Kreisarchäologe Dr. Stefan Hesse beschäftigt sich mit der Burg in Clüversborstel

Kugeln als stumme Zeugen

Clüversborstel - Von Wieland Bonath - Wenn man auch nicht viel sieht: Wer hat schon eine Burg in seinem Naturgarten, gleich neben dem Gutshaus?

Immerhin sind diese Reste ferner Zeit auf einer natürlichen Geländekuppe in der Wieste-Niederung am Rande des kleinen Clüversborstel nach Meinung des Kreisarchäologen Dr. Stefan Hesse eine der schönsten spätmittelalterlichen Burgen im Kreis Rotenburg. Auch wenn die Reste, die sich als sanfte Erderhöhungen zeigen, einige Ansprüche an die Phantasie darstellen …

Wissenschaftler brachten inzwischen mehr Licht in die Geschichte der Festung, die aus einer Vor- und einer Hauptburg bestand. Hermann Clüver, der einer ministerialen in den Niederadel aufgestiegenen Familie entstammt, hat 1478 mit dem Bau begonnen.

Schon wenige Jahre später wurde es ernst, als die Familie Clüver die jährlichen Fischlieferungen an den Bischof von Verden missachtete. Probleme wurden damals mit besonders „locker sitzenden“ Waffen gelöst. Nachdem die Clüvers im Verdener Gebiet geplündert hatten, belagerte Bischof Berthold von Landesbergen die Burg, konnte sie aber nicht einnehmen – obwohl er Artillerie eingesetzt hatte.

Gut sichtbar, möglicherweise als „Trophäen“ gedacht, wurden die abgefeuerten Eisen- und Steinkugeln im Giebel der Burg vermauert. Dr. Hesse erklärt dazu: „Clüversborstel ist ein gutes Beispiel für die Weiterentwicklung der Militärtechnik und des Befestigungswesens.“ Unter dem Titel „Gewalt und Konflikt“ veröffentlicht Hesse Mitte dieses Jahres in der Zeitschrift „Archäologie in Niedersachsen“ einen Bericht, der sich näher mit diesem Thema beschäftigt.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) ging es mit der Clüversborsteler Burg zu Ende. Im Jahre 1627 wurde die Vorburg von Tillys Soldaten abgebrannt, 1645 schließlich die gesamte Burg von Truppen des schwedischen Heerführers Graf von Königsmarck zerstört. Auch am Beispiel dieser Anlage, dass haben die Forschungen der Archäologen inzwischen ermittelt, lässt sich das Burgensterben erkennen: Im Mittelalter rückten Wohn- und Wehranlagen möglichst dicht zusammen – später eine funktionale Trennung: das „Herrenhaus“ entstand abseits der eigentlichen Burg.

Dr. Stefan Hesse streift derweil zwei weiße Textilhandschuhe über und greift eine Gürtelschnalle sowie einen Fingerhut. Außerdem zwei Bleikugeln mit 1,9 Zentimeter Durchmesser, eine platt, die andere rund, abgefeuert von einer Kartusche. Alles Fundmaterial von den Untersuchungen an der Burg in Clüversborstel.

Rubriklistenbild: © Foto: Bonath

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