Keine Daten zum Lagerstättenwasser dabei

Fachmann bei Wittorfer Initiative: Kaum Infos für die Zuhörer

Heinz-Hermann Gerke (l.) mit dem Referenten Doktor Dirk Weichgrebe aus Hannover. Für die meisten Zuschauer redete er am Thema vorbei. ·
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Heinz-Hermann Gerke (l.) mit dem Referenten Doktor Dirk Weichgrebe aus Hannover. Für die meisten Zuschauer redete er am Thema vorbei.

Wittorf - Von Wieland Bonath. Doktor Dirk Weichgrebe vom Institut für Siedlungswasserwirtschaft und Abfalltechnik Hannover ratterte Dienstagabend im voll besetzten Wittorfer Dorfgemeinschaftshaus sein Fachwissen herunter – viel klüger waren die Besucher anschließend nicht. Sie, die auf Einladung der Bürgerinitiative WUG (Wittorfer Bürger für Umwelt und Gesundheit) gekommen waren, um etwas über giftiges Lagerstättenwasser zu hören, wurden enttäuscht.

Weichgrebe, der mit Kollegen gerade ein Fracking-Gutachten für das Umweltbundesamt beendet hat, war der falsche Mann an dem Ort, wo gleich nebenan in Grapenmühlen Lagerstättenwasser verpresst wird und wo sich die Menschen große Sorgen um Gesundheit und Trinkwasserqualität machen.

Mit dieser Aussage ging WUG in die Info-Veranstaltung, die von Heinz-Hermann Gerke geleitet wurde: „Bisher gibt es weder von der Industrie, noch von Behörden oder Politik eine Garantie, dass keine giftigen Chemikalien ins Grundwasser oder in andere wasserführende Bereiche kommen und zu einer großflächigen Brunnenvergiftung führen können.“

Dies war dem Vortrag von Weichgrebe zu entnehmen: Während die Amerikaner, wahrscheinlich bedingt durch viel größere Flächen, mit völliger Sorglosigkeit die Gasförderung betreiben, werden in Deutschland erheblich mehr Sicherungsmaßnahmen vorgeschoben. Oder nur scheinbar, denn die Menschen sind alles andere als beruhigt. Sie wollen von Konzernen – das machte auch der Info-Abend deutlich – endlich einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Lagerstättenwasser.

Ein unzufriedener Besucher zu dem Ingenieur: „Wir wollen wissen, was im Lagerstättenwasser enthalten ist. Zum Radium haben Sie bisher noch gar nichts gesagt. Es ist ein Unding, dass Sie erst dann das Thema behandeln, wenn wir entsprechende Fragen stellen.“

Weichgrebe reagierte auf viele Fragen von Besuchern mit Hilflosigkeit, da sein Fachwissen offenbar nicht reichte. Moderator Gerke versuchte zu glätten: „Doktor Weichgrebe ist nicht der Prügelknabe, bei dem Frust abgelassen werden kann.“ Zorn blieb in der Diskussion allerdings beherrschend. Ein Zuschauer angesichts der Betriebsunfälle in Grapenmühlen: „Wir erleben seit 20 Jahren, dass auf Sichtweite Lagerstättenwasser eingepresst wird. Wie viele Sauereien sind das bisher gewesen? Uns geht es darum zu wissen, was hier falsch gelaufen ist.“ Ein anderer Zuhörer: „Was im Zusammenhang mit der Gasförderung in der Vergangenheit gemacht worden ist, ist sträflicher Leichtsinn.“

Auch Referent Weichgrebe hat eine Meinung, die seine „Ingenieurswelt“ verlässt: „Das Lagerstättenwasser sollte aufbereitet werden.“ Eine Zuschauerin erinnerte an die etwa 400 Kilometer langen Leitungssysteme in Norddeutschland, die „oft nur 1,4 Meter tief liegen und von denen viele Schäden bekannt wurden“.

Heinz-Hermann Gerke (56) zu unserer Zeitung: „Wir versuchen, die Bevölkerung aufzuklären, was bislang die Praxis ist. Das Problem ist, dass die Unternehmen nur ein Geschäft zu verantworten haben gegenüber den Aktionären und nicht gegenüber der Umwelt Rechenschaft ablegen müssen. Die Politik hat in den vergangenen 30 Jahren versäumt, die Gesetze anzupassen. Das heißt: Die Politik bekommt die Rote Karte.“ bn

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