Landkreis fördert Defibrillatoren im Außenbereich

Noch mehr Lebensretter für Rotenburg

Sicherheitsbeauftragter Ronald Schulz mit einem im Rucksack verpackten Defibrillator.
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Es ist gut, ihn zu haben, meint Sicherheitsbeauftragter Ronald Schulz – im besten Fall muss der Defibrillator aber gar nicht erst eingesetzt werden.

Ein Defibrillator kann im Notfall Leben retten – deswegen fördert der Landkreis seine Anschaffung seit 2011. Jetzt wird diese erweitert um ein Modell, das extra für den Außenbereich gedacht ist. So könnte noch mehr 24/7-Zugänglichkeit erreicht werden.

Rotenburg – Manchmal entscheiden nur wenige Sekunden über Leben und Tod eines Menschen. Erste-Hilfe-Kenntnisse zu haben, ist also im wahrsten Sinn lebensrettend. Hilfreich ist es dann auch, zu wissen, wo sich zum Beispiel bei einem drohenden plötzlichen Herztod der nächste Defibrillator befindet. Mehr als 150 Automatisierte Externe Defibrillatoren (AED) gibt es mittlerweile im Landkreis Rotenburg, der die Anschaffung seit 2011 fördert – diese sind aber oft nur öffentlich zugänglich, wenn das entsprechende Gebäude geöffnet ist. Daher fördert der Landkreis ab dem 1. Juli auch AED für den Außenbereich.

Sie sind wie eine Versicherung, meint Ronald Schulz, Fachangestellter für Bäderbetriebe im Erlebnisbad Ronolulu und zugleich Sicherheitsbeauftragter: „Gut zu haben, aber man hofft, dass man sie nie braucht.“ Im Ronolulu gibt es zwei kurz Defi genannte Geräte. Einen im Kassenbereich, in einem an der Wand installierten Kasten. Der zweite befindet sich in einem markanten roten Rucksack und wechselt – je nach Saison – zwischen Frei- und Hallenbad. Beide sind mit der Förderung des Kreises angeschafft worden.

Voraussetzung ist, dass die AED für die Allgemeinheit zugänglich sind. „Das ist wichtig“, sagt Schulz und hebt den schweren Rucksack aus dem Aufsichtsturm. Dieser enthält neben dem AED-Kit unter anderem einen Verbandskasten. Dazu hat das Ronolulu Beatmungsbeutel angeschafft – für Kinder und für Erwachsene. „Gerade jetzt in Pandemiezeiten ist das relevant“, erklärt Schulz. Eigenschutz: So können sie erste Hilfe leisten, ohne Mund-zu-Mund-Beatmung selbst durchzuführen.

Das Rotenburger Ronolulu besitzt zwei Defibrillatoren für den Notfall.

Oft seien die beiden Defis zum Glück noch nicht im Einsatz gewesen. Einmal sei es jedoch sehr kritisch gewesen – die Person musste nicht nur einmal wiederbelebt werden. Dennoch ist es gut, dass sie für den Fall der Fälle da sind. „Gerade hier werden sie gebraucht“, meint Schulz. „Aber meist verteilen wir eher Pflaster und Kühlpacks.“ Er weiß genau, wie mit dem stets einsatzbereiten Rucksack umzugehen ist. „Aber das ist deppensicher“, betont er – jeder Laie kann ihn im Notfall einsetzen und dabei nichts falsch machen.

Das Gerät leitet den Benutzer an und prüft anhand der Vitaldaten, ob überhaupt die Notwendigkeit eines Elektroschocks besteht. „Nur, wenn das Gerät es als nötig ansieht, kann man den Schock auch auslösen“, erklärt auch Silke Hinze, Leiterin Betrieb Rettungsdienst beim Landkreis. Es sei toll, wenn die Helfer Erste-Hilfe-kundig sind, für die Benutzug aber tatsächlich nicht notwendig. Und: Wer im Notfall Erste Hilfe leistet, braucht nicht zu zögern: Er ist rechtlich abgesichert. Denn: „Nichts ist schlimmer, als gar nicht zu helfen“, sagt Hinze.

Bis zu 30 Prozent der Kosten trägt der Landkreis bei der Anschaffung der nicht ganz günstigen Geräte. Dieses muss an einem Standort sein, wo es überwiegend der Allgemeinheit zur Verfügung steht. Bislang boten sich dabei vor allem Innenräume an, denn ein Defi muss im Sommer vor Hitze und im Winter vor Kälte geschützt sein. Zwar gab es zu Beginn der Förderung einen entsprechenden Aufbewahrungskasten – doch war die Anschaffung teurer als das AED, merkt Hinze an.

