Hiddinger Laden schließt nach 153 Jahren / Familie Carstens: Es rechnet sich nicht mehr

„Muss erstmal einkaufen lernen“

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Ute Gebers (l. ) war eine der letzten treuen Kunden von Renate und Wilfried Carstens. ·

Visselhoevede - Von Angela KirchfeldHIDDINGEN · 153 Jahre war der Gemischtwarenladen Bombach Dreh- und Angelpunkt im kleinen Dörfchen Hiddingen. Heute geht die Ära nun zu Ende, denn Wilfried und Renate Carstens öffnen das letzte Mal die Türen ihres Geschäfts an der Neuenkirchener Straße 15. „Es geht einfach nicht mehr! Seit Jahren buttern wir dazu“, begründet Wilfried Carstens den Schritt.

Auch wenn Ehefrau Renate der Abschied noch schwerer fällt, gibt sie zu, dass sie die treibende Kraft war. „Allein die Stromkosten für die Gefriertruhen betrugen im Monat rund 600 Euro“, verdeutlicht die 54-Jährige.

„Es geht eine lange Tradition verloren. Das Geschäft war immer der Mittelpunkt im Ort und wird nun fehlen“, bedauert Ute Gebers, eine der treuen Kunden. Aber auch die Hiddingerin kann verstehen, dass das Geschäft viel Arbeit macht und sieht ein: „So ein kleiner Kaufmannsladen rentiert sich nicht mehr.“

„Es ist schade drum“, bedauert auch Stammkunde Jürgen Kriegel. „Das Sterben der Läden auf dem Lande geht weiter. Früher haben wir hier in Hiddingen alles bekommen. Nun schließt nach dem Bäcker auch unser Laden. Ich werde ihn vermissen. Es war lange Zeit der Dorfmittelpunkt.“

Besonders als Mutter Frieda Carstens noch lebte. „In diesem Frühjahr verstarb sie mit 96 Jahren. Meine Mutter war eigentlich Bäuerin und Gärtnerin, dennoch schmiss sie den Laden und stand fast bis zum Schluss noch an der Kasse“, berichtet der 62-Jährige Geschäftsinhaber.

Für Wilfried Carstens, der seit 43 Jahren im Laden arbeitet, steht auch fest, dass der beliebte Partyservice jetzt aufgegeben wird: „Dass sich die Kunden nur noch die Rosinen herauspicken, geht nun nicht mehr.“

Renate Carstens hofft, dass sie und ihr Mann sich schnell an das neue Leben gewöhnen werden und noch viele gemeinsame Jahre ohne Krankheit erleben dürfen.

Die Geschäftsfrau gibt schmunzelnd zu: „Nun werde ich erst einmal einkaufen lernen.“ Dazu begleitet sie Tochter Marina, die 2014 ihren Abschluss zur Industriekauffrau machen wird. Sohn Matthias Carstens wird die Prüfung im September zum Eventmanager absolvieren. Beide leben noch mit im Haus.

Und noch ein positives Ereignis steht an: Die Hochzeit der ältesten Tochter Antje, die in Bad Fallingbostel den Job der Bankkauffrau ausübt. Somit sind die Kinder gut untergebracht. Die überraschten ihre Eltern zu Weihnachten und schenkten ihnen ein langes Wochenende in Cuxhaven.

Dort wird sich das Ehepaar Carstens in Ruhe Gedanken über die Zukunft machen.

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