Referent ghanaischer Hilfsorganisation gibt Einblicke in seine Arbeit vor Ort

Mikrokredite gegen Landflucht

+
„Loan Officer” Gaeten Dary (links) informierte die geladenen Gäste über seine Arbeit, Firmenchef Joachim Behrens dolmetschte. ·

Scheessel - Nicht „nur Geldgeber“ zu sein, sondern auch konkret zu erfahren, was mit den Spenden passiert und in Dialog zu treten – dieser Gedanke stand bei dem Vortrag von Mitarbeitern der Wohltätigkeitsorganisation „Opportunity International“ am Dienstagabend beim Scheeßeler Unternehmen jbs im Vordergrund.

Das Ehepaar Behrens hatte die Organisation selbst bereits einige Jahre unterstützt, bevor es 2006 an einer von der Hilfsorganisation initiierten Reise nach Ghana teilnahm. „Da konnten wir unmittelbar vor Ort sehen, wo unsere Gelder konkret landen, zum Beispiel bei zwei direkt von uns geförderten ‚Trustbank‘-Projekten – eine unglaubliche Erfahrung“, erinnert sich Joachim Behrens.

Diese Rückkopplung auch für andere Spender zu ermöglichen, war Hintergrund des Erfahrungsberichts der geladenen Referenten Wolfgang Bönsch und Gaeten Dary. Letzterer arbeitet als „Loan Officer“, also Finanzberater, für die örtliche Spendenorganisation Sinapi Abatrust (die ghanaische Bezeichnung für das biblische Senfkorn). Die eigene Vita des Ghanaers, eine Erfolgsgeschichte, wie sie im Buche steht, schien einen der Kerngedanken zu bestätigen, nämlich Hilfe zur Selbsthilfe durch Vergabe von Mikrokrediten. Als Vollwaise und eines von sieben Geschwistern, lernte Dary sich schon früh, mit Gelegenheitsjobs durchzuschlagen. Der Mikrokredit ermöglichte ihm den Einstieg in den Telefonkartenverkauf, schon bald besaß er ein eigenes „Geschäft“, einen Holzverschlag. Fleiß und Beharrlichkeit blieben auch den Kreditgebern der Hilfsorganisation nicht verborgen, sodass er trotz fehlender Schulbildung den Aufstieg zum Finanzberater für andere Bedürftige schaffte, nun nach elf Jahren gekrönt von einem anstehenden Universitätsstipendium.

Dabei gab der überzeugte Redner in einem Rollenspiel konkrete Einblicke, wie er die „Kunden“ vor Ort, die sich mit ihrem Kleinkredit eine Wirtschaftsgrundlage aufbauen – vom Frisör bis zum Imbiss oder Gemüseverkauf – zum Sparen und wirtschaftlichen Denken ermuntert. Dabei würden nicht nur betriebswirtschaftliche Themen erörtert wie Kundenbindung, Versicherung gegen Miss- ernte und immer wieder die Notwendigkeit zu Rücklagen, sondern auch soziale – Schutz vor Aids, Familienplanung und nicht zuletzt die Schulbildung der Kinder. Denn neben der Verhinderung der Landflucht und somit steigender Verslummung der Städte ist die fehlende Bildung gerade in ländlichen Gebieten in Ghana eines der vordringlichsten Probleme.

Inzwischen ist dank der Aktivitäten von Unternehmer Joachim Behrens zu Ghana ein Netzwerk von Beziehungen entstanden. Und Spenden für eines der ärmsten Länder, in dem das durchschnittliche Bruttosozialprodukt pro Kopf gerade mal 690 Euro pro Jahr beträgt (im Vergleich dazu: Deutschland 45 000), ist längst Teil der Firmenkultur. Nicht nur bei der jährlichen Versteigerung der Werbegeschenke, deren Erlös von den Firmeninhabern jeweils verdoppelt wird, sondern auch durch das Engagement vieler Mitarbeiter, von denen einige sogar selbst schon in Ghana waren oder eine Reise dorthin planen. Sie nutzten wie auch die übrigen Gäste die Gelegenheit eines intensiven Austauschs mit den Referenten. ·hey

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Werner krönt Leipzigs Premiere: Sieg bei Tottenham Hotspur

Werner krönt Leipzigs Premiere: Sieg bei Tottenham Hotspur

Biathlon-WM 2020: Die besten Bilder aus Antholz

Biathlon-WM 2020: Die besten Bilder aus Antholz

Bomben, Kälte, Hunger: Syrien erlebt neues Flüchtlingsdrama

Bomben, Kälte, Hunger: Syrien erlebt neues Flüchtlingsdrama

Das BMW 2er GranCoupé im Test

Das BMW 2er GranCoupé im Test

Meistgelesene Artikel

Ein Gespür für passende Kunst

Ein Gespür für passende Kunst

Neue Haltestelle für die Schulbusse

Neue Haltestelle für die Schulbusse

Rotenburger Tafel wird für Kunden teurer

Rotenburger Tafel wird für Kunden teurer

Frivole Sprüche und melancholische Lieder

Frivole Sprüche und melancholische Lieder

Kommentare