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Stadtwerke Rotenburg geben die neuen Preise für Strom und Gas ab 1. Oktober bekannt

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Von: Guido Menker

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Uwe Schmidt (v.l.), Lukas Klencke und Volker Meyer sind die Überbringer der schlechten, weil teuren Nachricht.
Uwe Schmidt (v.l.), Lukas Klencke und Volker Meyer sind die Überbringer der schlechten, weil teuren Nachricht. © Menker

Es kann sich lohnen, den Gaszähler stets im Blick zu behalten, denn die Stadtwerke Rotenburg (SR) haben jetzt Fakten geschaffen und die neuen Energiepreise bekannt gegeben, die von Oktober an fällig werden. Sie sind Ausdruck jener Preisexplosion, die schon seit Wochen im Raum steht.

Rotenburg – Genau das, was alle eigentlich schon seit mehreren Monaten wissen, wird für die Kunden der Stadtwerke Rotenburg (SR) vom 1. Oktober an Gewissheit. Für viele Kunden dürfte dies einem wahren Preisschock gleichkommen, den SR-Geschäftsführer Volker Meyer in einem Gespräch mit der Kreiszeitung in Zahlen ausgedrückt hat.

Der Strompreis steigt um 8,9 Cent auf dann 34,43 Cent je Kilowattstunde für die sogenannte SR-Grundversorgung Strom. „Diese Anpassung wird einzig durch die gestiegenen Einkaufspreise notwendig“, erklärt Meyer. Bei einem Durchschnittsverbrauch von 2500 Kilowattstunden pro Jahr entspreche dies jährlichen Mehrkosten von 111,75 Euro im Vergleich zum Preis vor der gestrichenen EEG-Umlage.

Noch deutlicher fällt die Erhöhung des Gaspreises aus: Diese beträgt – Stand Mittwoch – 12,1 Cent und führt zu einem neuen Preis von 27,71 Cent je Kilowattstunde im Tarif SR-Erdgas Extra. Legt man einen jährlichen Verbrauch von 18 000 Kilowattstunden zugrunde, sind für die warme Wohnung und warmes Wasser monatliche Mehrkosten in Höhe von 181,52 Euro einzuplanen. Sollte es allerdings zu der seit Donnerstag im Raum stehenden Senkung der Mehrwertsteuer auf Gas von 19 auf sieben Prozent kommen, fallen die Steigerung sowie der neue Preis etwas geringer aus. Im Falle der Stadtwerke beträgt der Anstieg dann 9,31 Cent und führt zu einem neuen Preis in Höhe von 24,92 Cent – sofern die Mehrwertsteuersenkung zum 1. Oktober in Kraft tritt. Damit würden sich die monatlichen Mehrkosten bei einem Verbrauch von 18 000 Kilowattstunden bei 139,65 Euro einpendeln.

Es lohnt sich, nicht nur Gas, sondern auch Strom zu sparen. Denn auch dafür steigt der Preis deutlich an.
Es lohnt sich, nicht nur Gas, sondern auch Strom zu sparen. Denn auch dafür steigt der Preis deutlich an. © Menker

Schon seit längerer Zeit appellieren die Stadtwerke an ihre Kunden, freiwillig die monatlichen Abschläge für die Energiekosten anzuheben, um auf die Endabrechnung finanziell besser vorbereitet zu sein. „Das haben bislang aber nur wenige Kunden gemacht“, weiß Uwe Schmidt als Leiter Vertrieb und Marketing zu berichten. Jetzt ist es mit der Freiwilligkeit vorbei: „Wir schicken noch in dieser Woche Preisanpassungsschreiben an unsere Kunden mit dem klaren Hinweis, dass wir die Abschläge vom 15. Oktober an automatisch anheben“, sagt Volker Meyer.

Für das Gas waren vor einem Jahr noch 5,5 Cent pro Kilowattstunde fällig geworden. Mit der vom Krieg in der Ukraine ausgelösten Krise jedoch sind die Einkaufspreise um mehr als das Vierfache seit Jahresbeginn angestiegen. Hinzu kommt die Gasumlage zur Stützung der Großhandelsimporteure sowie die bislang kaum angesprochene, aber angekündigte Gasspeicherumlage. Auf die dafür zunächst fälligen 2,419 beziehungsweise 0,059 Cent je Kilowattstunde kommt noch die Mehrwertsteuer. Diese Umlagen sind im neuen Preis komplett enthalten, betonen Meyer und Schmidt sowie Lukas Klencke vom SR-Vertrieb.