Grüne Schilder mit Herz-Symbol: Standorte für AEDs

Automatisierte externe Defibrillatoren (AED) finden sich mittlerweile an vielen Orten: In Firmen, auf öffentlichen Plätze und an öffentlichen Gebäuden sind Geräte zur Ersten Hilfe. Jeder Laie kann damit problemlos umgehen, da die Defis den Benutzer durch die Maßnahme leiten. Dazu müssen die Geräte regelmäßig gewartet werden, was bei den Landkreis-geförderten der Anbieter übernimmt. Ein grünes Hinweisschild mit Herz-Symbol weist auf das Vorhandensein hin. Einziges Manko: Meist muss man vorher wissen, wo sie sich befinden, erklärt Silke Hinze, Leiterin Betrieb Rettungsdienst beim Landkreis. Sie seien zwar gut sichtbar, aber „von weiter weg meist nicht mehr zu sehen“. Für den Landkreis gibt es ein Kataster, in dem alle zugänglichen AED aufgeführt sind. Das finden Interessierte auf der Internetseite unter dem Bereich Bürgerservice, „Rettungsdienst“. In der Stadt Rotenburg befinden sich unter anderem Defis im Kreishaus, dem Ronolulu, am Rathaus und Kantor-Helmke-Haus, der DRK Rettungswache und den Stadtwerken.

Da die Entwicklung weiterläuft, gebe es mittlerweile relativ kleine Kästen für den Außenbereich, belüft- und beheizbar, die einen Stromanschluss benötigen. Im Inneren steht dann für den Notfall eine Tasche mit dem AED bereit – kein Rucksack bei diesem Modell „Rotenburg II“, wie es der Landkreis getauft hat. Das bisherige und auch weiterhin mögliche „Modell Rotenburg“ nur mit dem Rucksack sei ebenfalls weiterhin förderfähig.

Der Defibrillator sei bei beiden Modellen das selbe Gerät, da wolle man einheitlich bleiben, so Hinze. Der Anbieter kümmere sich um die regelmäßige Wartung sowie den Tausch der Batterien und Pads. Hierfür wird die Förderrichtlinie ebenfalls erweitert: Die laufenden Kosten für die Dauer von zehn Jahren fördert der Landkreis ebenfalls. Dafür musste bislang allein der Antragsteller aufkommen.

Das Thema Förderung sei auch durch die Einführung der „Mobile Retter“-App, mithilfe derer parallel zum Notdienst qualifizierte Ersthelfer alarmiert werden können, nochmal aufgekommen. In der App können die Standorte der Defis hinterlegt werden, sodass die Leitstelle die Helfer dort hinlotsen kann. „Es wäre schön, die 24/7-Erreichbarkeit sicherstellen zu können bei viel mehr Geräten, wenn es eine Lösung für den Außenbereich gibt“, sagt Hinze.

Mit dem neuen Modell jetzt hofft sie, dieses wichtige Thema wieder breiter bekannt zu machen. Wurde die Förderung in den ersten Jahren nach Bekanntwerden rege genutzt, sei es zuletzt weniger geworden. Durch die neue Möglichkeit im Außenbereich wird es vor allem im ländlichen Raum einfacher, Geräte aufzustellen, ist sich Hinze sicher.

Bei den Standorten sei der Landkreis sehr flexibel, solange gegeben ist, dass das Gerät die meiste Zeit zugänglich ist. Das kann in einem Dorf auch mal der Bäcker sein, so Hinze. Gemeinschaftshäuser hingegen seien oft schwierig, da sie normalerweise nicht ganztägig zugänglich sind. „Wir sind da aber ganz offen, uns geht es darum, die Geräte in die Fläche zu bekommen“, so Hinze. Das zur Verfügung stehende Budget sei bislang nie ausgereizt worden, sodass alle Anträge mit geeignetem Standort gefördert werden konnten.

Anschaffung eines Defis

Fragen zur Förderung und Anschaffung eines Automatisierte Externe Defibrillatoren (AED) beantwortet Silke Hinze unter der Telefonnummer 04261/ 9832840 oder per E-Mail an silke.hinze@lk-row.de. Die Anträge müssen schriftlich beim Landkreis (Amt 38, Hopfengarten 2, 27356 Rotenburg oder per E-Mail an rettungsdienst@lk-row.de) eingereicht werden.

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