Fastenzeit in Rotenburg: Der 18-jährige Firat Das über den Ramadan und wie er die Enthaltsamkeit lebt

„Mich stört der Verzicht nicht“

Seit seinem zwölften Geburtstag praktiziert Firat Das das Fasten. In diesem Jahr begehen die Muslime den Ramadan vom 1. bis zum 29. August. ·

Rotenburg - Von Lars WarneckeFirat Das ist ein ganz normaler junger Mann. Er betreibt Sport, wie viele seiner Freunde auch. Er geht gerne zum Tanzen und Flirten in die Disco, wie viele Gleichaltrige auch. Das Einzige, was den 18-Jährigen in diesen Wochen von den meisten seiner Kumpel unterscheidet, ist der Verzicht. Nicht Essen, nicht Trinken. Keine Zigaretten, keinen Geschlechtsverkehr – und das von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Firat ist einer von rund 500 Moslems in Rotenburg, für die Anfang August der Fastenmonat begonnen hat.

Im Eiscafé herrscht an diesem Nachmittag Hochbetrieb. Im Sekundentakt wandern üppige Kreationen in Bechern über die Theke zu den Tischen, wo die Gäste sie sich genussvoll auf der Zunge zergehen lassen. Es duftet nach frisch geröstetem Kaffee. Auch Firat und seine Clique haben es sich in dem Café gemütlich gemacht. Während seine Freunde die Bestellung aufgeben, lehnt der junge Rotenburger ab.

„Nein danke, ich faste gerade“, entgegnet er dem Kellner. Noch bis zum 29. August heißt es für ihn: Verzicht bis zum Einbruch der Dunkelheit. Der Koran schreibt es so vor.

Seit seinem zwölften Lebensjahr schon bringt Firat den Ramadan, also den heiligen Fastenmonat der Muslime, mit seinem Alltag in Einklang. „Es fällt mir nicht schwer“, sagt der 18-Jährige, dessen familiäre Wurzeln in der Türkei liegen. Spätestens nach dem dritten Tag, so der begeisterte Hobby-Break-Dancer, habe sich sein Körper komplett an das Fasten gewöhnt.

Die erste Mahlzeit des Tages, sie beginnt bei Familie Das schon um halb drei in der Frühe. „Dann mache ich mir etwas zu Essen und trinke anschließend immer ein großes Glas Wasser“, schildert er das morgendliche Ritual. „Viel Trinken ist schließlich wichtig, um gut durch den Tag zu kommen.“

Noch bevor die Sonne aufgeht, legt sich Firat wieder aufs Ohr. Erst viele Stunden später, derzeit gegen 21 Uhr, sitzt die achtköpfige Familie wieder zusammen am Tisch, um sich das Abendessen schmecken zu lassen. Dabei ist nicht jeder so hungrig, wie Fiat. „Mein Vater fastet gar nicht, wegen seinem zu hohen Blutzucker“, erzählt er.

Überhaupt kenne er viele Muslime in Rotenburg, die es mit dem Verzicht inzwischen nicht ganz so ernst nehmen. „Es hängt eben von jedem selbst ab, ob er das will oder nicht, wir leben halt in einem modernen Land“, so Firat.

Und warum fastet der junge Rotenburger? „Mir geht es darum, das Teilen und das Zusammensein zu lernen“, antwortet er. „Unsereins hat zum Glück immer eine warme Mahlzeit auf dem Tisch, wir können machen, was wir wollen. Es gibt aber auch Menschen, die das nicht können, weil sie es sich nicht leisten können. Durch den Verzicht versetze ich mich in deren Lage.“

Enthaltung, wenn andere essen – für Firat ist das kein Problem. „Das stört mich nicht, ich hol‘s ja nach“, schmunzelt er. Doch nicht immer sind die Stunden des Verzichts angenehm, wie er aus eigener Erfahrung weiß. „Gerade an heißen Tagen leidet man hin und wieder schon an Kopfschmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten, wegen des Flüssigkeitsverlusts.“ Auch die Gewichtsabnahme während der Fastenzeit sei für ihn ein nicht ganz so leicht hinnehmbarer Nebeneffekt. „Letztes Jahr habe ich zehn Kilo abgenommen, das war sicher nicht so gesund.“

Eines Tages wird Firat einmal selbst Kinder haben. Würde er denn seinen Nachwuchs zum Fasten anhalten? Firat schüttelt mit dem Kopf. „Nein, ich möchte sie so frei leben lassen wie möglich – egal, ob es sich um meine Tochter oder meinen Sohn handelt. Ich werde sie auf keinen Fall dazu zwingen, ihren religiösen Pflichten nachzugehen.“ – Am 30. August, mit Anbruch des Tages, endet der Ramadan mit dem traditionellen Fastenbrechen. Dann will Firat seine Clique nach Schulschluss einladen – zu einem gemeinsamen Essen im Imbiss. „Das wird eine tolle Sache“, sagt er.

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