Die Waldkonsulting vermarktet mittlerweile 320 000 Festmeter pro Jahr

Hohe Heide: Industrieholz für Sachsen-Anhalt

Diese Männer formten „Hohe Heide“, eine der größten Forstwirtschaftlichen Vereinigungen (von links): Hans-Jürgen Bostelmann, Adolf Jürgens und Heinrich Luttmann. ·

Kreis Rotenburg - Von Wieland BonathUm 9.05 Uhr fährt Ingo Jenß auf dem Bahnhof in Waffensen seinen Lastzug, voll beladen mit Kiefernindustrieholz, langsam neben die wartenden Transportwaggons. Dann geht alles sehr schnell. 17 Millionen Euro setzt die Waldkonsulting GmbH „Hohe Heide“ mittlerweile jährlich um. Sie hat sich seit ihrer Gründung vor acht Jahren zu einem Wirtschaftsfaktor in der Region gemausert.

Ingo Jenß (45) aus Visselhövede, Mitarbeiter der Firma Röhrs, Westerwalsede, steigt auf die Führungskanzel des Krans und lässt den Greifer nach dem zugeschnittenen Holz schnappen, das er gerade aus dem Privatwald im Bereich Tarmstedt geholt hat, und legt es im hohen Bogen vorsichtig auf den Spezialwaggon.

In einer halben Stunde sind die 24 Tonnen an ihrem Platz und werden schließlich mit einem Spanngurt gesichert. Ein Kollege ist inzwischen mit einer weiteren Holzladung eingetroffen.

Hier wird ein sogenannter Ganzzug mit Ziel Zellstofffabrik Stendal (Sachsen-Anhalt) mit zugeschnittenem Industrieholz beladen und von der Privatbahn transportiert. 20 Waggons auf der Schiene bedeuten rund 50 Lkw weniger auf den Straßen. Das Geschäft mit dem Holz boomt: Zurzeit werden pro Woche acht Züge beladen. Auf wechselnden Bahnhöfen, um möglichst nahe am geschlagenen Holz zu sein. Anschlüsse gibt es unter anderem in Waffensen, Gyhum und Visselhövede. Hier wurde der Bahnhof extra ausgebaut.

Hinter dem Ganzen steht die vor acht Jahren gegründete Waldkonsulting GmbH „Hohe Heide“ mit Sitz in Neuenkirchen, ein forstwirtschaftlicher Zusammenschluss, der sich inzwischen zu einem kleinen Riesen gemausert hat. 320 000 Festmeter werden pro Jahr vermarktet, der Umsatz beläuft sich auf 17 Millionen Euro. Nach dem Grundsatz „Gemeinsam erreicht man mehr“ schlossen sich Forstbetriebsgemeinschaften zur Waldkonsulting zusammen: Verden (rund 500 Mitglieder, etwa 6 000 Hektar), Rotenburg (800 Mitglieder, 9 500 Hektar), Walsrode (1 100 Mitglieder, 16 000 Hektar), Soltau (750 Mitglieder, 18 000 Hektar).

Hans-Jürgen Bostelmann (54), Kettenburg, seit acht Jahren als Vorsitzender der Kreiswaldmärkerschaft Rotenburg Nachfolger von Adolf Jürgens, Waffensen (79): „Unser Zusammenschluss hat dafür gesorgt, dass wir von einer Marktrandlage zu einem Vermarktungszentrum für Holz geworden sind. Dadurch sind die Holzpreise für unsere Waldbesitzer deutlich angestiegen.“

Heinrich Luttmann (56), Klein Heins, Vorsitzender der Forstwirtschaftlichen Vereinigung „Hohe Heide“, ergänzt: „Die befreundeten und benachbarten Forstbetriebsgemeinschaften im Westen und im Norden, insbesondere auch die Forstbetriebsgemeinschaften Zeven und Bremervörde, vermarkten ihre Holzmengen über uns. Dadurch profitieren diese von besseren Holzpreisen, gleichzeitig steigt unser Ansehen bei den Kunden der Holzindustrie.“ „Hohe Heide“ sei inzwischen einer der größten Zusammenschlüsse in Deutschland.

In den Privatwäldern, die in unserer Region 75 Prozent der Gesamtwaldflächen ausmachen, sind Kiefer und Fichte die vorherrschenden Holzarten. Einen ganz besonderen Marktanteil hat dabei das Industrieholz für Paletten und die Zellulose-Produktion. Unter Abzug aller Holzerntekosten bekommt der Waldbesitzer heute für einen Raummeter Palettenholz 20 Euro. Hans-Jürgen Bostelmann erinnert sich an andere Zeiten, die gar nicht so weit zurückliegen: „Vor 15 Jahren habe ich als Waldbesitzer nach Abzug der Holz erntekosten für einen kompletten Lkw, also etwa 40 Raummeter Industrieholz, 60 Pfennig bekommen.“

Es werde auch höchste Zeit, betont Heinrich Luttmann, dass sich die finanziellen Erträge aus den Wäldern verbesserten. Nur so könne der Umbau der Kiefernreinbestände in stabile, ertragreiche Mischwälder bezahlt werden. Adolf Jürgens, der immer wieder auf die erfolgreiche Arbeit seiner Nachfolger hinweist: „Unser Ziel war es immer, für die Produkte aus unseren Wäldern angemessenes Geld zu bekommen.“

Ein Fazit von Heinrich Luttmann: „Seit der Wiedervereinigung wurde eine sehr leistungsfähige Holzindustrie in den neuen Bundesländern aufgebaut. Dadurch wird das Holz, das bei uns nachhaltig genutzt werden kann, zu relativ hohen Preises nachgefragt. Für uns als Vermarktungsorganisation besteht jetzt die Aufgabe, unsere Kunden zwölf Monate im Jahr mit frischem und qualitativ hochwertigem Rohstoff zu versorgen.“

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