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DRK beim Hurricane: Von Blase bis Herzinfarkt

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Von: Andreas Schultz

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Die Einsatzlage beim Hurricane ist für das DRK bis Freitagabend noch entspannt. Richtig los gehen wird es wahrscheinlich mit dem heißen Wetter am Samstag, wenn keiner mehr ans Trinken denkt.

„Moderates Einsatzgeschehen, es ist weniger los als sonst“, sagt Oliver Voss. Der Einsatzleiter des DRK ist guter Dinge, was die Lage beim Hurricane-Festival am Freitag angeht. Was an Fällen bis zum Abend angefallen ist, rangiert zwischen Brandblase und Herzinfarkt.

Hurricane Festival 2022 birgt viel Arbeit für das DRK

Warum ist es dieses Jahr eher ruhiger? Ganz einfach: Wer jetzt vor Ort ist, kennt es nicht anders: „Man geht davon aus, dass das Publikum alle vier Jahre wechselt. Die Klientel, die jetzt hier ist, hat es in den letzten zwei Jahren gelernt, anzustehen. Die Menschen gehen gut miteinander um, sie sind geduldig“, fasst der Kreisbereitschaftsleiter des DRK-Kreisverbands Harburg-Land zusammen. Der Einfluss der Pandemie sei deutlich zu merken: „Man spürt das, wir spüren auch die Anerkennung für unsere Arbeit.“

Dr. Friedrich-Wilhelm Caliebe, Einsatzleiter Oliver Voss, Hendrik Gehrdau.
Behalten den Überblick im Einsatzgeschehen: Ärztlicher Leiter Dr. Friedrich-Wilhelm Caliebe (v.l.), Einsatzleiter Oliver Voss, Lagedienst Führer Hendrik Gehrdau. © Schultz

450 Einsatzkräfte sind vor Ort, sie kommen aus insgesamt acht Kreisverbänden in Norddeutschland. Die Helfer haben am Eichenring die festivaltypischen Verletzungen vor sich: verdrehte Füße, Brüche, Hyperventilation, Krampfanfälle, Menschen, die so betrunken sind, dass sie sich übergeben – das Übliche. Allerdings halte es sich in Grenzen. Das medizinische Personal teilt die Fälle in grüne, gelbe, rote Fälle ein. „Gelb hatten wir schon welche. Das sind kritische Fälle, die vor Ort behandelt werden. Rot, also Verletzungen, mit denen es sofort ins Krankenhaus gehen muss, hatten wir hingegen noch nicht.”

Was in den kommenden Tagen wieder für Arbeit sorgen wird, ist das Wetter: 25 Grad und praller Sonnenschein sind für Samstag angesagt. Die Folge ist ein erhöhtes Aufkommen von Schwächezuständen aufgrund von Flüssigkeitsverlust, erklärt Voss. Festivalbesucher denken nicht immer daran, ausreichend Wasser zu sich zu nehmen und trinken stattdessen Alkohol, der dem Körper wiederum Wasser entzieht. „Dabei braucht die Leber das Wasser dringend, um ordentlich arbeiten zu können. Aber wir sind gut versorgt: Wir haben genug Infusionen“, verrät er. Wasser auf diese Weise dem Flüssigkeitshaushalt des Körpers zuzuführen, helfe enorm: „Das macht müde Menschen wieder munter“, so Voss.

Und Corona? Der Einsatzleiter verweist auf Teststellen außerhalb des Geländes. Das DRK teste nicht. Wenn einer der Verletzten ins Krankenhaus transportiert werden muss, teste das Krankenhaus als nächstes. „Wer Symptome hat, geht zum Selbsttest nach Scheeßel oder fährt einfach nach Hause. Da setzen wir auf den gesunden Menschenverstand.“ Wer positiv testet, muss organisieren, wie er zurückkommt und darf das Gelände nicht mehr betreten. Handy, Geldbeutel und einen nüchternen Fahrer sollten Betroffene möglichst vorher organisieren.

Für die Helfer ist der Einsatz auf dem Hurricane gleichzeitig Übung für den Katastrophenfall. Heißt: Sie fahren Zwölfstundenschichten und haben einen riesigen Fuhrpark vor Ort. Zwei Notarztfahrzeuge, drei zusätzliche Rettungswagen, drei Notfallkrankenwagen und sieben zusätzliche Sonderfahrzeuge. Mit letzterem reagiert das DRK auf Erfahrungen von 2016, als ein Ungewitter die Plätze regelrecht unter Wasser setzte. Die Sonderfahrzeuge ermöglichen die Fahrt auch durch das verschlammteste Gelände, um im Bedarfsfall Menschen auch von dort retten zu können.

„Wir testen Material, Prozesse, Abläufe.“ Die angenommene Lage ist eine Katastrophe mit vielen Verletzten, vergleichbar mit dem Einsatz Ahrtal.

Voss’ Tipp an die Festivalbesucher: Nicht leichtsinnig sein, stets die Orientierung haben, viel trinken und nicht zu betrunken sein. „Das alles sorgt dafür, dass wir alle wieder gesund nach Hause kommen“.

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