Infoveranstaltung: Landrat Hermann Luttmann sieht bei IGS-Gründung das Angebot an der Gerberstraße in Gefahr

Jarecki: „Schützen Sie Ihr Gymnasium!“

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Kreis Rotenburg - „Schützen Sie Ihr Gymnasium!“ Mit diesem Appell beschloss Dr. Walter Jarecki, Leiter des Rotenburger Ratsgymnasiums, sein Eingangsstatement bei der Podiumsdiskussion am Montagabend, zu der Landrat Hermann Luttmann in die Aula an der Gerberstraße eingeladen hatte.

Neben Informationen zu den unterschiedlichen Schulformen sollte dabei auch die Frage beantwortet werden, welche Auswirkungen die Errichtung einer Integrierten Gesamtschule (IGS) auf die anderen Schulstandorte hat.

Eine Konkurrenzveranstaltung zu den Info-Abenden der Pro-IGS-Initiativen sollte es ausdrücklich nicht sein. Für Luttmann ist es wichtig, den Eltern, die zurzeit im Rahmen der südkreisweiten IGS-„Bedürfnisermittlung“ ihre Präferenzen hinsichtlich Schulsystem und Standort anmelden sollen, deutlich vor Augen zu führen, dass die Eröffnung einer IGS zum Schuljahresbeginn 2013 unzweifelhaft Auswirkungen auf die Schulstruktur haben wird. – Sven Thiemer, Leiter der Rotenburger Realschule und Befürworter einer IGS in der Kreisstadt, stellte die Vorzüge einer integrierten Beschulung vor. Einer seiner Kernpunkte: Die IGS kennt keine Sitzenbleiber und auch keine „Abschüler“, produziere mithin auch keine Verlierer. 30 Wechsel in einem Jahr von der Realschule auf die Hauptschule und 25 vom Gymnasium auf die Realschule zeigten, dass insbesondere die Abschüler in der Kreisstadt durchaus ein Problem darstellen. Als Kronzeugen für die IGS-Idee führte Thiemer den Chef des Ifo-Institutes, Hans-Werner Sinn, ins Feld, der aus Sicht des Ökonomen kein gutes Haar am dreigliedrigen Schulsystem gelassen hatte.

Auch an „ihrer“ Oberschule, erläuterte Elke Oppermann aus Scheeßel, würden Haupt- und Realschüler bis zur achten Klasse gemeinsam beschult. Erst danach setze die Differenzierung nach leistungsstärkeren und -schwächeren Schülern ein. Ohne diese „äußere Differenzierung“, hatte Sven Thiemer vorher deutlich gemacht, komme auch eine IGS nicht aus. In Scheeßel, betonte Oppermann, pflege die Oberschule eine enge Kooperation mit dem Gymnasium Eichenschule. Neidisch sei sie darauf, dass die IGS keine Sitzenbleiber kenne. Oppermann: „Da müssen wir noch dran arbeiten.“

Dr. Walter Jarecki, Chef des Rotenburger Ratsgymnasiums, sieht sich als prominenter Vertreter des dreigliedrigen Schulsystems durchaus nicht in der Defensive: „Ich fühle mich an der Spitze der pädagogischen Bewegung.“ Sein Bestreben sei es gewesen, den Schülern in der kleinen Stadt Rotenburg „gleich gute Möglichkeiten wie in Hannover zu bieten.“ Mit der in Schwerpunkten und Profilen deutlich werdenden Differenzierung habe man auch im Vergleich mit den Gymnasien im Umfeld die Nase vorn. Friedhelm Horn, verantwortlich für die Oberstufe, ergänzte, dass sich das Ratsgymnasium zu einer „Marke“ entwickelt habe, zu einem Werbe- und Standortfaktor für die Stadt Rotenburg. Er befürworte dennoch eine IGS in der Kreisstadt; Konkurrenz belebe das Geschäft. In dem Zusammenhang wies Landrat Luttmann darauf hin, dass das Angebot in der Breite kaum aufrecht zu erhalten sei „wenn nur 20 Schüler vom Gymnasium zur IGS abwandern“. Dann drohe Dreizügigkeit.

„Innere und äußere Differenzierung ist für die BBS ein alter Zopf“, machte Leiter Wolf Hertz-Kleptow deutlich. Für die Fachgymnasien an der Verdener Straße wurden in diesem Jahr 180 Schüler angemeldet. Zurzeit seien die 160 Lehrer dabei, das aus Österreich übernommene „kooperative offene Lernen“, kurz Kool, zu implementieren.

Rotenburgs Bürgermeister Detlef Eichinger machte deutlich, „die IGS ist eine Angebotsschule, niemand wird gezwungen, sein Kind dort anzumelden.“ Auf eine gymnasiale Oberstufe habe man verzichtet, weil mit Ratsgymnasium und BBS „hervorragende Schulen am Ort sind.“ Auf Nachfrage des Landrats, ruderte Eichinger dann zurück: Auf eine gymnasiale Oberstufe wolle man „vorerst“ verzichten.

Für Ralf Goebel, den Leiter der Scheeßeler Eichenschule, gehen die „Grabenkämpfe“ am aktuellen pädagogischen Stand vorbei. Auch die staatlichen Schulen hätten sich in den letzten zehn Jahren in Richtung Differenzierung und zusätzlicher Angebote weiter entwickelt.

Für Ulrich Thiart ist die Situation in Sottrum „ziemlich mies“. Der Aderlass hin zur Kooperativen Gesamtschule in Tarmstedt und demnächst zur IGS in Oyten baue weiteren Druck aufs Gymnasium in der Wiestegemeinde auf.

Die Elternbefragung endet am 24. September. Nach der Auswertung wird der Schulausschuss des Kreistages am 8. November eine Standortempfehlung abgeben. Sie ist die Grundlage für das abschließende Votum der Landesschulbehörde. Bothels Samtgemeindebürgermeister Rüdiger Woltmann sehnt die Entscheidung herbei: „Damit endlich wieder Ruhe einkehrt.“ · sf

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