Katrina Semmelroggen ist im Auftrag des Auswärtigen Amtes in Costa Rica tätig

„Fühlt sich deutscher als zu Hause“

Katrina Semmelroggen hat ihren Mann im westafrikanischen Benin kennengelernt. ·
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Katrina Semmelroggen hat ihren Mann im westafrikanischen Benin kennengelernt. ·

Scheessel - Von Ulla HenyeWESTERVESEDE/SAN JOSÉ · Sie ist eine Mischung aus Standesamt, Einwohnermeldeamt, Touristen-Notfalltelefon und Häftlingsbetreuerin. Ihr Arbeitsplatz: Früher Benin, heute Costa Rica. Katrina Semmelroggen aus Westervesede gehört zu den 40 bis 50, die jedes Jahr aus 1600 Bewerbern für den gehobenen Dienst vom Auswärtige Amt ausgewählt werden. Die RK/VN traf die ehemalige Eichenschülerin auf „Heimaturlaub“.

Frau Semmelroggen, wie kommt man zum Auswärtigen Dienst?

Katrina Semmelroggen: Das war eigentlich eher Zufall. Nach einem Auslandsjahr in Kanada war für mich klar, dass ich beruflich gern etwas mit Sprachen machen und im Ausland arbeiten möchte. Da kam eine Anzeige in einer Abiturientenzeitschrift gerade recht. Beworben habe ich mich kurz vor dem Abi. Während der schriftlichen Prüfungen kam dann die Zusage.

Was lernt man während der dreijährigen Ausbildung für den diplomatischen Dienst – vor allem Psychologie und interkulturelle Kommunikation?

Semmelroggen: Das waren natürlich auch Bestandteile, die in Seminaren abgedeckt wurden. Vor allem ging es aber um Jura, Bereich Zivilrecht. Die spätere Aufgabe besteht ja vor allem darin, praktische Probleme zu lösen. Meine Hauptaufgabe ist der Bereich Rechts- und Konsularwesen, Kultur und Protokoll machen etwa 30 Prozent der Arbeit aus.

Zuerst wurden Sie nach Benin in Westafrika entsandt, einem „C-Land“ in der Beliebtheitsskala – warum ausgerechnet dorthin? Und: War das nicht ein Kulturschock?

Semmelroggen: Man bewirbt sich auf vakante Stellen. Mein Erstwunsch war damals Malawi – ich habe mich in Benin aber auch sehr wohl gefühlt. An das Land hatte ich eigentlich keine konkreten Erwartungen – das ist auch besser, dann kann man nicht enttäuscht werden und geht offener an eine Kultur heran. Ich war einfach sehr neugierig, ein „richtiges“ Entwicklungsland kennenzulernen. Ich war positiv überrascht: Obgleich viele Menschen arm sind, herrscht dort kein Elend; es gibt keine Müllberge, die Menschen ziehen sich ordentlich an und haben eine gewisse Würde. Sie sind stolz auf ihren kulturellen Hintergrund und verlieren sich nicht in der Globalisierung. Faszinierend, wie viele traditionell bleiben, sich aber trotzdem der Modernität annähern. Da tragen die Frauen das traditionelle „Pagne“ und essen „Ignam pilé“, also gestampften Yams – und managen ihr internationales Importgeschäft.

Wie ist das Bild, das man im Ausland von „den Deutschen“ hat?

Semmelroggen: Erstaunlich positiv. Natürlich wird deutsche Technik geschätzt, oder auch das deutsche Bildungswesen. Aber spätestens seit der Fußballweltmeisterschaft werden die Deutschen auch als Volk gesehen, das Spaß haben und feiern kann.

Und Ihr eigenes Deutschland-Bild, hat sich das auchverändert?

Semmelroggen: Ja. Man fühlt sich deutscher als zuhause. Die Identitätsfrage „Wer bin ich, wo komme ich her?“ ist viel wichtiger. Man ist gern deutsch. Einiges relativiert sich, Und man merkt erst, was man am Land schätzt.

Was heißt das konkret?

Semmelroggen: Die viel beschimpfte Bürokratie erscheint einem nicht mehr so schlimm, wenn man weiß, wie es in anderen Ländern zugeht. Und konkret nehmen wir einiges von zuhause mit: Bücher, Lakritz, früher Schwarzbrot, und Holzspielzeug für den Sohn. Milka wird inzwischen in Costa Rica hergestellt ...

Das klingt alles nach einem Traumjob. Hatten Sie nie Momente, wo Sie die Entscheidung für das „Nomadenleben“ bereut haben?

Semmelroggen: Es ist ein toller Beruf, der viele Möglichkeiten bietet – aber auch vieles unmöglich macht. Man muss bereit sein, immer wieder alle Brücken abzubrechen und sich immer wieder auf neue Länder einzulassen. Da muss man aufpassen, nicht abzustumpfen und braucht einen stabilen Anker. Den habe ich in meiner Familie, die mitzieht. Leicht haben wir uns die Entscheidung, dass mein Mann seinen Job aufgibt, um mir zu folgen, nicht gemacht. Das will wohl überlegt sein, da die Partner schon aus rechtlichen Gründen in vielen Gastländern nicht arbeiten dürfen.

Hatten Sie nie kritische Momente?

Semmelroggen: Bis jetzt habe ich immer Glück gehabt. Natürlich gibt es so Adrenalin geladene Momente. Beim Bundespräsidentenbesuch in Costa Rica fehlte am zweiten Tag morgens vor der Abfahrt ein Fahrzeug – zum Glück ließ sich das rechtzeitig beheben ...

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