1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Rotenburg

Kaufzurückhaltung beim Spargel

Erstellt:

Von: Ann-Christin Beims

Kommentare

Spargel hat Saison – ist aber derzeit mitunter schwieriger auf die Teller zu bekommen.
Spargel hat Saison – ist aber derzeit mitunter schwieriger auf die Teller zu bekommen. © Menker

Spargelsaison: Zwar sind auf den Höfen ausreichend Erntehelfer aktiv und auch die Ernte ist gut, aber die Verbraucher sparen - und das spiegelt sich in den Verkaufszahlen wider.

Unterstedt/Hellwege – Die Spargelernte ist sehr gut. Darüber können sich die Landwirte in der Region also nicht beschweren. Das königliche Gemüse wächst und gedeiht. Dennoch können die meisten den Ertrag nicht so verkaufen, wie sie gerne würden – dabei war die Hoffnung groß, dass in diesem Jahr alles ein wenig einfacher wird. Doch die gestiegenen Kosten in allen Bereichen sorgen für Probleme. Verbraucher achten auf Preise stärker als sonst – gerade bei Lebensmitteln.

„Eigentlich müssen wir jetzt den Umsatz machen“, betont Thorsten Schloh vom gleichnamigen Spargelhof in Hellwege. Mit seinem Ernteertrag ist er zufrieden. Doch die Kostensteigerung mache sich bemerkbar – sowohl im Lohnsektor als auch bei der Umsatzsteuer und im Energiebereich. „Das wäre kein Problem – wenn wir die Kosten weitergeben könnten, damit es nicht an uns hängen bleibt.“ Aber genau daran scheitert es: „Die Kaufzurückhaltung ist merklich da“, weiß der Spargelbauer. Das treffe alle Anbieter besonders hart, weil das Zeitfenster für den Verkauf nur auf wenige Wochen beschränkt ist. Positiv sei auf jeden Fall, dass die Restaurants wieder geöffnet haben: Die Gastronomie ist somit wieder einer der Abnehmer des Saisongemüses, sagt die Unterstedter Landwirtin Franziska Kettenburg.

Erntehelfer aus Polen

Erntehelfer sind zur Erleichterung der Landwirte genügend angereist. 36 sind es bei Schloh. Viele aus Polen, zwei von ihnen leben direkt an der Grenze zur Ukraine, erklärt Schloh. Einer von ihnen kommt seit zehn Jahren nach Hellwege. „Es ist eine tolle Mannschaft.“ Ein paar konnten, auch wegen Corona, nicht kommen. „Wir hätten gerne acht mehr gehabt.“ Die Arbeit ist teils nur durch gesteigerte Nutzung des Spargelvollernters zu schaffen. Der wird normalerweise nur selten eingesetzt. „Am liebsten stechen wir alles per Hand“, betont Schloh.

Ein Feld musste er bereits aufgeben. Zwölf Hektar, ergo mehrere Tonnen Spargel, die nun in der Erde bleiben. „Spargel wächst jeden Tag. Wir möchten den frisch verkaufen, können den nicht einfach mal vier Monate ins Lager legen.“ Die Landwirte, auch Kettenburg, versuchen daher, Kaufanreize in Form von Angeboten zu schaffen – auch, weil sie wissen, dass viele jeden Cent umdrehen. Damit bleibt am Ende deutlich weniger Gewinn über und erhoffte Investitionen müssen erneut warten – oder anders finanziert werden. Das geht Kettenburg und ihrer Familie ähnlich. Sie mussten sich eine neue Spargelschälmaschine anschaffen – die Kosten dafür müssen sich neben allem anderen rentieren. „Das muss mit eingepreist werden“, sagt sie – weiß aber auch, dass zehn Euro pro Kilogramm Spargel eine magische Grenze zu sein scheinen. Liegt der Preis darüber, wollen oder können ihn viele Kunden nicht mehr bezahlen. Sie weichen auf günstigeren Spargel aus Polen oder anderen Ländern aus. Wie dort die günstigeren Kilo-Preise zusammenkommen, kann sich Kettenburg nicht erklären. Es kostet etwa sieben Euro, ein Kilogramm Spargel zu produzieren – und darin seien die neuen Energiekosten noch gar nicht eingerechnet, meint die Landwirtin. Der Auslandsspargel „ist da für manche schon eine große Konkurrenz“.

Wir können unsere Kosten wohl decken, aber mit starken Einbußen.

Thorsten Schloh

Dabei gebe es eine ganze Reihe guter Gründe, den Spargel aus der Region zu kaufen. Zum einen natürlich als Beitrag zum Klimaschutz, denn die Transportwege sind deutlich kürzer, die Lagerzeiten minimal. Demnach landet der Spargel auch viel frischer auf den Tellern der Verbraucher. Aber: Der regionale Spargelanbau hilft auch den Bienen, teilt das Grüne Medienhaus in einer Pressemeldung mit, sagt Kettenburg: Bienen mögen die Spargelblüten. Wenn die Pflanzen nach der Erntezeit austreiben, bieten sie den Insekten Nahrung bis in den September hinein. Und nicht zuletzt werden durch den Kauf auch die heimischen Betriebe unterstützt. Gerade der Krieg in der Ukraine führt den Verbrauchern vor Augen, wie wichtig regionale Lieferketten sind, um Engpässe zu vermeiden.

Damit das nicht passiert, braucht es aber auch an anderen Stellen Hilfe. Mitarbeiter für die Verkaufsstände zu finden, sei gerade ein massives Problem, so Kettenburg. Sie müssen das dann selbst übernehmen, neben allem anderen bedeutet das noch mehr Arbeit, denn die Stände sind an sieben Tagen die Woche besetzt, auch an Feiertagen. Aber den Kopf in den Sand zu stecken, sei keine Option, sagt Schloh. Der Landwirt hofft auf die kommenden fünf Wochen, die das Gemüse noch Saison hat. „Wir haben zum Glück einen hohen Anteil an Direktvermarktung. Unsere Stammkunden wissen, was sie bekommen.“ Und auch Kettenburg hat die Pfingsttage im Blick – Feiertage, an denen für gewöhnlich gerne Spargel gekauft wird. Aber keine Frage: Den Wirtschaftsplan bringt die aktuelle Situation wieder gehörig durcheinander. „Wir können unsere Kosten wohl decken, aber mit starken Einbußen“, sagt Schloh – wie hoch, das könne er aber noch nicht beziffern.

Auch interessant

Kommentare