Klinik-Chefs über die Perspektiven der Krankenhäuser in der Region

Partnersuche unter Sparzwang

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Siegfried Ristau (l.) hat den niedersächsischen Finanzminister, Peter-Jürgen Schneider, über die dramatischen Zustände in den Krankenhäusern informiert.

Rotenburg - Den Krankenhäusern in Deutschland und insbesondere in Niedersachsen geht es weiterhin schlecht. Wenn sich nicht schnell an der Krankenhausfinanzierung etwas ändere, drohe das Aus für zahlreiche Kliniken, sagte Siegfried Ristau, Chef der Elbe-Kliniken und Landesvorsitzender des Verbandes der Krankenhausdirektoren Ende vergangenen Jahres. Seine Bilanz nach sechs Monaten ist ernüchternd: „Es hat sich an der Lage nichts geändert.“

Den Elbe-Kliniken in Stade und Buxtehude geht es zurzeit noch vergleichsweise gut. Sollte sich in naher Zukunft jedoch nichts an der Krankenhausfinanzierung ändern, würde sich dieses auch negativ auf die Elbe- Kliniken auswirken, die sich für die Übernahme der Krankenhäuser in Bremervörde und Zeven interessieren. Diese hat bekanntlich der Landkreis übernommen und sucht nun nach neuen Partnern.

Nach aktuellen Umfragen schreibt der größte Teil der niedersächsischen Krankenhäuser rote Zahlen, rund zwei Drittel der Kliniken seien deswegen mittelfristig in der Existenz bedroht. „Der durch das Vergütungssystem auferlegte Sparzwang findet auf dem Rücken der Beschäftigten statt und geht zu Lasten der Patienten“, sagt Siegfried Ristau. Deshalb fordern die Krankhaus-Verantwortlichen ein Umdenken in der Politik. Konkret wird eine Erhöhung des Basisfallwertes gefordert, der eine gesetzlich reglementierte Finanzierung der Kliniken bedeutet und bei der Niedersachsen im Bundesdurchschnitt „benachteiligt“ werde. Ristaus Beispiel: Mit dem Hamburger Basisfallwert würden die Elbe-Kliniken bei gleicher Leistung 3,5 Millionen Euro im Jahr mehr erstattet bekommen, nach dem Richtwert von Rheinland-Pfalz wären es acht Millionen Euro mehr. Bisher gebe es trotz vieler Protestmaßnahmen und Gespräche mit der Politik aber noch keine Aussicht auf Besserung, so Ristau.

Die Elbe-Kliniken in Stade und Buxtehude haben eine vergleichsweise gute Bilanz mit einem Überschuss von 1,8 Millionen Euro 2012. Anders dagegen die OsteMed Kliniken in Bremervörde und Zeven, die defizitär arbeiten und deswegen noch vor einer ungewissen Zukunft stehen. Beide Krankenhäuser sollen künftig unter neuer Regie arbeiten, nachdem die Sana-Kliniken als Betreiber ausgestiegen sind. Derzeit hat der Landkreis ein „Strukturiertes Interessenbekundungs- und Bieterverfahren“ eingeleitet. Dabei handele es sich laut Landrat Hermann Luttmann aber noch nicht um ein förmliches Vergabeverfahren. Bis zum Herbst soll das Verfahren weitgehend abgeschlossen werden, untermauerte Luttmann gestern. Alle bereits im Vorfeld eingegangenen Interessenbekundungen würden in diesem Verfahren natürlich berücksichtigt. Dazu gehört im Fall Zeven auch das Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg. Geschäftsführer Rainer W. Werther: „Wir prüfen derzeit, welche wirtschaftlich und medizinisch tragfähige Lösung es gibt.“ Es werde schon bald zu Gesprächen kommen.

Elbe-Kliniken-Chef Siegfried Ristau wurde zwischenzeitlich für die Häuser im Landkreis als Interims-Geschäftsführer eingesetzt, was ihm derzeit eine Doppelrolle beschert: Einerseits ist er Chef der beiden Kliniken, andererseits Chef der Elbe-Kliniken, die ihr Interesse an einer – wie auch immer gearteten – Übernahme der Einrichtungen im Landkreis bekundet haben, was der Aufsichtsrat so beschlossen hat.

Über den Stand des Verfahrens wird im Kreishaus Rotenburg geschwiegen, es soll aber auch mehrere Interessenten privater Klinik-Betreiber geben. Auch Ristau will sich zu dem Verfahren nicht äußern, außer: „Es ist richtig, dass die Elbe-Kliniken ihren medizinischen Versorgungsauftrag in der Region nicht auf den Landkreis Stade beschränkt sehen.“

Schon seit längerer Zeit gibt es deshalb eine Kooperation mit der Klinik in Bremervörde: Acht Mediziner aus der Chirurgie und Inneren Medizin aus dem Elbe-Klinikum arbeiten auch im Bremervörder Krankenhaus. Ristau: „Das hat sich bisher für beide Seiten bewährt.“ Ob die Kooperation Zukunft hat und möglicherweise durch eine Übernahme der Trägerschaft ausgeweitet wird, sei völlig offen, so Ristau, der wegen des laufenden Verfahrens auch keine Bewertung der möglichen Vorteile für die Elbe-Kliniken öffentlich bekunden will.

Unabhängig von der möglichen Übernahme im Nachbarkreis steht aber bereits fest, dass in beiden Kliniken in Stade und Buxtehude weiterhin kräftig in die Zukunft investiert wird: Insgesamt rechnet Ristau mit einer Investition von rund 70 Millionen Euro in den kommenden zehn Jahren. Bis zu 70 Prozent werden vom Land bezuschusst. bz/mk

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