Interview: Wie Michi Bröker den Hip Hop nach Hassendorf brachte

Ingwertee und die Furcht vorm Schlager

Michi Bröker  arbeitet bei „Marcs Firma“ in Berlin als „Head of PR & Artist Relations“.

Hassendorf - Von Michael Krüger. Wenn es um Rock‘n‘Roll geht, war Hassendorf seltsamerweise schon immer im Gespräch. „Teufelsgeiger“ und Tenders-Chef Kuddel Bröker hatte bereits alle Legenden der guten alten Zeit bei der momentan pausierenden Oldie Night in Sottrum zu Gast.

Für neue Schlagzeilen sorgt nun Sohn Michi. Der 28-Jährige steht aber weniger selbst auf der Bühne, sondern sorgt mit „Marcs Firma“ in Berlin als „Head of PR & Artist Relations“ dafür, dass die Stars auch den Weg ins Rampenlicht finden. Anders als Papa Kuddel hat er dafür nun auch schon eine Goldene Schallplatte bekommen ...

Eine Goldene Schallplatte für Hassendorf. Wie ist es denn dazu gekommen?

Michi Bröker: Es wurde in der musikalischen Geschichte der Familie Bröker endlich mal Zeit, dass eine Goldene Schallplatte ins Haus kommt! Ich habe sie bekommen, da ich aktiv mit dafür gesorgt habe, dass von der „Alligatoah“-Single „Willst du“ mehr als 150 000 Einheiten verkauft wurden. Bei Youtube hat die Nummer übrigens mehr als 21 Millionen Klicks. Das ist schon ein super Gefühl, aber am Ende auch nur eine schöne Wanddekoration.

Was genau ist Ihre Aufgabe in „Marcs Firma“?

Michi Bröker und Kollege Marc Feldmann feiern die Goldene Schallplatte. Bröker: Ich leite mit meinem Kollegen Marc Feldmann eine PR- und Management Agentur in Berlin. Wir betreuen für Künstler wie „Alligatoah“ den TV- und Radio-Bereich. Wir sorgen dafür, dass seine Songs im Radio gespielt werden und er zum Beispiel bei Stefan Raab auf der Couch sitzt oder bei Ina Müller in der Kneipe seinen Song live spielt. Das heißt, wir begeistern und überzeugen die jeweiligen Redakteure der Sendungen und Sender.

Michi Bröker und Kollege Marc Feldmann feiern die Goldene Schallplatte.

Wo hängt die Goldene Schallplatte nun?

Bröker: Da ich zwei linke Hände habe, steht sie derzeit noch im Wohnzimmer. Sollte jemand mal nach Berlin kommen und zufällig eine Bohrmaschine dabei haben, kann er sie gerne aufhängen. Eine Tasse Kaffee gibt‘s als Dankeschön.

Wie kommt man eigentlich von Hassendorf aus auf die roten Teppiche der Szene?

Bröker: Von Hassendorf am besten mit dem Zug. Am nächsten Morgen dürfte ich nämlich noch nicht wieder mit dem Auto fahren. Ehrlich gesagt hat es sich so ergeben. Wie es genau passiert ist, kann ich gar nicht sagen. Auf jeden Fall begann alles im Jahr 2008 bei einem Musiksender. Danach wurden Kontakte gepflegt und ausgebaut.

Wie ist das denn so im Rockstar- und Hip-Hop-Business: Welche Klischees stimmen, welche nicht?

Bröker: Was bei Bands auf Tour passiert, bleibt auf Tour! Das ist die goldene Regel. Aber so viel kann ich sagen: Ingwertee ist der Geheimtipp und ist immer schwer angesagt!

Aus Expertensicht: Was ist das nächste große Ding der deutschen Musikszene?

Bröker: Ich denke, dass sich Hip Hop in den kommenden Jahren noch sehr gut verkaufen wird und es auch noch zu interessanten Stilmixen kommt. Auf der anderen Seite wird der Schlager immer in den Charts vertreten sein. Da kann man nichts gegen machen. In drei Jahren wird es wahrscheinlich auch wieder ein wenig rockiger.

Was können die Bands hier auf dem Dorf von denen lernen, die es geschafft haben?

Bröker: Macht auf jeden Fall eine vernünftige Ausbildung! Mit diesem Satz grüße ich meine Mutter. Ansonsten zählt nur: spielen, spielen, spielen. Eigenständiger Sound ist immer schön, kann aber auch total nach hinten losgehen. Orientiert euch gerne an euren Lieblingsbands. Ich sag‘ immer gerne „Lieber gut geklaut, als scheiße selbst gemacht“. Schaut euch die Charts an, hört neue Musik!

Mal ehrlich: Rock ist doch geiler als Hip Hop, oder?

Bröker: Vor sechs Jahren hätte ich auch nicht gedacht, dass ich sehr viel im Hip-Hop-Bereich arbeite. Als Schlagzeuger habe ich ausschließlich in Rockbands gespielt und die meisten Shows habe ich von Oasis besucht. Aber der Rock’n’Roll macht gerade Urlaub. Die Verkaufsknaller sind derzeit Hip Hop und Schlager. Meinen persönlichen Musikgeschmack habe ich in einen Safe eingeschossen und tief vergraben.

Wer ist „Cajon-Joe“?

Bröker: (lacht) ... das ist seit kurzer Zeit mein Künstlername, den ich mir nicht einmal selbst ausgesucht habe. Ich war mit „Alligatoah“ beim Radiosender MDR Sputnik. Dort habe ich ihn auf der Cajon begleitet, und er gab mir in der Anmoderation den Namen.

Ich kann nicht singen und spiele kein Instrument. Aber ich will Superstar werden. Geht das?

Bröker: Das geht auf jeden Fall, da bist du bei mir aber an der falschen Adresse.

Wie viel Rock‘n‘Roll steckt in Hassendorf?

Bröker: Wenn Konzerte in Hamburg oder Bremen stattfinden, bin ich auch immer mal wieder in Hassendorf. Zum Hurricane-Festival quartiere ich auch gerne mal Bands bei meinen Eltern ein. Da gibt’s dann beim gemeinsamen Frühstück uralte Rock’n’Roll-Geschichten mit meinem Vater inklusive.

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