Tschechischer Virtuose Pavel Steidl brilliert beim Konzert in der Marienkirche

Meisterhafte Klänge

Wenn Pavel Steidl seine Gitarre erklingen lässt, scheint es so, als spräche er mit dieser. ·
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Wenn Pavel Steidl seine Gitarre erklingen lässt, scheint es so, als spräche er mit dieser. ·

Sottrum - AHAUSEN · Mit großer Leidenschaft und in seiner ganz besonderen Art, ausdrucksstark und unter die Haut gehend, interpretierte er Werke von Nicolo Paganini, Zani de Ferranti, Johann Sebastian Bach, Fernando Sor und Isaac Albéniz: Im zweiten Meisterkonzert der Rotenburger Gitarrenwoche brillierte der tschechische Virtuose Pavel Steidl am Freitagabend in der Ahauser Marienkirche.

Und Pavel Steidl ist den Rotenburgern kein Unbekannter. Schon zum vierten Mal ist er Gast bei der Gitarrenwoche und hat mit seinen Meisterkonzerten, Workshops und Seminaren viele Freunde gewonnen. Die Rotenburger Musikfreunde bezeichnet er liebevoll als seine zweite Familie.

Ein so renommierter Gitarrenkünstler, der Auftritte in mehr als 40 Ländern auf allen Erdteilen der Welt hatte, lebt ganz bescheiden in dem kleinen Dorf Skryje zwischen Prag und Pilsen mit seiner Frau Jana, mit der er seit zwei Jahren verheiratet ist, und seinem dem Golden Retriever Dorinca. Ein wenig beklagt der 51-Jährige die vielen Reisen, da sie ihm so wenig Zeit für sein Familienleben lassen, zumal seine Frau als Musiklehrerin auch oft in Meißen (Sachsen) ihrem Beruf nachgeht. Im nächsten Jahr wollen sie deshalb etwas kürzer treten und sich mehr Zeit für einander nehmen.

Pavel Steidl hat schon im Alter von sieben Jahren mit Country- und Westernmusik seine Liebe zur Gitarre entdeckt, bevor er die Ausbildung als Konzertgitarrist begann und 1982 mit 21 Jahren den ersten Preis beim internationalen Gitarrenwettbewerb des Senders Radio France gewann und danach seine internationale Karriere startete.

Liebevoll, wie ein Kind, hält der ganz in Schwarz gekleidete, nicht sehr große Mann, seine kostbare Romantikgitarre, einen Nachbau von 1820, im Arm und begleitet seinen meisterhaften Vortrag mit Augenaufschlägen und einer unvergleichlichen Mimik, als ob er mit dem Instrument spräche. Reine und klare Töne in unwahrscheinlich schneller Abfolge zaubern seine beweglichen Finger, nur so über die Saiten springend, aus seinem kostbaren Instrument. Er lebt jeden Ton mit, schaut seine Gitarre an, überredet sie mit seiner Mimik, doch die schnellen Kapriolen und Tonfolgen mitzumachen, sagt ihr pantomimisch, dass jetzt ganz leise Töne kommen oder auch bukolisch heitere Klänge.

Wie klares, kühles Quellwasser sprudelten die reinen, vollen Töne durch das voll besetzte Kirchenschiff, rissen die begeisterten Zuhörer mit und ließen die schwüle Wärme dieses Abends vollends vergessen. Seine blitzenden Augen und seine unvergleichliche Mimik sprachen auch mit dem Publikum und ließen oft ein Schmunzeln auf den Gesichtern fachkundigen Gäste entstehen. Keiner von ihnen hat es wohl bereut, die olympische Eröffnungsfeier gegen das meisterhafte Konzert von Pavel Steidl eingetauscht zu haben. Man kann nur hoffen, dass dieser internationale Künstler der Rotenburger Gitarrenwoche weiterhin die Treue hält und die hiesigen Musikliebhaber an seinem Können auch in Zukunft teilhaben lässt. · hs

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