Die Ratsvorsitzende der EKD und Landesbischöfin predigte gestern in Fintel

Käßmann: „Seele sehnt sich nach Kraftquellen“

Pastor Thomas Steinke (v.r.) begrüßte Superintendent Hans-P. Daub, Ndapunikwa Uukule und Pastor Joel Fikeipo aus Namibia, Landesbischöfin Dr. Margit Käßmann sowie seinen Amtsbruder Michael Rams aus Sachsen zum Kirchengeburtstag.

Rotenburg - FINTEL (sf) · Am 1. Advent 1884 wurde die Finteler St.-Antonius-Kirche eingeweiht. Zum 125. Geburtstag am gestrigen 1. Advent 2009 predigte die Landesbischöfin und Vorsitzende der EKD, Dr. Margot Käßmann, in dem schmucken Gotteshaus vor annähernd 500 Gläubigen.

In den Mittelpunkt ihrer Gedanken stellte sie die Bedeutung der Kirchen und appellierte: „Nutzen Sie sie, damit sie in Gebrauch bleiben.“

Käßmann spielte damit auf Überlegungen an, Kirchen im Zuge von Sparmaßnahmen zu schließen. Plänen, die Gebäude einer anderen, weltlichen Nutzung zuzuführen, erteilte sie eine Absage. Gotteshäuser seien seit jeher das Zentrum gemeindlichen Lebens. Sie könne die Freude nachvollziehen, die die Finteler bewegte, als vor 125 Jahren ihr Gotteshaus eingeweiht werden konnte. In der Kirche werde eine „andere Sprache“ gesprochen und auch jene, die sich ansonsten eher glaubensfern zeigten, stimmten hier in das gemeinsame „Vater unser“ ein.

Die evangelische Kirche stehe in der Tradition einer „Gemeinschaftsreligion“, durch alle Jahrhunderte und auch durch die Reformation hindurch. Von Anbeginn an wurden christliche Gemeinden gegründet, wurde der Glaube in der Gemeinschaft gelebt, wurde er von Generation zu Generation weitergegeben. Die Menschen, so Käßmann, hätten „Sehnsucht nach dem Gottesdienst“, nach dem „Bekennen zum Glauben in der Gemeinschaft“, und die Kirche müsse ihre Türen weit aufmachen. Da spiele es kaum eine Rolle, so Käßmann mit kritischem Blick auf allenthalben in Kirchengemeinden versuchte neue Angebote, ob nun der Gottesdienst um 10, um 11 oder erst um 14.30 Uhr am Sonntag beginne: „Das bringt nichts.“ Entscheidend sei, die „Seele sehnt sich nach Kraftquellen“, sehne sich nach dem Haus Gottes am Ort. „Die Zukunft unserer Kirche liegt nicht hinter uns“, stellte Superintendent Hans-Peter Daub in seinem Grußwort fest. Er forderte dazu auf, „den Mut zu haben, die Kirche neu zu denken“.

Pastor Thomas Steinke berichtete eingangs von besorgten Anrufen, ob denn die Landesbischöfin nach ihrer Wahl zur Ratsvorsitzenden der EDD noch die Zeit fände, zum Kirchengeburtstag nach Fintel zu kommen. Umso mehr freue es ihn, freue es die evangelischen Christen, Margot Käßmann in Fintel begrüßen zu können – die Gemeinde applaudierte zustimmend. Glückwünsche zum Kirchengeburtstag überbrachten auch Sprecher der Partnergemeinde aus dem sächsischen Wehrsdorf sowie der Patengemeinde aus Namibia. Hans-Hermann-Ruschmeyer, Vorsitzender des Kirchenvorstands, dankte allen, die sich in die Vorbereitungen des Festgottesdienstes zum Kirchengeburtstag eingebracht hätten.

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