Silke Bohling und Thorsten Meyer haben eine Meise – zum Aufpeppeln

„Konrad ist einzigartig“

Silke Bohling und Thorsten Meyer beim Füttern ihres gefiederten Findelkindes. ·

Sottrum - Silke Bohling und Thorsten Meyer haben eine Meise. Und die wiegt zehn Gramm – der derzeit sogar elf, denn „Konrad“ trägt einen Tapeverband.

„Konrad“ ist Pfingsten bei den beiden Sottrumern eingezogen. Nicht ganz freiwillig, denn die junge Meise ist aus dem elterlichen Nest gefallen. „Sie war nur wenige Tage alt, als sie auf der Markise landete. Mein Patenkind Sarah Bohling hat sie vor dem endgültigen Sturz auf den Boden auffangen können“, erzählt Silke Bohling. Da Sarah jedoch mitten im Prüfungsstress beim Studium steckte, wurden verzweifelt Pflegeeltern für das kleine Findelkind gesucht. Also erklärten sich die Konditormeisterin und der Lotse bereit, diese Aufgabe zu übernehmen.

Informationen über die Handhabung und Fütterung sammelten sie im World Wide Web. Dort stießen sie auch auf die oft geäußerte Aussage, dass so junge Meisen außerhalb des Nestes meist nur wenige Tage überleben. „Daher haben wir nicht daran geglaubt, ‚Konrad‘ überhaupt durchzubekommen“, erinnert sich Silke Bohling. Über jeden weiteren überlebten Tag freute sich das engagierte Paar sehr. Dafür wurde viel Zeit investiert.

Gut, dass am Anfang noch die letzte Urlaubswoche zur Verfügung stand, denn kleine Meisen müssen fast jede Stunde gefüttert werden. Also stellten sie sich nachts den Wecker, um die Fütterungszeiten einigermaßen einzuhalten. „Im Internet wurde eine Mischung aus hart gekochtem Eigelb, Quark oder Banane, verflüssigt mit Wasser, empfohlen“, so Thorsten Meyer. Dazu servierten sie ihrem jungen Gast kleine Fliegen. Da es jedoch nach Pfingsten wieder kühl war, gab es nicht viele davon. „Total nett: Meine Tante Hanna Kipp brachte uns sogar am Hochzeitstag ihres Sohnes noch Fliegen vorbei“, berichtet Silke Bohling. Außerdem leben derzeit Mehlwürmer im Kühlschrank.

Um das Junge vor dem Auskühlen zu schützen, lebte es die ersten Wochen in einem Nest auf dem Badezimmerboden, der durch eine Fußbodenheizung erwärmt wurde. Ohne externe Unterstützung ging es aber nicht. „Meine Mama Mariechen Bohling und unsere Nachbarn Wiebke und Heinz haben sich, wenn wir zur Arbeit waren, gekümmert“, hebt die 44-Jährige hervor. Als denen auch die Zeit fehlte, nahm Silke Bohling „Konrad“ – trotz des Namens könnte es auch ein Mädchen sein – mit zur Arbeit nach Bremen. Dort ging es dem Vogel besonders gut, denn in den Pausen spielten die Kollegen im Büro ihm Meisenstimmen aus dem Internet vor.

Doch dann passierte dem Kleinen ein weiteres Unglück: Es verhedderte sich mit einem Bein in einem Sommer-Meisenknödel. „Ein Bruch des Beines und dann offen. Wir waren total fertig“, erinnert sich Silke Bohling ungerne zurück. Die sofort eingeschaltete Tierärztin Dr. Ute Hahn-Schliestedt kümmerte sich rührend um den kleinen Patienten und schiente das verletzte Bein mit einem Tapeverband.

Seitdem verbringt „Konrad“ die Zeit, wenn er alleine ist, zu seinem eigenen Schutz in einem Käfig. Ansonsten fliegt er jedoch fröhlich im ganzen Wohnzimmer umher. Sobald der Bruch verheilt ist, soll „Konrad“ in die Natur entlassen werden. „Für die Auswilderung werden wir uns den Rat der Ärztin einholen“, sagt Thorsten Meyer. Obwohl ihnen die Zeit mit ihrem Schützling viel Freude bereitet hat und sie keine Minute missen möchten: „Konrad bleibt einzigartig. Aber wir stehen anderen gerne mit Rat und Tat zur Seite“, betont Silke Bohling. Sicherlich werden sie oft Ausschau halten, ob sie im Garten ihr dann flügge gewordenes Pflegekind entdecken können. · ho

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