„beRATen“ in Hannover

Prävention gegen Islamismus: Berater kümmern sich oft um Kinder

Hannover - Die Berater der Präventionsstelle gegen islamistische Radikalisierung in Niedersachsen haben es knapp vier Jahren nach dem Start vielfach mit Kindern zu tun.

Verstärkt rücke das Phänomen der zweiten Generation von Islamisten statt ausreisewilliger potenzieller Terrorkämpfer in den Fokus, berichtet die Präventionsstelle „beRATen“ in Hannover. Mit der Initiative wollen Land und islamische Verbände ein Abgleiten junger Menschen in radikale Kreise verhindern.

Dabei gehe es um die Kinder der aus Syrien und dem Irak nach Niedersachsen zurückgekehrten Islamisten sowie um den Nachwuchs junger hierlebender Salafisten. Deren landesweite Zahl stagniert inzwischen seit längerem bei 880.

Während die Beratungsanfragen bei der Präventionsstelle nach 48 im Startjahr 2015 auf 163 im Folgejahr in die Höhe schnellten, sanken sie 2017 auf 79 und 2018 auf rund 30 ab. Oftmals melden sich Angehörige, Freunde und andere Menschen aus dem Umfeld junger Menschen, die eine Radikalisierung wahrnehmen oder befürchten. Die Angst, ein junger Mensch stehe vor dem heimlichen Aufbruch Richtung Syrien oder Irak, ist dabei seit dem Zerfall des Machtgebiets der Terrormiliz Islamischer Staat in den Hintergrund gerückt.

Da viele Beratungen sich über einen längeren Zeitraum hinziehen, sage die Zahl der Neufälle wenig über die Arbeitsbelastung, erläuterte die Beratungsstelle. Insbesondere bei den Minderjährigen hätten es die Berater oft mit einem großen Umfeld zu tun. Die Fälle seien dadurch komplexer und arbeitsintensiver geworden. Rund 40 Prozent davon betreffen inzwischen Jugendliche unter 18 Jahren, die Gruppe der 19- bis 24-Jährigen macht 42 Prozent aus und die der Menschen ab 25 Jahren rund 18 Prozent. Seit längerem bewegt sich der Frauenanteil bei 22 bis 28 Prozent.

Mindestens 37 der über 80 aus Niedersachsen Richtung Syrien und Irak ausgereisten Personen sind nach Angaben des Verfassungsschutzes wieder heimgekehrt. Darunter befänden sich 31 Männern und 6 Frauen. Zusätzlich seien 13 Kinder mit ihren Eltern zurückgekehrt. Mit weiteren Rückkehrern wird gerechnet, auch mit Minderjährigen, die zumeist mit ihren Eltern ausgereist sind oder in Syrien oder dem Irak geboren wurden.

In einer Handvoll Fälle hat die Regierung ins Auge gefasst, Kinder von im Irak verurteilten deutschen Dschihadistinnen nach Deutschland zu holen. Dem Innenministerium in Hannover sind aber bislang keine Pläne in Bezug auf Kinder von niedersächsischen Islamisten bekannt.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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