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Rotenburger Umrüstung: Jägerbataillon 91 soll „mittlere Kräfte“ stellen

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Von: Andreas Schultz

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Soldaten vom Jägerbataillon 91, angetreten. Einer im Vordergrund von der Seite, eine Formation verschwommen im Hintergrund.
Auf die Soldaten des Jägerbataillons 91 in Rotenburg kommen einige Veränderungen zu. Der Kampf vom Fahrzeug aus rückt stärker in den Fokus kommender Ausbildungen. © Schultz

Neuer Verband, neue Kräftekategorie: Das Jägerbataillon 91 in der Rotenburger Von-Düring-Kaserne gehört ab April der Panzerbrigade 21 in Augustdorf an. Mit dem Wechsel stellen die Jäger auch ihre Ausbildung um: Künftig sollen sie als mittlere Kräfte vom Fahrzeug aus kämpfen können.

Rotenburg – Die Bundeswehr verändert sich. Das lasse sich nicht nur beim inzwischen gesitteteren Tonfall in der Führung feststellen, weiß Gero Hahn. Der Kommandeur des Jägerbataillons in der Rotenburger Von-Düring-Kaserne bekommt die Auswirkungen in den nächsten Wochen hautnah zu spüren: Die Kameraden rechnen sich nicht nur ab 1. April zu einem neuen Verband, sondern in absehbarer Zeit auch zur neuen Kategorie der mittleren Kräfte.

Ersteres habe für das Gros der rund 1 000 Bataillonssoldaten keine Auswirkungen – hier und da werde vielleicht noch ein Schriftzug, ein Schild zu erneuern sein. Denn das Jägerbataillon 91 wechselt von der Panzerlehrbrigade 9 in die Panzerbrigade 21. Größere Konsequenzen als der Etikettenwechsel hat der Umbau der Streitkräfte. Die Jäger sollen in der Panzerbrigade zu sogenannten mittleren Kräften werden. Die Kategorisierung in leichte, mittlere und schwere Kräfte – vormals leichte und schwere – ist seit 2014 beschlossene Sache. Der Angriff Russlands auf die Ukraine 2022 wirke allerdings wie ein Katalysator auf die Erneuerung des Heeres – das schreibt die Bundeswehr aufihrer Internetseite.

Bei einer Vorführung der Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) wird ein Verletzter Soldat in einen GTK Boxer mit medizinischer Ausstattung geschoben. Das Fahrzeug wird in kommenden Jahren rund um die Rotenburger Kaserne öfter zu sehen sein.
Bei einer Vorführung der Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) wird ein Verletzter Soldat in einen GTK Boxer mit medizinischer Ausstattung geschoben. Das Fahrzeug wird in kommenden Jahren rund um die Rotenburger Kaserne öfter zu sehen sein. © dpa

Das Heer, erklärt Hahn, besteht traditionell aus leichten und schweren Kräften. Zu Ersteren gehören beispielsweise die Fallschirmjäger in Seedorf. Sie sind mobil, können leicht und schnell im Operationsgebiet sein, „verfügen aber nicht über schweres Gerät und sind daher nicht durchsetzungsstark, wenn es zum Beispiel gegen gepanzerte Fahrzeuge geht“, erläutert der Kommandeur. Schwere Kräfte auf der anderen Seite verfügen über Feuerkraft, zum Beispiel mithilfe des Leopard-Panzers. „Die wiederum sind aber schwer zu verlegen“, sagt Hahn und meint damit den aufwendigen und vergleichsweise langsamen Transport zum Zielort. Oft brauche es die Schiene, was es mit Blick auf die eingeschränkten Ost-West-Routen der Nato-Bündnispartner einem Gegner leicht machen würde, Bewegungen zu stören: „Sie sind vorhersehbar“.

