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„Zeynep“ bläst ein Buswartehäuschen und jede Menge Bäume weg

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Von: Guido Menker

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An der Straße Zwischen den Wassern in Rotenburg beseitigen Fachleute die Reste eines umgestürzten Baumes.
Auch in Rotenburg entwurzelt der Orkan zahlreiche Bäume. Am Samstagvormittag beginnt bereits das große Aufräumen. © Guido Menker

Das Orkantief „Zeynep“ hat sich weitgehend verzogen. Eine Gesamtbilanz zu den Feuerwehreinsätzen liegt noch nicht vor. Aber so viel steht fest: Es hat reichlich Arbeit gegeben in der zurückliegenden Nacht sowie am Samstagvormittag. In Rotenburg hatte ein Borcheler Feuerwehrmann großes Glück: Auf dem Weg zum Einsatz krachte ein Baum auf seinen Wagen - er blieb unverletzt. Die Züge des „metronom“ fahren frühestens am Abend wieder.

Rotenburg - Eine Gesamtbilanz der Kreisfeuerwehr nach der stürmischen Nacht zum Samstag, in der das Orkantief „Zeynep“ gewütet hat, liegt noch nicht vor. Nur so viel kann Kreisfeuerwehrsprecher Tim Gerhard am Vormittag sagen: „Es gab jede Menge Einsätze, und in den meisten Fällen ging es um umgestürzte Bäume.“ Selbst am Vormittag noch hatten die Einsatzkräfte in vielen Orten Einsätze zu erledigen. Mittags sind weiterhin die Motorsägen zu hören - das große Aufräumen hat begonnen. Von verletzten Personen aufgrund des mächtigen Sturmtiefs ist bislang noch nichts bekannt. Ein Feuerwehrmann ich Borchel hatte allerdings großes Glück. Das berichtet Bürgermeister Torsten Oestmann: „Bei der Anfahrt zum Einsatz ist ihm ein Baum auf das Auto gestürzt - es ging aber zum Glück mit Sachschaden aus.“

Der Sturm reißt dieses Buswartehäuschen in Hassel aus der Verankerung.
Und weg: Der Sturm reißt dieses Buswartehäuschen in Hassel aus der Verankerung. © Guido Menker

Die beiden Nächte hätten gezeigt, so Oestmann, „dass wir uns auf alle Wehren der Stadt Rotenburg verlassen können, wie ich es auch nicht anders erwartet habe.“ Das seien viele Stunden harten und auch gefährlichen Einsatzes gewesen - und das im Ehrenamt, betont der Bürgermeister. Das alles könne man nicht hoch genug schätzen. „Und genau deswegen hat die Feuerwehr meine volle Unterstützung.“

Auch Dirk Eberle, Bürgermeister der Samtgemeinde Bothel, habe sich am Samstagmorgen davon überzeugen können, „dass die Wehren der Samtgemeinde Bothel die beiden anstrengenden Sturmnächte souverän gemeistert haben“. Vom späten Abend bis in die frühen Morgenstunden und noch einmal am Samstag Morgen seien die Helfer gefordert gewesen. Eberle könne gut beurteilen, wie gefährlich es ist, unter Spannung liegendes, verdrehtes Windwurfholz zu räumen. Der Samtgemeindebürgermeister: „Bei Regen, Wind und schlechten Lichtverhältnissen in der Nacht ist jeder Schnitt mit der Säge ein hohes persönliches Unfallrisiko.“

Wie ein Streichholz ist dieser Baum in Hastedt umgeknickt.
Wie ein Streichholz ist dieser Baum in Hastedt umgeknickt. © Guido Menker

Daher sei er sehr froh und zufrieden, dass sich die Einsatzkräfte auf die tatsächlichen Gefahrenpunkte, an denen Menschen gefährdet gewesen sind oder wo erhebliche zusätzliche Schäden eintreten können, konzentriert hätten. „Ganz klarer Schwerpunkt waren wie so oft die Räumungen der Straßen, die ja besonders für Rettungskräfte jederzeit offen sein müssen.“

Alle weiteren Arbeit könnten in den nächsten Tagen unter besseren Rahmenbedingungen durch Fachfirmen und, wo erforderlich, mit Unterstützung schweren Geräts erledigt werden. So, wie es am Samstagvormittag bereits an der Straße Zwischen den Wassern in Rotenburg passiert. Dort hat der Sturm einen Baum entwurzelt, der zur Seite kippte - knapp vorbei an zwei Fahrzeugen.

