Geschrumpftes „Trio Limusin“ verbindet gekonnt Kästner und Vivaldi

Klassik trifft auf Poesie

Auch mit einem Mann weniger begeisterte das „Trio Limusin“ einmal mehr seine Zuhörer. ·
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Auch mit einem Mann weniger begeisterte das „Trio Limusin“ einmal mehr seine Zuhörer. ·

STUCKENBORSTEL · Zwischen Oldtimern, Hebebühne, Werkzeug und dem in der Luft schwebenden Geruch von Öl und Diesel ließ das „Trio Limusin“ in der KFZ-Werkstatt von Mark Intemann am Freitag in Stuckenborstel Erich Kästner mit seinen „13 Monaten“ auf Antonio Vivaldis „Die vier Jahreszeiten“ treffen.

Auch wenn das Trio an diesem Abend auf ein Duo geschrumpft war, weil Benedikt Vermeer eine verdiente Auszeit bis zum Jahresende nimmt, konnten Suren Anisonyan am Cello und Ihno Tjark Folkerts mit seiner Violine, und diesmal auch als vortragender Rezitator, ihr zahlreich erschienenes Stammpublikum erneut mit virtuosem Spiel zu begeistertem Applaus hinreißen.

Es ist schon erstaunlich, wie diese beiden Künstler mit nur ganz wenigen Mitteln eine KFZ-Werkstatt in ein stimmiges, kleines Theater verwandeln. Zumal sie alles in einer Person sind: darstellende Künstler, Bühnenarbeiter, Beleuchter, Platzanweiser, Gastgeber für einen Begrüßungstrunk und dazu noch in vielen Gesprächen ihren Zuhörern das Gefühl vermitteln, hier ganz besonders willkommen zu sein. Mit dem „Januar“ aus Erich Kästners Gedichtzyklus von 1954 „Die dreizehn Monate“ eröffnete Ihno Tjark Folkerts den Abend, ließ dann den Februar und den März in Kästners Worten lebendig werden, bevor die beiden Musiker zu ihren Instrumenten griffen und mit dem Allegro des „Frühlings“ aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ dem Publikum ihr virtuoses Saitenspiel zu Gehör brachten.

Nach dem April, dem Mai, den Folkerts als Mozart des Kalenders betitelte, und dem Juni folgte das Allegro non molto des „Sommers“ aus Vivaldis Konzertzyklus. Nachdem im Juni „aus Gras Heu wird und aus Obst Kompott“, im Juli „die Menschheit auf Reisen geht“ und der August „die Sense hoch hebt“ sowie „Stockrosen hinter dem Zaun“ erblühen lässt, jubilierten Cello und Geige mit perlenden Läufen und gezupften Pizzikati im Allegro des „Herbstes“ .

Nach der Pause neigte sich das Jahr langsam dem Ende zu. Im Oktober geht die „Zeit fröstelnd spazieren“ und die Blätter tanzen „sterbensheiter Menuett“, der November trägt Trauerflor und im Dezember wird das Jahr alt, bekommt dünnes Haar und „kennt seinen letzten Tag“ und Vivaldis melancholischer Winter erklingt mit Allegro non molto und Largo unter den Saitenstrichen der beiden Musiker. Auch Kästners 13. Wunsch-Monat fehlte an diesem Abend nicht im Programm, um dann doch resignierend festzustellen, dass Wünsche nicht helfen und das „Jahr sich immer nur im Kreise dreht“ und dem Dezember letztendlich doch immer wieder der Januar folgt.

Ein stimmiges Programm, dem sich neigenden Jahr angepasst, war das, was das Zwei-Mann „Trio Limusin“ diesmal auf die Bühne brachte. Und so war es auch kein Wunder, dass die vielen Zuhörer Ihno Tjark Folkerts und Suren Anisoyan erst nach drei Zugaben den Abend beschließen ließen. · hs

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