Klaus-Peter Schöppner wies auf die Ängste hin, die die Menschen umtreiben, vor Globalisierung und Arbeitslosigkeit beispielsweise. Die Menschen verstünden die Inhalte der politischen Diskussion häufig nicht mehr, reagierten mit Desinteresse. Aus der für sie mangelhaften Bürgernähe resultiere die Sehnsucht nach Bürgerbeteiligung. Schöppner beschwor die „Renaissance der sozialen Verantwortung“; der Umgang mit den eigenen Mitarbeitern präge das Bild des Unternehmens in der Öffentlichkeit. Wir stünden darum vor der Geburt einer neuen Führungsstruktur und -kultur, bei der die Vermittlung von Inhalten das Ausspielen von Macht in den Hintergrund dränge. Unternehmer und Manager täten gut daran, an ihrer Glaubwürdigkeit zu arbeiten. · sf

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