Karsten Müller-Scheeßel blickt auf Menschen aus Scheeßel zurück, die das Jahr 2011 prägen

Kreativ, innovativ und vorbildlich

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Uli Drömann (l.) und Marco Ivers waren kreativ. ·

Scheessel - Ehrenamtlicher Einsatz im Hintergrund, herausragende Leistungen, kreative Köpfe und bemerkenswerte Verdienste – das Leben in den Dörfern der Gemeinde Scheeßel wird vor allem durch die verschiedensten Menschen geprägt. Der Historiker Dr. Karsten Müller-Scheeßel blickt für unsere Zeitung auf das Jahr 2011 zurück.

„Ohne die Bereitschaft zahlloser Bürger, ihre Häuser vorübergehend fremden Gästen zu öffnen, gäbe es eine Reihe von Veranstaltungen in Scheeßel nicht. Sie wären ganz einfach nicht zu finanzieren. Anlässlich der Trachtenfeste der Beekscheepers und der Original Scheeßeler Trachtengruppe sind Jahr für Jahr hunderte von Gästen unterzubringen. Auch die zahlreichen Austauschprogramme der Scheeßeler Schulen – die Eichenschule allein unterhält deren sechs – bringen ihre Gäste selbstverständlich privat unter. Ganz abgesehen davon, dass dadurch Kosten gespart werden, führt erst die unmittelbare Begegnung zwischen Gastgebern und Gästen in den Familien zu Kontakten, die die Veranstaltung überdauern. Die Gruppe aus Shanghai beim diesjährigen Beeke-Festival musste auf die private Unterbringung als Vertragsbestandteil erst hingewiesen werden. Sie ist es gewohnt, in Hotels zu übernachten.

„Kreative Köpfe“ nennt sich eine 2011 begonnene Artikelserie in der Rotenburger Kreiszeitung, in der meist junge Scheeßeler vorgestellt werden: Benny Delic, der als Veranstaltungstechniker bekannte Bands auf Tourneen begleitet und dafür sorgt, dass technisch auf und hinter der Bühne alles klappt; Steve Krömer, der sich als Blogger eine Community von 2,3 Millionen erarbeitet hat; Werbegrafiker Lars Kruse, das musikalische Multitalent Dustin Drosdziok, Moira Frank, ein hoffnungsvolles Talent in der Literaturszene, Hauke Prigge, der sich mit Poetry Slams einen Namen macht, die Jungunternehmer in der Werbebranche Marco Ivers und Uli Drömann, Hendrik Walther als Beleuchtungstechniker oder Lukas Stermann als angehender Schauspieler und Regisseur. Ein guter Teil dieser kreativen Köpfe hat in den letzten Jahren Abitur an der Eichenschule gemacht und sich dort in Musik-, Theater- oder Kunstprojekten betätigt, die großen Freiraum für die Entwicklung eigener Ideen boten.

Besonders kreativ und innovativ waren 2011 einige weitere Scheeßeler Bürger. Die alteingesessene Maschinenfabrik Müller entwickelte Sicherheitshologramme für Banknoten. Mit Banknoten beschäftigte sich auch Ingenieur Klaus Neemeyer, der Verfahren zur Herstel-lung von Sicherheitsfarben für Geldscheine und Pässe erfand. Friedhelm Rathjen hat sich längst einen Namen als Übersetzer englischsprachiger Literatur gemacht. 2011 übersetzte er neu Melville’s „Moby Dick“, eine nicht nur sprachlich sondern kreativ anspruchsvolle Aufgabe. In einem wiederum ganz anderen Bereich ist Professor Dr. Hans-Fred Weiser ideenreich unterwegs. Als Ehrenvorsitzender der Deutsch-Chinesischen Technologie-Austausch-Stiftung (DCTA) berät er nicht nur chinesische Krankenhäuser sondern bemüht sich, junge chinesische Ärzte für deutsche Krankenhäuser zu gewinnen, sind hierzulande fast 4000 Arztstellen unbesetzt.

Ins Raritätenkabinett gehören 2011 drei andere Scheeßeler. Wilhelm Welmert ist als Ex-Schornsteinfeger immer noch ein Glücksbringer: Als Hobbygärtner versorgt er einen größeren „Kundenkreis“ in den Sommermonaten mit Bio-Gemüse gegen eine Spende, die entweder an die St.-Lukas-Stiftung oder den Weißen Kreis geht. Heinz Grawe hatte im Mai im Viehdamm-Teich einen 1,2 Meter langen und 13,5 Kilogramm schweren Hecht an der Angel. Und „Fischfrau“ Karola Lünsmann bewies ein weiteres Mal, dass sie weder auf den Mund noch auf den Kopf gefallen ist und räumte bei Pilawas „Rette die Million“ 50 000 Euro zusammen mit Tochter Sabine ab.

In der schnelllebigen Zeit mit einer Informationsflut sondergleichen sollten diejenigen aber nicht vergessen werden, die nicht mehr leben, zu ihrer Zeit aber das Leben in der Gemeinde mitgestaltet haben. Am 31. Dezember 2010 starb hochbetagt Oswald Fischer, der sich besondere Verdienste um den VdK und die Senioren in Scheeßel erworben hat und 1986 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. Im Februar musste viel zu früh von Klaus Götze Abschied genommen werden, dem langjährigen Vorsitzenden des Gewerbevereins. Auch Bernhard Heitmann wurde am 9. Oktober früh aus dem Leben gerissen. 20 Jahre war er Scheeßeler Ratsherr und noch länger stand er dem Veeser Rosenmontagsverein vor. Klaus Tietze war Rektor der Scheeßeler Grundschule von 1970 – 1993 und starb am 16. November. Die älteren werden sich noch gut an Hermann Viets erinnern, der in seinen jungen Jahren den MSC Eichenring als Sandbahnfahrer bei vielen Rennen in Deutschland vertrat. Im Dezember ereilte ihn ein plötzlicher Tod während eines Turniers seines geliebten Alterssports, dem Golfspiel.“

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