Der Eichenschüler Jannis Holsten arbeitet als jüngster Barpianist

Morgens Schule, abends Bar

+
Der Pianisten Jannis Holsten.

Scheeßel - Von Ulla Heyne - Wenn andere 17-Jährige am Sonnabendnachmittag einen Anruf bekommen, sind es Freunde, die sich zum Kicken verabreden wollen. Bei Jannis Holsten ist es der Chef: „Kannst du mal eben eine Schicht im Wachtelhof übernehmen?“

Seit einem halben Jahr arbeitet der Eichenschüler nebenbei als Barpianist. Musikenthusiasten ist er schon seit einigen Jahren aufgefallen. Damals begleitete der Schüler bei Konzerten den Unterstufenchor.

Spätestens, seit er rote Schuhe trägt, hat der junge Mann einen Wiedererkennungswert im Beekeort. „Die Schuhe hatte ich mir eigentlich nur geliehen“, lacht Jannis. Mittlerweile sind sie fast zu einem Markenzeichen geworden. Genau wie sein Klavierspiel. Beim letzten Weihnachtskonzert in der Kirche baute der Pianist, der seit dem sechsten Lebensjahr Unterricht nimmt, beim Weihnachtslied „Deck the Hall“ kurzerhand ein paar Takte Honkytonk ein. Das Publikum war begeistert, ebenso wie beim Neujahrsempfang der Gemeinde oder der Benefizveranstaltung „Feuer und Flamme.“

Er ist auf der Suche, nach seinem eigenen Ausdruck und Stil. Festlegen will er sich nicht: „Im Moment höre ich gerne Elektroswing und Funk, spielen tue ich am liebsten Rock’n’Roll, Blues und Balladen. Eigentlich interessieren mich aber alle Stilrichtungen“, meint der Jugendliche, der seine Interpretationen fast nie nach Noten, sondern rein nach Gehör entwickelt.

Ein ganzes Stück weiter gekommen sei er in dem Jahr, wo er als Rotary-Austauschschüler in Minnesota gelebt und – was sonst – musiziert hat. Etwa bei den Gottesdiensten der protestantischen Kirche, die die Gastmutter als Musikbeauftragte betreute. Oder zusammen mit den „Greater Twin Cities Youth Symphonies“ in der Konzerthalle von Minneapolis, der zweitgrößten musikalischen Metropole nach New York. Auf John Lennons Flügel durfte er spielen in der New Yorker Steinway Hall, und auf dem Klavier von Jerry Lee Lewis im berühmten Sun Studio, wo ein Zigarettenfleck auf dem tiefen „C“ an den Altmeister des Rock’n’ Roll erinnert. Ein Traum, schwärmt der Waffensener noch heute. Auch Eric Whitacre hat es ihm angetan, neulich im Michel, wo er mit seinem Schulchor gemeinsam mit 1 000 anderen gesungen hat.

Der Kontakt zur renommierten Agentur „Piano Team Hamburg“ entstand über Bekannte – nach dem Einsenden einiger Demos wurde Holsten zum „Probearbeiten“ ins Grand Elysée Hotel nach Hamburg eingeladen. Dort spielte er abwechselnd mit seinem Chef David Harrington. Nicht nur sein Alter beeindruckte – sonst sind neben gestandenen Profis nur einige Musikstudenten beschäftigt – , auch seine rockigen Stücke öffneten Tür und Tor. „Natürlich muss man das ganze Repertoire drauf haben, von ,Strangers in the Night’ über häufig gewünschte Standards wie ,Piano Man’ oder ,Memory’ bis zu ,Mein kleiner grüner Kaktus’.“ Den habe eine ältere Dame neulich sogar mitgesungen. Überhaupt schätzt er den direkten Kontakt zu den Gästen. „Die sind meist erstaunt, wenn sie erfahren, wie alt ich bin“, meint der Springer, der mittlerweile mehrmals monatlich gebucht wird.

Ob er sein Hobby später zum Beruf machen will, weiß der Elftklässler noch nicht: „Vorstellen könnte ich mir auch ein International Management-Studium“. Bis dahin wird der Pianist noch des Öfteren in der Region zu hören sein – ob an diesem Donnerstag beim Café KIS im Nötel-Haus (Beginn 15 Uhr), demnächst im Wachtelhof, beim örtlichen Kulturverein, in der Schule, beim Griechen um die Ecke oder bald in einem Hamburger Einkaufszentrum – die Bandbreite ist ebenso vielfältig wie das Repertoire des „Piano Man“ mit den roten Schuhen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Haalands Traumdebüt rettet BVB - Leipzig siegt gegen Union

Haalands Traumdebüt rettet BVB - Leipzig siegt gegen Union

UN-Libyenbeauftragter fordert Abzug ausländischer Kämpfer

UN-Libyenbeauftragter fordert Abzug ausländischer Kämpfer

"Wir haben es satt!": Tausende fordern neue Agrarpolitik

"Wir haben es satt!": Tausende fordern neue Agrarpolitik

Fotostrecke: Werders Befreiungsschlag in Düsseldorf

Fotostrecke: Werders Befreiungsschlag in Düsseldorf

Meistgelesene Artikel

Kreisnaturschutzbeauftragte erläutert geplantes Schutzgebiet an der Wümme

Kreisnaturschutzbeauftragte erläutert geplantes Schutzgebiet an der Wümme

Ohne Bier durch Sturm und Sand

Ohne Bier durch Sturm und Sand

SPD arrangiert sich mit Plänen zur Bahnsteigumgestaltung

SPD arrangiert sich mit Plänen zur Bahnsteigumgestaltung

Helmut Meyer ist seit 20 Jahren ehrenamtlicher Versichertenberater

Helmut Meyer ist seit 20 Jahren ehrenamtlicher Versichertenberater

Kommentare