„Der Schaden für die Umwelt ist massiv“

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Jürgen Cassier vom Landkreis Rotenburg: „Das ist ein Super-Gau“. 

Ostervesede - Von Lars Warnecke - Gravierender Zwischenfall in einer Biogasanlage in Schultenwede im Heidekreis: Rund 400 Kubikmeter Gärflüssigkeit sind über einen angrenzenden Graben bis in den Lünzener Bruchbach und die Veerse geflossen. Die Auswirkungen auf die Umwelt sind verheerend: Viele Fische sind bereits tot.

Denn so viel stand gestern bereits fest: Im Lünzener Bruchbach bei Ostervesede (Kreis Rotenburg) ist auf einer Länge von neun Kilometern wohl jedes Leben vernichtet worden. Auch in der Veerse, in die der Bach mündet, seien die Auswirkungen schwerwiegend, hieß es gestern von Seiten der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises. An der Kreisstraße 211 zogen Vertreter der Behörde gemeinsam mit örtlichen Fischern unzählige tote Fische aus dem Bach. „Der Schaden für die Umwelt ist massiv und besonders tragisch, da es sich um ein naturgeschütztes Gewässer handelt, in dem für die Region sehr seltene Fische beheimatet sind“, erklärte Jürgen Cassier, Leiter der Naturschutzbehörde.

Lesen Sie auch: Panne in Biogasanlage: Fischsterben im Landkreis Rotenburg

Insbesondere die in jahrelanger Renaturierungs- und Hegearbeit von den örtlichen Angelvereinen und auch der Stiftung Naturschutz im Landkreis Rotenburg aufgebauten Bestände stark gefährdeter Arten wie Flussneunauge und Bachforelle seien betroffen.

Am Sonntagmittag gegen 12 Uhr hatten Spaziergänger bemerkt, dass im Lünzener Bruchbach tote Fische schwammen und das Wasser erbärmlich nach Gülle stank. Durch einen Hinweis von Ralf Gerken, Fischereibeauftragter des Landessportfischerverbandes, habe man die Biogasanlage in Schultenwede als Quelle der Gewässerverschnutzung schnell ausfindig machen können, so Cassier. „Bei einer ersten Befragung des Betreibers stellte sich heraus, dass sich der Unfall offensichtlich schon in der Nacht zuvor ereignet hatte und erst am Sonntagmorgen von dem Landwirt bemerkt wurde“, so Gerken.

Bilder vom Gülle-Unfall

Fischsterben nach Panne in Biogasanlage

Bis zum Eintreffen der Landkreis-Mitarbeiter am Abend hatte er keine Mitteilung an die Behörde oder die Polizei gemacht, sondern stattdessen versucht, auf eigene Faust die Verunreinigung zu beheben. Bis zu 100 Kubikmeter Gülle-Material seien so aus dem kleinen Bach wieder herausgeholt worden. Die Havarie, so Gerken weiter, sei nach Betreiberangaben durch ein defektes Pumpensystem verursacht worden, was dazu führte, dass die Gärflüssigkeit über den Hof in den Bach geflossen sei. Schutzwälle oder ähnliche Sicherheitseinrichtungen habe es an der Biogasanlage nicht gegeben. Der verantwortliche Landwirt äußerte sich nicht zu den Vorwürfen. Gerken: „Wenn sich die ersten Erkenntnisse bewahrheiten, sind ganze Populationen bedrohter und geschützter Arten im fischökologisch wertvollsten Gewässer des Landkreises und des Wümmegebietes vernichtet worden.“ Gegen den Betreiber der Biogasanlage ist gestern noch kein Ermittlungsverfahren wegen Gewässerverunreinigung eingeleitet worden.

„Wir müssen zunächst feststellen, ob es sich um einen Straftatbestand nach dem Umweltschadensgesetz handelt“, erklärte Cassier. Das Umweltministerium wurde im Laufe des Tages über den Vorfall informiert. Doch eine politische Reaktion aus Hannover gab es von Umweltminister Stefan Birkner (FDP) noch nicht. Für heute sind Fachgespräche geplant.

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