Die Zahl der Kunden, die die Vorauszahlungen in dieser Höhe kaum oder gar nicht mehr zahlen können, wird steigen.

Volker Meyer, SR-Geschäftsführer

Die Stadtwerke stellen sich auf die neue Situation auch organisatorisch ein, um die erwarteten Anrufe der Kunden bewältigen zu können. Vom kommenden Montag an sitzen neun Kollegen am Front-Desk, um Fragen rund um die neuen Abschlagszahlungen und zum neuen Preis, aber auch zu möglichen Einsparungsmöglichkeiten zu beantworten. Das sind zwei mehr als bisher. Am Mittwochabend noch hat das Team mit Schmidt zusammengesessen, um sich vorzubereiten.

„Wir sind die Überbringer der schlechten Nachrichten“, betont Volker Meyer. „Wir bedauern diesen Schritt zutiefst. Er wird viele Kunden vor enorme finanzielle Herausforderungen stellen“, fügt er hinzu. Nicht zuletzt deshalb fordert er, dass der Staat insbesondere den finanzschwachen Haushalten schnell unter die Arme greift. Meyer ist sich sicher: „Die Zahl der Kunden, die die Vorauszahlungen in dieser Höhe kaum oder gar nicht mehr zahlen können, wird steigen.“ Daher sei es spätestens jetzt ganz wichtig, noch einmal und immer wieder auf Einsparmöglichkeiten beim Energieverbrauch hinzuweisen. Informationen dazu halten die Stadtwerke auf ihrer Website unter der Internetadresse www.stadtwerke-rotenburg.de bereit. „Die sind dort aber schon länger zu finden.“

Doch es ist allgemein zu spüren: Obwohl eigentlich inzwischen jeder weiß, dass die warme Wohnung künftig teurer wird, haben noch längst nicht alle realisiert, was das in Zahlen ausgedrückt eigentlich bedeutet. Das spüren auch die Mitarbeiter der Stadtwerke. Das aber, da sind sie sich sicher, werde sich ändern – spätestens dann, wenn der Infobrief in den Briefkästen landet.

Das Wichtigste aus dem Landkreis Rotenburg: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Die deutschen Energieversorger und damit auch die Stadtwerke Rotenburg hätten jedoch keine andere Wahl, als ihren Kunden neben den gestiegenen Einkaufspreisen auch die jetzt zusätzlich von der Bundesregierung verkündete Umlage in Rechnung zu stellen. Dass die Entwicklung auf dem Energiemarkt auch Auswirkungen auf das Geschäftsergebnis der SR hat, erscheint logisch. Genaueres dazu allerdings wird Geschäftsführer Volker Meyer erst in der Sitzung des Stadtrates am 25. August von 19.30 Uhr an im großen Sitzungssaal des Rathauses bekannt geben.

Der Wegfall der EEG-Umlage verpufft

Eine der Auswirkungen betrifft auch das Erlebnisbad „Ronolulu“, das die Stadtwerke als Tochter der Stadt betreiben: „Eine energetische Badsanierung ist absolut notwendig – sie wird aber noch einer Änderung unterworfen“, sagt Meyer. Einerseits stiegen die Baupreise immens, andererseits sei es jetzt wichtig, im Zuge der bereits gestarteten Komplettsanierung in Sachen Energie noch einmal nachzulegen. Im Klartext: Mit einer Baukostenoptimierung und zusätzlichem Einsatz erneuerbarer Energien soll es damit weitergehen. Grundsätzlich würden die Stadtwerke darüber hinaus „in vielen Bereichen“ bei der Energieversorgung umdenken. So oder so: „Bei diesen hohen Preisen ist es absolut erforderlich, dass alle möglichst viel Gas einsparen, um nicht in eine finanzielle Schieflage zu geraten“, lautet der Rat des SR-Geschäftsführers. Zugleich betont er noch einmal, dass aus seiner Sicht die Bundesregierung für eine finanzielle Entlastung der Bürger sorgen müsse.

Es sind also schlechte Nachrichten, die die Stadtwerke Rotenburg da verkünden. Immerhin: Die Grundpreise pro Jahr – 99 Euro beim Strom und 145,66 Euro beim Gas – bleiben stabil. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der Wegfall der EEG-Umlage verpufft.

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