Martin F. Wenner: „Unerträglich“

Martin F. Wenner bei der Aktion auf dem Höllenberg. Er entfernt mit Hammer und Meißel das Hakenkreuz.

Visselhoevede (men) · Im Rahmen einer politisch motivierten Aktion hat der Visselhöveder Künstler Martin F. Wenner am so genannten Schlageter-Denkmal auf dem Höllenberg in Drögenbostel das in den Schriftzug integrierte Hakenkreuz entfernt. Anschließend spannte er ein Tuch über den etwa vier Meter hohen Stein, mit dem der Künstler an die „Edelweißpiraten“ erinnerte.

„Ich stehe hier (...) als Demokrat und Bürger dieser Stadt“, sagte Wenner. 1926, also vor 84 Jahren, sei dort auf dem Höllenberg ein Denkmal für den 1923 in Düsseldorf hingerichteten Albert Leo Schlageter errichtet worden, der eindeutig der deutsch-nationalen rechten Szene zuzurechnen gewesen sei. „Das ist fragwürdig genug, und aus diesem Grunde sind bislang schon 80 von 100 damaligen Denkmälern wieder entfernt oder umgewidmet worden. Hier seltsamerweise nicht“, so Wenner während der Aktion im Kreise von neun Freunden und Künstlerkollegen. „Unerträglich“ sei die Tatsache, dass sich in dem eingravierten Namenszug ein Hakenkreuz befinde, und dass in den 65 Jahren nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur es niemand für nötig gehalten habe, dieses zu entfernen. „Und niemand scheint sich auch daran zu stören, dass hier ein Treffpunkt der heutigen rechten Szene ist“, so Wenner. Der Künstler habe für die Aktion ganz bewusst den 10. November gewählt, den 66. Jahrestag der Ermordung der „Edelweißpiraten“. Sie wurden in Köln-Ehrenfeld erhängt. „Ich bin in diesem Stadtteil geboren und aufgewachsen, und ich bin im Herzen einer von ihnen, diesen Jugendlichen aus den Arbeitervierteln Kölns und anderswo, die Hitlerdeutschland damals mit Leidenschaft ihre Stirn boten.“

Mit der Aktion wolle er eine Umwidmung dieses Denkmals anregen – „weg von dieser fragwürdigen Person, hin zu einer Würdigung der mutigen Widerstandsgruppe der Jugendlichen an Rhein und Ruhr, den Edelweißpiraten.“

Visselhövedes Bürgermeisterin Franka Strehse sagte auf Anfrage, es handele sich nicht um ein Denkmal im Sinne des Gesetzes, der Stein befinde sich auf einem Privatgrundstück. Es sei daher eine zivilrechtliche Angelegenheit, die Stadt sei nicht damit befasst. Wenner will das nicht gelten lassen, sei der Ort doch als Denkmal auch in Stadtplänen verzeichnet. Strehse meint, es ändere nichts daran, dass es kein Denkmal ist.

Der Künstler war inzwischen bei der Polizei und habe dort nach eigener Aussage bekannt gegeben, dass er für die Aktion und das Entfernen des Hakenkreuzes verantwortlich sei. Für ihn habe der Ort öffentlichen Charakter, es gebe dort sogar ein Schild mit Hinweisen zu Schlageter. Drumherum lägen sieben Steine mit Buchstaben darauf. Der Stein in der Mitte trage die Kombination „NS“. „Wenn dort nichts passiert, entferne ich diese Buchstaben auch.“

Der Grundstücksbesitzer will den Stein übrigens nicht entfernen und hat bis gestern auf eine Anzeige verzichtet. Er wünscht sich Ruhe dort oben. Die habe es in den vergangenen Jahren auch gegeben. Er heiße das Hakenkreuz aber nicht für gut, erklärte er: „Es ist weg – das ist gut.“ Eine Bank, die dort aufgestellt worden sei, habe er bereits entfernt, um dem Ort den öffentlichen Charakter zu nehmen.

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