Dr. Luise Knoop begleitete zwölf Jahre lang die Patienten

Mit Methadon aus der Illegalität

Dr. Luise Knoop

Visselhoevede - Von Guido Menker VISSELHÖVEDE · In der Theorie hört es sich sehr gut an: Heroinabhängige, die von der Droge loskommen möchten, unterziehen sich einer Substitution – also einer Methadon-Behandlung – und sind am Ende drogenfrei. In der Praxis ist das aber gar nicht so einfach. Dr. Luise Knoop könnte ein Lied davon singen. „Es ist eine Illusion“, sagt sie, „die meisten Patienten scheitern.“

Zwölf Jahre lang kümmerte sich die 62-Jährige Medizinerin um die Methadon-Patienten aus der Region. „Einige kamen aus Visselhövede, die anderen aus Fintel, Walsrode, Fallingbostel, Rotenburg, Hemslingen oder auch aus Verden“, erinnert sich die Fachärztin für Allgemeinmedizin an die zurückliegenden zwölf Jahre, in denen sie mehr als 50 dieser Patienten betreute. Aber inzwischen ist Schluss. Luise Knoop hat ihre Praxis an Dr. Dreyer übergeben – nach 22 Jahren.

Was passiert jetzt mit den Patienten? „Zuletzt waren es noch fünf, und die haben in Verden und in Langwedel Kollegen von mir gefunden, bei denen sie die Behandlung fortsetzen“, sagt Luise Knoop in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Das ist gar nicht so einfach, denn besonders begehrt ist diese Aufgabe unter den Ärzten nicht. Die Visselhövederin hat Verständnis dafür. Schließlich handele es sich um keine einfache Klientel.

Eine Methadon-Behandlung erstreckt sich über viele Jahre. Der Aufwand ist enorm – für den Patienten, aber auch für den Arzt. Unter medizinischer Aufsicht nehmen die betroffenen Männer und Frauen täglich das Methadon in flüssiger Form zu sich. „Es hilft den Patienten, weil es die schlimmen Entzugssymptome verhindert. Es wirkt 24 Stunden und sorgt nicht – wie das Heroin – für einen Kick, aber auch das Methadon macht abhängig“, erklärt Luise Knoop. Mehr noch: Methadon verändere die Persönlichkeit, könne Depressionen auslösen und sorge für Antriebslosigkeit. Die Medizinerin: „Der Entzug ist langwierig.“

Die Substitution sei durchaus umstritten, sagt sie, aber sie erwähnt eben auch positive Aspekte für den Patienten. Der nämlich könne sich aus einem Kreislauf lösen, aus einem Leben, in dem sich alles nur noch um die Sucht dreht. Es geht um die Beschaffung der Droge und das Geld dafür. Die Abhängigen brauchen mehrere Spritzen am Tag – die Gefahr, in der Illegalität zu landen, ist groß.

50 Patienten hat die Visselhövederin in den zurückliegenden zwölf Jahren begleitet – nur vier von ihnen haben es am Ende wirklich geschafft. „Und das dauert, wenn es gut läuft, mindestens fünf Jahre“, fügt Knoop hinzu. Es handele sich eben um wenig stabile Persönlichkeiten, deren Leben komplett neu aufgebaut werden müsse. Die Allgemeinmedizinerin selbst hatte sich einst extra für die Substitution ausbilden lassen. Ob sie es heute noch einmal machen würde, weiß sie nicht so genau. Denn nicht nur für die Patienten, sondern auch für den Arzt sei die Substitution sehr aufwändig. Er müsse sich jeden Tag Zeit dafür nehmen – es sei denn, es finden sich Kollegen oder Apotheker, die in ihrer Abwesenheit einspringen. Doch keiner von ihnen müsse es tun.

Das Gespräch mit unserer Zeitung nutzt Dr. Luise Knoop nicht zuletzt auch für eine Warnung. Nur wenige Male reichen für eine Heroinabhängigkeit. Die dann folgenden Entzugserscheinungen seien eine Qual und ohne Hilfe kaum zu überstehen – schmerzende Gliedmaßen, Schweißausbrüche, Krämpfe, Ängste und Durchfall. Methadon kann da helfen, setzt aber ein großes Maß an Disziplin voraus. Eine sozialpsychiatrische Begleitung ist aus Sicht von Dr. Luise Knoop unerlässlich.

Aber sie verleiht im Gespräch über ihren Abschied aus dem Praxisleben auch ihrem Wunsch Ausdruck, dass die Substitution medizinisch und darüber hinaus rechtlich auf bessere Füße gestellt wird.

Das könnte Sie auch interessieren

BVB dominiert bei Weinzierl-Debüt - FCB beendet Negativserie

BVB dominiert bei Weinzierl-Debüt - FCB beendet Negativserie

Fotostrecke: Eggestein-Show auf Schalke

Fotostrecke: Eggestein-Show auf Schalke

Tausende Migranten warten auf Einreise nach Mexiko

Tausende Migranten warten auf Einreise nach Mexiko

Saudi-Arabien räumt gewaltsamen Tod Kashoggis ein

Saudi-Arabien räumt gewaltsamen Tod Kashoggis ein

Meistgelesene Artikel

200.000 Euro Schaden nach Brand in ehemaliger Molkerei

200.000 Euro Schaden nach Brand in ehemaliger Molkerei

Ministerpräsident Weil  informiert sich über Angebote im Rotenburger Diakonieklinikum

Ministerpräsident Weil  informiert sich über Angebote im Rotenburger Diakonieklinikum

Schwitscher Oktoberfest mit Bierkrugstemmen und Dirndlwahl

Schwitscher Oktoberfest mit Bierkrugstemmen und Dirndlwahl

Gemeinde feiert Richtfest für das neue Domizil der Ortswehren Bartelsdorf und Wohlsdorf

Gemeinde feiert Richtfest für das neue Domizil der Ortswehren Bartelsdorf und Wohlsdorf

Kommentare