Nach Auflösung der Kita AG: Scheeßeler CDU macht auf auf eigene Faust weiter / Ausgaben im Blick

„Keine Luftschlösser bauen“

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Insgesamt 400 Kita-Plätze hält die Gemeinde vor, davon sind nur 300 belegt. ·

Scheessel - Wie soll es nun weitergehen mit den Scheeßeler Kindertagesstätten? Wie bekannt, ist die zur Erarbeitung eines Gesamtkonzeptes für alle Kindergärten der Gemeinde ins Leben gerufene Kita AG durch den Verwaltungsausschuss (VA) aufgelöst worden. Auch ein Empfehlungsantrag der CDU, eine neue Arbeitsgruppe mit Elternvertretern und Kindergartenleiterinnen aus allen gemeindlichen Kindergärten einzurichten, wurde vom Gremium gekippt. Die Christdemokraten sehen das Thema in ernster Gefahr – und wollen auf eigene Faust aktiv werden.

Dass der demografische Wandel auch nicht vor Scheeßel halt macht, ist schon länger klar. Jetzt zeigen sich aber auch hier so langsam die ersten deutlichen Anzeichen der gesellschaftlichen Entwicklung, die durch immer geringer werdende Kinderzahlen und eine wachsende Zahl älterer Menschen gekennzeichnet ist.

Schon jetzt gibt es in der Einheitsgemeinde zum Beispiel ein Überangebot an Kita-Plätzen. Laut der CDU-Gemeindefraktion würden die aktuellen Zahlen eine mehr als deutliche Sprache sprechen: „Wir haben einen genehmigten Platz von 400, tatsächlich belegt sind derzeit aber nur 300“, so Dirk Lange. Damit würden in Scheeßel ein Viertel mehr Plätze vorgehalten, als tatsächlich benötigt. „Geht man von den angebotenen Plätzen aus, inklusive für die Krippenbetreuung, kostet uns das als Gemeinde allein in diesem Jahr rund 1,1 Millionen Euro Zuschussbedarf.“ In 2013, hat Lange ausgerechnet, erhöhe sich der Betrag aufgrund der dann ganzjährigen Aktivität der Krippengruppen sogar auf 1,3 Millionen Euro. Kosten, die an anderer Stelle wiederum fehlen würden, so der Ratsherr.

Für die CDU steht fest: Ein Weitergehen kann es so nicht geben. „Ich denke, wir haben da schon die Schmerzgrenze überschritten“, meint Lange. „Sollten wir nichts ändern, dann bedeutet das, dass wir wieder in eine Verschuldung eintreten, denn die Kosten werden wir durch die Einnahmen und Zuwendungen so nicht mehr dauerhaft stemmen können.“

Da sich aus Sicht der Union keine fraktionsübergreifende Lösung abzeichnet und eine Arbeitsgruppe nicht mehr besteht, wollen die Christdemokraten nun auf eigene Faust tätig werden. Dazu Fraktions-Chef Reinhard Frick: „Wir haben beschlossen, gründliche Beratungsgespräche mit den Elternvertretern und Kindergartenleiterinnen aus allen gemeindlichen Kindergärten zu führen.“ Deutliche Worte findet er für die SPD: „Wir haben überhaupt kein Verständnis dafür, dass sie die Kita AG ersatzlos auflösen will und auch unseren Antrag auf Mitspracherecht aller Beteiligten gekippt hat.“ Rainer Bassen ergänzt: „Ich glaube, da haben welche Angst, dass das, was sie favorisieren, von den Eltern anderer Ortschaften nicht so gesehen wird.“

Dass man das Angebot der Kindertagesstätten – so wie von der Fraktion gefordert – der Realität anpassen muss, belegten auch die Geburtenzahlen. Allein von 2009 auf 2010 sei nach Auskunft von Dirk Lange ein deutlicher Einbruch erfolgt, von 150 auf 90. „Das ist ein Drittel weniger“, so der Ratsherr. Damals, betont er, habe es noch eine Legitimation gegeben, Kitas in entsprechender Größenordnung zu bauen und zu unterhalten. „Die ist uns jetzt genommen worden. Wir Politiker haben jetzt die Aufgabe, unsere Gelder gleichmäßig für alles einzusetzen und keine Luftschlösser zu bauen.“ ·lw

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