Die Jägerschaften werben mit neuem Informationsblatt für die Beachtung der Anleinpflicht

Hunde in Wald und Feld anleinen

Anleinpflicht: Ulrich Voß, der Vorsitzende der Jägerschaft Rotenburg (l.), und Pressereferent Kuno Kumpins setzen auf die Einsicht der Hundehalter. ·
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Anleinpflicht: Ulrich Voß, der Vorsitzende der Jägerschaft Rotenburg (l.), und Pressereferent Kuno Kumpins setzen auf die Einsicht der Hundehalter. ·

Rotenburg - Der Wald und das Feld werden in diesen Wochen wieder zur Kinderstube. Die Brut- und Setzzeit hat begonnen. Um dem Nachwuchs Stress oder gar den Tod zu ersparen, schreibt das Land Niedersachsen vom 1. April bis 15. Juli den Leinenzwang für Hunde vor. Die Jägerschaft hat das Thema in einem neuen Informationsblatt aufgegriffen. Ulrich Voß, Vorsitzender der Jägerschaft Rotenburg, und „sein“ Referent für Öffentlichkeitsarbeit, Kuno Kumpins, erläuterten die Problematik im Redaktionsgespräch.

„Wohl zeigen Hundehalter in ihrer Mehrzahl inzwischen Verständnis für die Sorgen von Jägern und Vogelschützern, doch verhalten sich zu viele von ihnen trotz aller gut gemeinten Appelle uneinsichtig“, bedauert Kumpins. Sie gefährdeten damit Wiesenbrüter wie Kiebitz, Brachvogel oder Bekassine ebenso wie Rehwild, Feldhase, Rebhuhn oder Fasan. Immer häufiger würden brütende Wiesenvögel und trächtige Säuger von frei laufenden Hunden bedrängt.

Häufig argumentierten die Halter, ihre Hunde seien friedlich. Dabei verkennen sie aber, dass es für aufgestöberte Jungtiere wie zum Beispiel Rehkitze oft schon tödlich ist, wenn sie vom Hund aufgescheucht werden und dabei wegen einer kleinen Berührung auch nur teilweise dessen Geruch annehmen. Das Elterntier nimmt bereits die kleinste Veränderung der Witterung wahr und lässt dann seinen Nachwuchs unversorgt – dessen qualvolles Zugrundegehen sei die grausame Folge. „Streunende Hunde vertreiben auch Bodenbrüter wie Rebhuhn, Lerche, Kiebitz, Wildente und Wachtel von ihren Nestern“, erläutert Ulrich Voß. Deren Eier und Junge würden dann ein leichtes Opfer von Krähen und Elstern oder kühlten aus. Die Hundehalter selbst könnten diesen Vorgang meistens überhaupt nicht wahrnehmen, wenn sich das Geschehen im dichten Gras oder Unterholz abspiele.

Die Nachwuchspflege folge in der freien Natur meist anderen Regeln als es sich die Menschen vorstellten. So diene das Alleinlassen des Nachwuchses in der Regel dem Schutz des Nachwuchses. Ricke oder Häsin erschienen beim Nachwuchs nur zum Säugen und hielten in der Zwischenzeit größeren Abstand zum Nachwuchs, denn dieser sei in den ersten Lebenswochen geradezu „geruchslos“ und durch sein Kinderkleid und den angeborenen „Drückreflex“ darüber hinaus für seine natürlichen Feinde fast unsichtbar. „Wer solch scheinbar verlassene Jungtiere anfasst oder gar mitnimmt, macht sie zu Waisen, da das Muttertier sie aufgrund des Fremdgeruches meist nicht mehr annimmt“, erläutern die Jäger.

Um auf diese und andere Zusammenhänge hinzuweisen haben die drei Jägerschaften im Landkreis Rotenburg ein Informationsblatt entwickelt, mit dem sie bei den Hundehaltern für die Einhaltung der gesetzlichen Anleinpflicht werben wollen. „Der erhobene Zeigefinger“, sagt Ulrich Voß, „mitsamt Hinweis auf drohende Bußgelder, bringt wenig. Der Appell an die Vernunft ist allemal besser.“ · sf

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