Kitas sollen offen bleiben

Kreistag-Mehrheitsgruppe will Eltern im Sommer entlasten

Lea Schildhorn ist Erzieherin im Kindergarten „Villa Kunterbunt“ in Rotenburg. Sie kümmert sich um Kinder in der Notbetreuung. Foto: Menker
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Lea Schildhorn ist Erzieherin im Kindergarten „Villa Kunterbunt“ in Rotenburg. Sie kümmert sich um Kinder in der Notbetreuung.

Rotenburg – Wenn die Rotenburger Kindergärten und Kitas wie derzeit vorgesehen ab dem 22. Juni wieder nach und nach komplett öffnen, haben Kindern und Eltern mehr als drei Monate Corona-Zwangsferien hinter sich. Eine lange Zeit, politisch verordnet durch Bestimmungen des Landes zur Eindämmung des Virus. Doch gut einen Monat später steht die nächste Pause in der Kinderbetreuung an – mit den dreiwöchigen Schließzeiten in den Sommerferien. Nachdem schon jetzt viele berufstätige Eltern Minusstunden aufgebaut oder Jahresurlaub genutzt haben, um ihren Nachwuchs selbst zu betreuen, stellt sich die Frage: Wie schaffen wir das?

Die Mehrheitsgruppe aus CDU, WFB und FDP im Kreistag bringt das Thema am Dienstag auf die politische Tagesordnung im Jugendhilfeausschuss, der ab 14.30 Uhr im Rotenburger Kreishaus tagt. In einem Antrag fordert CDU-Fraktionschef Marco Prietz Landrat Hermann Luttmann (CDU) auf, Gespräche mit den Kommunen aufzunehmen, um Schließzeiten bis Ende des Jahres „auf das unbedingt notwendige Maß zu begrenzen“ sowie im Falle notwendiger Schließzeiten zusätzliche Kapazitäten der Notbetreuung vorzuhalten. Ähnliche Initiativen gebe es zum Beispiel in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta, Rotenburg sollte nachziehen, um Eltern zu entlasten. Die Corona-Einschränkungen hätten gerade Familien stark belastet. Prietz sieht das Vorhaben als „ausdrückliches Signal dafür, dass auch der Landkreis die Situation der berufstätigen Eltern und ihrer Kinder wahrnimmt und dementsprechend alle Aktivitäten zur Linderung der Folgen von Corona auch in diesem Bereich ausdrücklich unterstützt und befürwortet“.

Die Zahl der Kitas mit Notbetrieb ist seit Ende März von 49 auf 104 in der vergangenen Woche gestiegen. Waren es zu Beginn nur 181 Kinder, die betreut wurden, sind es mittlerweile 1 894, heißt es von der Kreisverwaltung. Das sind ungefähr ein Drittel der Kinder, die vor den Betriebsschließungen Kindergärten und Krippen im Kreisgebiet besucht haben. Aus den Kommunen im Altkreis gibt es bislang nur zurückhaltende Rückmeldungen auf den Vorschlag der Mehrheitsgruppe – weil in den zuständigen Rathäusern völlig unklar ist, wie der Mehraufwand zu bewältigen wäre. Das Problem: Die Schließzeiten sind natürlich auch in den Kalendern der Erzieher fest eingeplant, zudem ist weiteres Personal kaum zu bekommen, weil es keine entsprechenden Fachkräfte gibt. Und: Es würde viel Geld kosten. „Natürlich könnten berufstätige Eltern durch eine Betreuung während der Sommerferien zusätzlich entlastet werden, nur fehlt uns dazu das Personal, das auch einmal Urlaub machen muss“, sagt Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber (SPD). In der Kreisstadt gibt es 17 Kitas, 174 Krippen- und 700 Kindergartenplätze sind im Regelbetrieb belegt. In den acht städtischen Einrichtungen sind momentan in 14 Gruppen 130 Kinder in der Notbetreuung, weitere 51 Vorschulkinder sind in acht Gruppen an zwei Tagen in der Woche. Eltern haben ihren Urlaub schon vor Corona in den Schließzeiten planen müssen, ebenso die Erzieher mit ihren eigenen Kindern, so Weber. Daran könne man nun aus den genannten Gründen nicht mehr rütteln.

Darüber hinaus bietet die Stadt Rotenburg seit vielen Jahren eine zusätzliche Notbetreuung in den Sommerferien für Kinder von drei bis sechs Jahren. Die gebe es auch in diesem Jahr. Der Bedarf dafür wurde allerdings bereits im Januar abgefragt – vor Corona. Eine kurzfristige Aufstockung der Kapazität in der Bereitschaftsgruppe sei nicht geplant. Das will die CDU-geführte Mehrheitsgruppe im Kreistag allerdings mithilfe des Landkreises erreichen – und fördern lassen.

Wer darf in die Notbetreuung?

Seit Mitte März sind Kindergärten und Krippen in Niedersachsen geschlossen. „Es wird bis zur Sommerpause keine Rückkehr zum gewohnten Regelbetrieb von vor der Corona-Pandemie geben können“, heißt es von Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD). Derzeit wird an zeitlich begrenzten Angeboten für alle Kinder gearbeitet. Die Notbetreuung haben landesweit in der vergangenen Woche 37 Prozent aller Kinder im Vorschulalter in Anspruch genommen. Die Notbetreuung dient dazu, Kinder aufzunehmen, bei denen mindestens ein Elternteil in betriebsnotwendiger Stellung in einem Berufszweig von allgemeinem öffentlichem Interesse tätig ist. Diese Berufszweige hat das Kulturministerium erweitert. Als „von allgemeinem öffentlichen Interesse“ gelten aktuell zum Beispiel Berufe im Bereich Gesundheit, Polizei, Rettungsdienst, Katastrophenschutz, Feuerwehr, Vollzugsbereich, Energieversorgung, Wasserversorgung, Ernährung und Hygiene, Informationstechnik und Telekommunikation, Finanzen, Transport und Verkehr, Entsorgung, Medien und Kultur-Risiko- und Krisenkommunikation sowie Staats- und Regierungsfunktion. Auch Kinder, bei denen ein Unterstützungsbedarf, insbesondere ein Sprachförderbedarf, besteht sowie die zum kommenden Schuljahr schulpflichtig werden, können die Notbetreuung nutzen. Zudem gelten Härtefall-Ausnahmen, die die jeweilige Kommune beurteilt. Wo eine anderweitige Betreuung sichergestellt werden kann, sollen Kinder weiterhin möglichst zu Hause betreut werden, heißt es vom Kulturministerium.

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