Bürgermeister Klaus Dreyer entdeckt weiteren Namensvetter seiner Gemeinde

Hassendorf liegt in Polen

Verstanden sich auf Anhieb prächtig mit den Einwohnern im polnischen Hassendorf: Klaus Dreyer (l.), Ursula Beindorf (Mitte) und Hans-Uwe Franke.

Hassendorf - Um nach Hassendorf zu kommen, muss Bürgermeister Klaus Dreyer die Koffer packen und die Grenzen seiner gleichnamigen Gemeinde weit hinter sich lassen. Denn gemeint ist nicht das Hassendorf im Landkreis Rotenburg, sondern im Herzen Polens.

Bei der Suche nach Namensvettern seiner Gemeinde stieß der 64-Jährige im Internet auf den Ortsteil der Gemeinde Drawno im früheren Kreis Arnswalde. Heute heißt das kleine Fleckchen auf der Landkarte Zólwino, hat 60 Einwohner und liegt knapp 85 Kilometer südöstlich von Stettin.

Eigentlich dachte Dreyer, er habe mit einem Dorf in der Gemeinde Bosau (Schleswig-Holstein), zu dem die hiesige Gemeinde seit Jahren freundschaftliche Kontakte pflegt, alle Hassendorfs, die es außerhalb der Samtgemeinde Sottrum gibt, entdeckt. Umso größer war die Überraschung, als Google ihn plötzlich in das europäische Nachbarland lotste.

Den Gartenzwerg aus Deutschland hat Andrzej Chmielewski prominent auf seinem Schreibtisch platziert.

Im Internet fand Dreyer interessante Details heraus. So war jenes Hassendorf etwa Anfang der 30er Jahre eine Landgemeinde mit fünf Orten und einer Fläche von 23,9 Quadratkilometern. Mit der Verwaltungsreform 1938 wurde der Kreis Arnswalde und damit auch die Gemeinde dann der Provinz Pommern zugeschlagen.

Mit diesen Informationen im Hinterkopf schrieb der Bürgermeister Ende 2011 seinen Amtskollegen Robert Adamczyk in der Stadt Choszczno (Arnswalde) an, um zu fragen, ob der Ort noch existiert. Und erhielt eine positive Rückmeldung. Von Adamczyk erfuhr Dreyer, dass Hassendorf heute aber nicht mehr eigenständig ist, sondern zur Gemeinde Drawno gehört. Ferner sei der dortige Bürgermeister Andrzej Chmielewski bereits informiert. „Ich habe ihn daraufhin gleich angeschrieben“, erinnert sich Dreyer – verbunden mit einer Einladung in das hiesige Hassendorf.

Dann tat sich wochenlang nichts. Bis zum 21. Februar, als die Antwort im Briefkasten lag. Mit „größter Freude“ habe Chmielewski die Freundschaftsanfrage erhalten und lade Dreyer ebenfalls zu einem Besuch ein. Sein Hassendorf sei nach der Übernahme durch Polen von 1945 bis 1954 eine selbstständige Gemeinde gewesen. Seit 1946 liege diese im Kreis Arnswalde, sei nun Ortsteil der Gemeinde Drawno und seit Kaiserzeiten ein Luftkurort.

Nach einigem Schriftwechsel war ein Termin für den Besuch gefunden: das vierte Gartenzwerge-Festival. „Laut unserer Geschichte sind wir der erste Ort, in dem die in Deutschland so bekannten Gartenzwerge produziert wurden“, erklärte Chmielewski. Aus dieser Tradition heraus sei die Veranstaltung ins Leben gerufen worden – auch, wenn die Herstellung mittlerweile eingestellt worden sei.

„Ich habe daraufhin den Rat alarmiert, die Vereine und die Feuerwehr“, berichtet Dreyer. Doch leider hätten an dem Wochenende viele Termine angestanden. Also ging es nur mit einer kleinen Delegation bestehend aus Dreyer, seiner Frau Barbara, seiner Stellvertreterin Ursula Beindorf und dem Vorsitzenden des TV Hassendorf, Hans-Uwe Franke, auf die Reise. Mit an Bord: ein Gartenzwerg mit persönlicher Widmung als Gastgeschenk. Chmielewski habe sich sehr darüber gefreut: „Der steht jetzt auf meinem Schreibtisch.“

Vor Ort habe die Delegation ein umfangreiches Programm erwartet. Die Gastgeber hätten sich redliche Mühe gegeben, „ihr“ Hassendorf vorzustellen – darunter viele Relikte der deutschen Vergangenheit wie alte Bilder, Inschriften in der Kirche und Gedenktafeln. Das Festival selbst sei eher eine Messe mit buntem Rahmenprogramm gewesen, bei der es 1 000 Gartenzwerge und Co. zu bestaunen gegeben hätte.

Mit vielen Eindrücke im Gepäck ging es zurück in die Heimat. „Ich freue mich, dass wir nun auch das letzte Hassendorf entdeckt und erkundet haben und hoffe, dass daraus eine dauerhafte Freundschaft entsteht“, betont Dreyer. Das ginge aus Sicht beider Kommunen aber nur, wenn die Bürger und Vereine daran beteiligt seien. Ein erster Schritt in diese Richtung ist getan. Der nächste soll beim Erntefest am 8. September folgen, zu dem Dreyer eine polnische Delegation eingeladen hat. · sbo

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