Eichenblätter mit historischen Daten rechtzeitig zum Scheeßel-Tag im Rathauspark verlegt

Auf 300 Metern durch die Geschichte

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An nur einem einzigen Tag hat Udo Muraschkin nach Vorgaben des Architekten alle 22 Platten einzementiert.

Scheeßel - Von Ulla Heyne - Wer in Zukunft durch den Rathauspark Richtung Gemeindeverwaltung wandelt, unternimmt auch eine chronologische Reise in die Vergangenheit des Beeke-Ortes. Denn rechtzeitig zum heutigen Scheeßel-Tag ist er fertig geworden, der Geschichtspfad mit rund zwei Dutzend eingelassenen Steinplatten.

Gerade verlegt ein Mitarbeiter der mit der Parkgestaltung beauftragten Gärtnerei die letzten der rund 18 Kilogramm schweren Tafeln in Eichenblattform, 22 an der Zahl. Sie erinnern an Ereignisse aus der Historie des Ortes. Welche Jahreszahlen und Begebenheiten Erwähnung finden sollten, wurde im Rat lange Zeit heiß diskutiert.

Dass die ursprünglich 50 Vorschläge von Gemeindearchivar Dr. Karsten Müller-Scheeßel nicht sofort auf ungeteilte Zustimmung aller Fraktionen gestoßen waren, hatte mehrere Gründe: Einigen Ratsmitgliedern erschien die Zeit zu knapp, um sich eingehend mit den Daten ausein-ander zu setzen, andere vermissten die Relevanz konkreter Geschichtsdaten für Scheeßel. So ging es etwa um die Aufnahme der beiden Weltkriege in die Chronologie der Platten oder um die Frage, nach welchen Maßstäben die so genannte „Franzosenzeit“ im Beeke-Ort terminiert werden solle.

Nachdem Dr. Wolfgang Dörfler aus Hesedorf – ein weiterer versierter Historiker – hinzugezogen worden war, der dem Kernortausschuss mit seinem Rat zur Seite stand, legte eine Arbeitsgruppe aus Mitgliedern aller Fraktionen, Fachbereichsleiter Inneres Stefan Behrens und Historiker Dr. Karsten Müller-Scheeßel einen endgültigen Vorschlag vor. Der fand die einstimmige Zustimmung im Rat, sodass die Gravurarbeiten rund zwei Jahre nach der ersten Vorstellung der Idee aufgenommen werden konnten (wir berichteten).

Auf den Eichenblättern des Hauptweges durch den neu gestalteten Rathauspark liest man nun beispielsweise von der Gründung der Eichenschule, vom ersten Rockfestival, aus dem sich später das „Hurricane“ entwickelte, von der Einweihung der Bahnstation und der St.-Lucas-Kirche, vom Bau der Scheeßeler Mühle oder von der Gründung von Vereinen.

Auch an überregional bedeutsame Daten wird erinnert, sofern sie das Gesicht des Ortes geprägt haben, etwa den zweiten Weltkrieg, in dessen Folge zahlreiche Flüchtlinge in der so genannten „Ostlandsiedlung“ ein neues Zuhause fanden. Für Zündstoff hatte auch die erste Platte gesorgt, bei der es um die erste namentliche Erwähnung des Ortes ging.

Der Hinweis Dörflers, dass es sich bei dem im Diedenhofener Kapitular zur Zeit Karls des Großen erwähnten Ort „Schesla“ nicht um den heutigen Ort Scheeßel handelt, fand beim Entwurf des entsprechenden Plattentextes Berücksichtigung.

Aber auch finstere Kapitel der Geschichte werden nicht verschwiegen, wie etwa die Hexenprozesse gegen Mette und Margarethe Meinke aus Westeresch im Jahr 1664 oder die Plünderung des Ortes während des 30-jährigen Kriegs.

Fachbereichsleiter Stefan Behrens freut sich, dass das Projekt gestern rechtzeitig zum heutigen Scheeßel-Tag beendet wurde: „Der Zement ist auch schon trocken, dann können die Besucher des Scheeßel-Tages den Weg gleich in Augenschein nehmen!“

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