Jägerbataillon 91 in neuem Verband

Das Jägerbataillon 91, das in der Rotenburger Von-Düring-Kaserne stationiert ist, wechselt von der Panzerlehrbrigade 9 in die Panzerbrigade 21 „Lipperland“. Dort bündeln sich künftig radgetriebene mittlere Kräfte als erste Mittlere Brigade, dementsprechend wechselt auch das Jägerbataillon 413 der Panzergrenadierbrigade 41 unter das Augustdorfer Dach in Nordrhein-Westfalen. Die meisten Soldaten der Von-Düring-Kaserne würden von dem Verbandswechsel wenig bis gar nichts zu spüren bekommen, meint Kommandeur Gero Hahn. Lediglich die Bataillonsführung der 91er müsse sich nun auf größere Reiseaktivitäten einstellen, denn die Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne in Augustdorf sei etwa zweieinhalb Autofahrstunden entfernt.

Die operative Lücke zwischen leichten, schnellen und schweren, starken Kräften sollen die neuen mittleren Kräfte schließen: Sie sind zwar langsamer als der Hubschrauber, verfügen aber über Panzerschutz. Darüber hinaus sorgen die um Maschinenkanonen und Panzerabwehr erweiterten GTK Boxer für Durchsetzungsvermögen. „Auf diese Weise können die mittleren Kräfte beispielsweise schnell einem Bündnispartner zur Seite stehen, bis die schweren Kräfte eingetroffen sind“, sagt Hahn.

Für die Rotenburger Soldaten bedeutet diese Umstellung großen Ausbildungsbedarf. Die Infanteristen sind das fußläufige Gefecht in bewaldeten Gebieten gewohnt. Das gepanzerte Fahrzeug GTK Boxer kennen sie schon, allerdings diente es bislang tendenziell eher dem Transport der Kräfte – nun rückt das Gefährt mit den genannten Modifikationen in den Mittelpunkt eventueller Kampfhandlungen.

Eine Besatzung auf dem GTK-Boxer übt im Rahmen der Nato-Großübung Trident Juncture 2018 das Schießen mit der bereits heute installierten Maschinengewehranlage.
Eine Besatzung auf dem GTK-Boxer übt im Rahmen der Nato-Großübung Trident Juncture 2018 das Schießen mit der bereits heute installierten Maschinengewehranlage. © Bundeswehr/Marco Dorow

Rund 500 Rekruten bildet das Jägerbataillon pro Jahr aus. Diejenigen, die auch nach der dreimonatigen Grundausbildung weiter Teil des Bataillons bleiben werden, bekommen die neuen Ausbildungsinhalte für mittlere Kräfte ab dem vierten Monat vermittelt. Seine bereits ausgebildeten Mannschafter, Unteroffiziere und Offiziere „werden da hineinwachsen“, sagt Hahn. Übungen und Ausbildungsstunden stehen an.

Wie genau das aussieht, ist allerdings noch nicht klar. „Da ist noch viel konzeptionell zu schaffen, um sich den neuen Rahmenbedingungen von Kriegsführung anzupassen“, stellt der Kommandeur fest. Die „überarbeitete Vorschriftenlandschaft“, wie es im Soldatendeutsch heißt, liege noch nicht vor. Und abseits des Unterstellungswechsels zur Panzerbrigade 21 gebe bislang auch noch keine weitere Meilensteinplanung.

Klar sei hingegen, dass in der Rotenburger Kaserne baulich noch einiges passieren muss. „Der Technische Bereich wird einer wachsenden Anzahl von Fahrzeugen angepasst“, ist der Kommandeur sicher. Infrastruktur sei sicher noch zu schaffen – welche, das stehe noch nicht fest, Simulatoren zum Üben vielleicht. Allerdings hätten die Rotenburger Soldaten mit ihrem „T-Bereich“ aufgrund der großen Hallen gute Startvoraussetzungen.

Dass es mehr Fahrzeuge werden, das dürften Verkehrsteilnehmer in Rotenburg und Umgebung alsbald feststellen. Wenn sich Kolonnen aus 14 bis 18 der großen Fahrzeuge auf den Weg zu den Übungsplätzen machen, geschieht das nicht selten zu Stoßzeiten. Oder anders gesagt: Wenn Zivilisten die Veränderungen des Heers sonst schon nicht verfolgen können, so bekommen sie wenigstens im Berufsverkehr die Gelegenheit dazu.

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