Ex-Bundeswehrsoldat berichtet Eichenschülern über Afghanistan-Einsatz

„Haltet die Augen offen und mischt euch ein!“

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Afghanistan – sinnvoller Einsatz oder endloses Fiasko? Darüber diskutierten die Eichenschüler mit dem ehemaligen Bundeswehrsoldaten Johannes Clair.

Scheeßel - Von Ulla Heyne - Beinahe schon eine richtige Vortragsreihe mit hochkarätigen Referenten ist es, die die Eichenschule in Scheeßel ihren Politikkursen der Oberstufe derzeit angedeihen lässt.

Nachdem erst kürzlich eine Mitarbeiterin des Auswärtigen Amts die diplomatischen Möglichkeiten der Bundesrepublik erörtert hatte, erläuterte der Vortragende nun auf Einladung von Lehrer Udo Grenz-Gieseke vor mehreren Kursen, was passiert, wenn Diplomatie nicht mehr greift: Der ehemalige Bundeswehrsoldat Johannes Clair referierte aus seiner Praxis als Infantrist in Kunduz.

Nach einem landeskundlichen und geschichtlichen Überblick gab er in seinem ebenso lebendigen wie durch große emotionale Nähe packenden Erfahrungsbericht mit vielen Fotos Einblicke in den Alltag im Feldlager, die Arbeit der Soldaten und die Bedingungen, unter den sie ihre psychisch wie physisch belastenden Aufgaben erfüllen – von Temperaturen bis 57 °C und Wasserknappheit über Gefechte bis zu der Anspannung zu wissen, dass man genau beobachtet werde und jederzeit ein Bombenanschlag drohe, weil man beispielsweise von kooperierenden afghanischen Polizisten verraten werde.

„Die Polizisten dort haben Verpflichtungen gegenüber Clanchefs und Dorfoberhäuptern, die über das hinausgehen, was wir ihnen als Partner bieten können“, analysierte er frei von Bitterkeit. Diese fehlende Eigenbestimmung ist seiner Ansicht nach auch einer der Gründe, warum der Aufbau einer Demokratie nach westlichem Vorbild noch mehrere Generationen beanspruchen würde.

In diesem Zusammenhang sparte der ehemalige Eichenschüler nicht mit Kritik an der Darstellung des Konflikts durch die Bundesregierung in der Öffentlichkeit. Trotz der Grenzerfahrungen, Konfrontation mit dem Tod von Kameraden sowie aller Kritik an der Umsetzung der Bundeswehr-Einsätze und allen Grenzerfahrungen steht der 26-Jährige hinter seiner Entscheidung sowie dem Engagement Deutschlands in Afghanistan, sondern er verteidigt auch offensive Einsätze zur Verhinderung weiterer Gewalt.

Nichtsdestotrotz geht es dem Wahl-Hamburger nach eigenem Bekunden nicht um Werbung für die Bundeswehr. Genau das war ihm nämlich nach einem ähnlichen Vortrag in Sottrum vorgeworfen worden. Vielmehr wollte Clair Denkanstöße geben und die Schüler dazu anregen, sich eine eigene Meinung zu bilden: „Haltet die Augen offen, informiert euch, mischt euch aktiv ein!“

Er selbst lebt diesen Grundsatz – einen Truppenbesuch von Angelika Merkel nutzte der angehende Politikstudent nicht nur zu einer Umarmung, sondern auch zur Übergabe eines Briefes mit einer kritischen Einschätzung; derzeit schreibt er an einem Buch über seine Erfahrungen als deutscher Soldat in Afghanistan.

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