Die Heide droht aus dem Landkreis zu verschwinden / Naturschützer fordert Subventionen

Kulturpflanze mit Nischendasein

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Um den Bestand der Zentralheide muss sich zur Zeit niemand Sorgen machen. ·

Visselhoevede - Von Wieland BonathNIEDERHAVERBECK · Als die Heidebauernzeit um 1850 langsam endete, wurde die alte Kulturpflanze Heide vielerorts zum Todeskandidaten. Die Pflanze verlor für die Bauern ihren Nutzen. Die Lüneburger Heide gehört mit einer zusammenhängenden Fläche von 5 500 Hektar Heide, Mooren und Magerrasen im Heidekreis zum europäischen Spitzenreiter. Diesen Bereich hat der Verein Naturschutzpark in seine Obhut genommen. Weniger Glück hatten hingegen Heide und Moor im angrenzenden Landkreis Rotenburg.

Zwei große Wandkarten im Kreishaus dokumentieren das schnelle Verschwinden von Heide und Moor im Altkreis Rotenburg. Ähnlich ist der Verlauf im Altkreis Bremervörde: Dort, wo 1897 Heide und Moor dominierten, sind 68 Jahre später nur Überbleibsel an Besen- und Glockenheide zu finden. Als nennenswerte Heideflächen, die unter Landschafts- oder Naturschutz stehen, gibt es heute noch den Wolfsgrund (bei Eversen), die Hastedter Schnuckenheidem sowie das Vareler, Deepener und Westeescher Wacholdergebiet.

Bei Mooren wird durch aufwändige Vernässungsmaßnahmen erfolgreich versucht, einen Teil der verschwundenen Vergangenheit zurückzuholen. Die Heide hingegen braucht nährstoffarmen Boden, der rar geworden ist.

Wir treffen Mathias Zimmermann, seit 13 Jahren Geschäftsführer des Vereins Naturschutzpark Lüneburger Heide (VNP) in Niederhaverbeck in der Geschäftsstelle des Vereins, der im Auftrag des Landes Niedersachsen das älteste und größte landgestützte Naturschutzgebiet betreut. Der Neuenkirchener, der den 1909 gegründeten Verein mit rund 3 500 Mitgliedern und 105 Mitarbeitern um manche Klippe manövriert hat: „Im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide sind die Heideflächen in den vergangenen 15 Jahren massiv angestiegen. Der Grund ist, dass aus dem Truppenübungsplatz (Soltau-Lüneburg-Abkommen) von den Briten Flächen in einer Größe von 1 800 Hektar zurückgegeben wurden. Auch die Heide-Wald-Übergangsbereiche sind zugunsten der Heide entwickelt worden. Dadurch sind die Heideflächen um etwa 300 Hektar gewachsen.“

Vom Verein wird heute eine Fläche von etwa 10 000 Hektar betreut. 5 500 Hektar Heide, Moore und Magerrasen, 3 350 Hektar Wald, 500 Hektar Ackerland. Der VNP darf für sich in Anspruch nehmen, dass er seine relativ großen Heideflächen unter anderem durch Heidschnuckenherden so gut pflegt, dass diese einzigartige Pracht nicht gefährdet sein dürfte. Im August, wenn die Heide blüht, zieht es wahre Heerscharen auf den Wilseder Berg, an den Totengrund und auf kilometerlange sandige Wege, vorbei an „Erika“ und bis zu 500 Jahre alten Wacholdergruppen. Wobei sich unter „Feinschmeckern“ längst herumgesprochen hat, dass die „graue Zeit“ vor und nach der Saison in der Heide besonders reizvoll ist.

Sorgen macht sich Mathias Zimmermann um die Heideflächen in privater Hand, die weniger und weniger werden. Der VNP-Geschäftsführer hält gar nichts davon, die Heide als Unland einzuordnen: „Die Heide ist seit Jahrhunderten eine landwirtschaftliche Nutzpflanze für die ganzjährige Beweidung mit großen Tieren. Die Heide hat ab August einen besseren Futterwert als Gras.“

Wenn die Politik die Heide aus der landwirtschaftlichen Direktzahlung ausschließe, so Zimmermann, trage sie die Verantwortung, wenn man sich um private Heideflächen ernste Sorgen machen müsse. Er fordert eine andere Verteilung der EU-Agrarsubventionen: Für Acker- und Grünland pro Jahr und Hektar fünf bis sechs Cent weniger, um private Heideflächen zu subventionieren. „Das ist für die Betroffenen,“ unterstreicht Zimmermann, „leicht hinnehmbar, und das Land sowie die Bauern würden davon profitieren, wenn die restlichen Heideflächen erhalten blieben.“

Immerhin: Landwirtschaftsminister Lindemann geht offenbar an der Seite des VNP-Geschäftsführers und hat zugesagt, das Problem in der neuen Agrarförderperiode in die Ministerkonferenz einzubringen.

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