Siegfried Gässler aus Stuckenborstel schafft Unterkünfte für die Bewohner seines Waldes

Königreich nicht nur für Majestäten

Mehrparteienhaus: Oben im Bienenkorb hat sich ein Wespenvolk eingenistet. In den grünen Kästen unten sind Bienenvölker zuhause.

Sottrum - Von Stefanie BommertSTUCKENBORSTEL · Majestätisch muten die Unterkünfte wahrlich nicht an: Die Zimmer sind spartanisch, gar puristisch eingerichtet. Das royale Haupt nächtigt wahlweise auf Stein, Zapfen, Lehm, Holzscheiten oder Tannennadeln. Vom Glanz und Luxus prunkvoller Paläste keine Spur. Und genau deswegen ist dieses Wohnviertel bei den Blaublütigen heiß begehrt, leben Königinnen verschiedener Völker in dieser Nachbarschaft friedvoll Tür an Tür. Das Waldstück von Siegfried Gässler in Stuckenborstel ist ein wahres Paradies für Tiere – insbesondere Insekten fühlen sich dort pudelwohl.

Wenn der Jagdpächter über sein Land hinter der Wassermühle und dessen Bewohner redet, beginnen seine Augen zu leuchten. Ein Strahlen breitet sich über seinem Gesicht aus. „Hier ist so meine Welt. Das ist mein Herzblut. Es ist unglaublich, wie sich die Natur entwickelt, wenn man sie nur lässt. Ich komme jeden Tag mit dem Rad her“, gerät der Elektromeister ins Schwärmen, während sein Blick am Eingang des Forstes über eine wilde Blumenwiese voller geschäftiger Bienen, Hummeln und Schmetterlinge schweift. Etwas abseits der Zivilisation hat Gässler, der seit Jahrzehnten Mitglied im Nabu ist, ein Eldorado für Flora und Fauna geschaffen. „Es gibt hier viele kleine interessante Dinge“, verspricht er beim Rundgang.

Das Insektenhotel ein paar Meter hinter ihm ist sein jüngstes Projekt. Die Idee dazu kam ihm vor Jahren, als er sein altes Fachwerkhaus sanieren musste. Die Lehmwände begannen zu bröseln, die Balken waren abgesackt und mussten angehoben werden. „In den Löchern haben Wildbienen gewohnt“, erklärt Gässler. Als er die rausgerissenen Steine gesäubert habe, seien die Tiere immer wiedergekommen und hätten ihren daran haftenden Honig geholt. „Aber sie wussten ja nicht wohin damit. Das hat mir so leid getan“, erklärt er und ergänzt: „Das hat mich schon verfolgt.“ Damals habe er „seinen“ Bienen versprochen, ihnen ein neues Zuhause zu schaffen.

Das Ergebnis ist eine Fachwerkkonstruktion mit mehreren „Zimmern“, die optional ausgestattet sind mit Zapfen, Holzscheiten, Geäst oder via Löchern „begehbaren“ Lehmziegeln. „Das wird aber noch nicht so richtig angenommen“, bedauert Gässler und überlegt bereits, sein erst vor eineinhalb Jahren errichtetes Insektenhotel zu modernisieren, um den Bedürfnissen seiner Krabbelgäste besser gerecht zu werden.

Ganz anders sieht in es in dem Bienenstand einige Schritte weiter aus: Dort verfehlte der in einem ersten Anlauf aufgestellte Korb zwar seine Bestimmung, doch surrt es darin mächtig. „Da sitzen jetzt Wespen drin“, lacht der Jäger. Die Bienenvölker eines befreundeten Imkers bevorzugen dagegen die grünen Plastikkästen eine Etage darunter.

Auch der unscheinbare Steinhaufen mehrere Meter vor dem Insektenhotel erfüllt einen Zweck. „Das ist eine Unterkunft für die Frösche und Kröten“, berichtet Gässler. Denn vor Jahren habe er in seinem Wald einige Flächen renaturiert und dort Feuchtgebiete für Amphibien sowie anderes Getier geschaffen, die mittlerweile urwaldartig zugewachsen sind und von vielen Arten bevölkert werden.

„Ich habe auch ein Storchennest gebaut. Futter ist ja da“, zeigt Gässler in die Richtung. Bislang hätte dort aber noch kein Pärchen gebrütet, wenngleich neben Rehen, Hasen und Co. auch Familie Adebar gerne über die Wiesen stakst. Ein neues Heim hat auch die unter Naturschutz stehende rote Waldameise in Gässlers Forst gefunden. Ein Volk, das einst auf dem Grünstreifen an der Anschlussstelle Stuckenborstel lebte, hat für seine Nachkommen einen stattlichen Hügel im Grün zwischen Laub- und Nadelbäumen aufgetürmt. „Sie sind die Gesundheitspolizei des Waldes“, weiß Gässler. An ihnen erkenne man, wie gesund die Natur um sie herum ist.

Und offenbar ist die Welt hier noch in Ordnung – die vielen Ameisenstraßen am Boden bestätigen dies. Einen Wunsch hat Gässler trotzdem noch: „Ich würde hier gerne für die Kindergärten in Stuckenborstel eine Art grünes Klassenzimmer einrichten.“

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