Exxon-Mobil lädt in Sachen Fracking zum Runden Tisch / Initiative nicht dabei

Konzern geht in Offensive

+
Norbert Stahlhut von Exxon-Mobil (l.) und Volker Meyer, Chef des Wasserversorgungsverbandes Rotenburg-Land. ·

Rotenburg - Transparenz, Freiwilligkeit, Kritikfähigkeit und Gemeinsamkeit – alles Vokabeln, die Norbert Stahlhut, Leiter der Exxon-Unternehmenskommunikation, immer wieder gebraucht.

Er lässt sich nicht dazu hinreißen, gereizt und böse zu reagieren, obwohl sein Konzern im Zusammenhang mit dem Hydraulic Fracturing (Fracking) bei der Erdgassuche an den Pranger gestellt wird. Der Runde Tisch am Montag beim Wasserversorgungsverband Rotenburg-Land ist ein Teil der Exxon-Offensive.

Zu den Teilnehmern gehörten unter anderem die Bürgermeister der umliegenden Gemeinden, Repräsentanten von Behörden, der Geschäftsführer des Wasserversorgungsverbandes Rotenburg-Land als Hausherr und der Chef der Stadtwerke Rotenburg sowie ein Vertreter des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie. In unserem Interview mit der Bürgerinitiative am Sonnabend hatten wir fälschlich geschrieben, das Landesamt sei nicht eingeladen worden. Norbert Stahlhut war für Exxon gekommen.

Die Bürgerinitiative „Frack-loses Gasbohren“ hatte auf eine Teilnahme verzichtet, unter anderem deshalb, weil zu dem Treffen mit einer Woche viel zu kurzfristig eingeladen worden sei und weil es sich ohnehin um eine „reine Alibiveranstaltung“ handele. Eine andere Bürgerinitiative, die „IG Frackloses Gasbohren in Groß Meckelsen“ hatte mit Andreas Rathjens allerdings einen Vertreter an den Runden Tisch geschickt. Rathjens, der mit seinen Mitstreitern erste Bemühungen um Gasförderungen im Raum Sittensen und weiter in östliche Richtung kritisch verfolgt: „Ich bin hierher gekommen, um mich zu informieren.“

Norbert Stahlhut von Exxon bedauerte das Fernbleiben der Bürgerinitiative „Frack-loses Gasbohren“ mit ihrem Sprecher Hartmut Horn, Bötersen. Er hoffe, so Stahlhut, dass die BI dabei sei, wenn es am 11. März zu einem zweiten Runden Tisch bei den Rotenburger Stadtwerken komme.

Der Leiter der Exxon-Unternehmenskommunikation, Stahlhut, zu dieser Zeitung: „Die Bohrung Bötersen Z11 ist ohne eine Frac-Maßnahme nicht durchführbar. Deshalb wurde ein entsprechender Antrag bereits vor geraumer Zeit beim Bergamt eingereicht. Ende des Jahres 2012 wurde der Betriebsplan an die neuen behördlichen Mindestanforderungen angepasst.“

„Wir haben uns jetzt entschlossen“, ergänzt Stahlhut in einem Gespräch mit dieser Zeitung, „eine freiwillige Grundwasserüberwachung, also ein Monitoring, durchzuführen. Besonders wichtig ist uns, dieses Konzept mit allen Beteiligten gemeinsam zu erarbeiten.“ Zu den teilweise drastischen Vorwürfen der Bürgerinitiative meinte der Exxon-Mann: „Der Kritik und der Emotionalität der Diskussion muss man sich stellen.“ Er ergänzte: „Die Technologie des Fracking wird über lange Jahrzehnte in Deutschland praktiziert, und es gibt keinen einzigen Fall einer Schädigung im Trinkwasserbereich.“

Beim Monitoring handelt es sich um eine freiwillige Maßnahme der Exxon mit dem Ziel der Überwachung und der Beweissicherung. Dabei werden unterschiedlich tiefe Bohrungen (fünf Meter bis 300 Meter) gesetzt, um hier das Grundwasser zur Kontrolle entnehmen zu können. Diplom-Ingenieur Volker Meyer, Geschäftsführer des Wasserversorgungsverbandes Rotenburg-Land: „Nach den Worten des Hydrologen Dr. Schmidt, Stade, wurde die Bohrung Bötersen Z11 im Auftrag von Exxon speziell untersucht. Er kommt zum Ergebnis, dass das salzfreie Grundwasser aus etwa 300 Metern Tiefe weg von dem Wasserschutzgebiet Nord, Stadt und Süd strömt, also nicht in Richtung unserer Brunnen. Dieses gilt es zu beweisen! Daher wurde von der Exxon die Erstellung eines Beweissicherungsplanes angeboten. Hier werden Probeentnahmestellen in der Nähe der Bohrung geplant.“

Den Verdacht der Bürgerinitiative, durch regelmäßige Geldzahlungen an die Gemeinden wolle sich Exxon deren Gunst erkaufen, wies Stahlhut energisch zurück. Aufgrund ihrer relativ geringen Höhe könnten diese Geldbeträge nicht als Bestechung gelten. Außerdem erfolge die Übergabe in aller Öffentlichkeit, sei also transparent. Besonders bei den Freiwilligen Feuerwehren handele es sich um ein Geben und Nehmen. · bn

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Globaler Klimastreik: Proteste in fast 160 Staaten

Globaler Klimastreik: Proteste in fast 160 Staaten

#AlleFürsKlima-Streiks in der Region

#AlleFürsKlima-Streiks in der Region

Ein Jahr im Packeis: Forschungsschiff "Polarstern" startet

Ein Jahr im Packeis: Forschungsschiff "Polarstern" startet

Diepholzer Großmarkt am Freitag

Diepholzer Großmarkt am Freitag

Meistgelesene Artikel

Frau stirbt bei Rettungsübung im Schwimmbad

Frau stirbt bei Rettungsübung im Schwimmbad

Kriete-Kanzlei droht mit Klage

Kriete-Kanzlei droht mit Klage

Orientierungslos im Schilderwald: #59 - Die Abläufe bei der Kfz-Zulassung

Orientierungslos im Schilderwald: #59 - Die Abläufe bei der Kfz-Zulassung

Mitschmettern auf Platt

Mitschmettern auf Platt

Kommentare