In Hassel hat der Sturm ein komplettes Buswartehäuschen aus Holz aus der Verankerung gerissen - die Reste davon liegen im Gebüsch. In Hastedt ist eine Eiche wie ein Streichholz abgeknickt - die angrenzende Scheune eines landwirtschaftlichen Betriebes blieb ganz offensichtlich verschont.

Am Dr.-Walter-Mecke-Damm kippt ein Baum ins Wasser - dorthin hin, wo sonst eine Wiese zu sehen ist. In der Rodau-Wiedau-Niederung sind stehen zurzeit weite Teile unter Wasser.
Am Dr.-Walter-Mecke-Damm kippt ein Baum ins Wasser - dorthin hin, wo sonst eine Wiese zu sehen ist. In der Rodau-Wiedau-Niederung sind stehen zurzeit weite Teile unter Wasser. © Guido Menker

„Ich bin ab Mitteilung über die bevorstehenden Orkane von meinem Gemeindebrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr jederzeit umfangreich informiert und mitgenommen worden“, berichtet Scheeßels Bürgermeisterin Ulrike Jungemann. Die sehr gute Vorbereitung mit einer vorausschauenden Einrichtung der Unwetterbereitschaft mit mehr als 25 Einsatzkräften aus den Ortswehren habe gut funktioniert. Zentral im Feuerwehrhaus habe man gemeinsam die Lage durchgespielt, und so konnte es beim ersten Notruf sofort losgehen. „Der Großteil der Einsätze konzentrierte sich auf umgestürzte Bäume, die auf Straßen gelandet sind. Allerdings kam es zwischen Jeersdorf und Westerholz zu einer Straßensperrung. Hier war das laute Knacken und die zu kippen drohenden Bäume Anlass genug, die Straße zum Schutz der eigenen Sicherheit zu sperren“, berichtet Jungemann. Zusammengefasst sei sie „total zufrieden und dankbar“ für den unermüdlichen Einsatz der Freiwilligen Feuerwehren.

„Ich bin sehr beeindruckt von der Professionalität und dem Selbstverständnis, mit dem gerade die jüngeren Feuerwehr-Kameradinnen und -Kameraden dabei waren“, berichtet Visselhövedes Bürgermeister Ralf Goebel. Er sei Freitagnacht mit seiner Frau im Ratssaal und im Feuerwehrgerätehaus gewesen. „Wir wollten schauen, ob was fehlt. Es war bestens organisiert. Mehr als 30 Einsätze wurden gefahren von den unterschiedlichen Teams. Die Stimmung war gut und geprägt von Hilfsbereitschaft und einem Miteinander.“

Ein dickes Lob an die Einsatzkräfte der Feuerwehren sendete Sottrums Samtgemeindebürgermeister Holger Bahrenburg am Vormittag via Facebook: „Die letzte Nacht war eine Herausforderung, und die wurde wieder mal durch unsere Freiwilligen Feuerwehren gemeistert.“ Für die damit verbundene Sicherheit sei er sehr dankbar, „denn sie ist nicht selbstverständlich“. Mit einer Gesamtbilanz der Feuerwehren ist im Laufe des Tages zu rechnen.

Gähnende Leere am Rotenburger Bahnhof. Züge fahren am Samstag vorerst noch nicht.
Gähnende Leere am Rotenburger Bahnhof. Züge fahren am Samstag vorerst noch nicht. © Guido Menker

Da große Teile des Streckennetzes aktuell nicht befahrbar sind, wird der Zugverkehr voraussichtlich heute tagsüber nicht mehr aufgenommen. Das teilt die „Metronom“-Eisenbahngesellschaft mit. Auf allen Strecken seien ersatzweise Busse unterwegs, es könne allerdings zu erheblichen Wartezeiten kommen.

„Laut Prognosen des Deutschen Wetterdienstes ist erst gegen Abend mit einer Besserung der Wetterlage zu rechnen, sodass eventuell in den Abendstunden auf einzelnen Strecken wieder Züge fahren können“, heißt es in der Mitteilung. Sollten die Wetterlage und der Fortschritt der Aufräumarbeiten es zulassen, würden gegebenenfalls auf Teilabschnitten auch schon am Nachmittag einzelne Züge verkehren. Wer zwingend auf Fahrleistungen angewiesen ist, sollte alternative Reisemöglichkeiten prüfen und sich auf jeden Fall kurzfristig in den elektronischen Fahrplaninformationen auf www.metronom.de oder in der metronom-App informieren, lautet die Empfehlung.

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