Öffentlicher Appell des Führungsunterstützungsbataillons 285 auf dem Visselhöveder Marktplatz

„Hallo“ und „Tschüss“ zugleich

Wohl einer der letzten großen Veranstaltungen von Stadt und Kaserne: Der öffentliche Appell auf dem Marktplatz. ·
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Wohl einer der letzten großen Veranstaltungen von Stadt und Kaserne: Der öffentliche Appell auf dem Marktplatz. ·

Visselhövede · Die Nationalhymne, ein geschmückter Marktplatz, rund 400 Zuschauer, viele Ehrengäste und eine strahlende Sonne vom Himmel. Die Stadt Visselhövede nahm gestern Nachmittag beim öffentlichen Rückkehrer-Appell der Soldaten, die in Afghanistan eingesetzt waren, schon ein bisschen Abschied von ihrem Führungsunterstützungsbataillon 285.

Dankend: Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann.

Auch wenn das endgültige Aus der Kaserne erst auf Ende 2015 terminiert ist, wird es einen solchen öffentlichen Appell wohl nicht noch einmal geben. Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann nannte gleich drei Gründe, warum die Bundeswehr den Gang in die Öffentlichkeit angetreten habe: „Denn Begegnung und Austausch zwischen Soldaten und Bevölkerung sind von unschätzbarem Wert.“ Schünemann dankte den Visselhövedern, dass sie den „Soldaten 40 Jahre lang eine Heimat gegeben“ hätten. Er versprach, dass sich die Landesregierung für die Kommunen einsetzen werde, die wie Visselhövede von der Schließung von Kasernen betroffen seien: „Wir werden an ihrer Seite sein!“

An die Soldaten gewandt, sagte Schünemann, dass er froh sei, dass alle 63 Kräfte des 28. Einsatzkontingentes ISAF gesund aus Mazar e-Sharif zurückgekehrt seien. „Ihr Einsatz in Afghanistan hat erheblich zur Stabilisierung des Friedens beigetragen.“

Zufrieden: Oberstleutnant Michael Kämmerer.

Der Chef der Kaserne, Oberstleutnant Michael Kämmerer, informierte darüber, dass sich die intensive Ausbildung vor Kontingentbeginn ausgezahlt habe und „alle Projekte durch unser Personal zur vollen Zufriedenheit der Kontingentführung bearbeitet wurden“. Gleiches hofft er natürlich auch von den 23 Soldaten, die gestern während des Appells in den Kosovo verabschiedet wurden. „In den vergangenen Wochen und Monaten haben wir sie bestmöglich auf den Einsatz vorbereitet. Auch wenn das Einsatzgebiet Balkan etwas aus dem medialen Fokus gerückt wurde, ist das Umfeld weiterhin fordernd und die Lage nicht immer ruhig und stabil“, sagte Kämmerer. Mit auf ihren Weg dorthin nehmen die Soldaten auch das Ortsschild Visselhövedes, das ihnen von Bürgermeisterin Franka Strehse überreicht wurde.

Nachdenklich: Bürgermeisterin Franka Strehse.

Sie hob hervor, dass der Appell auf dem Marktplatz wohl eines der letzten großen Ereignisse sei, welches Stadt und Soldaten gemeinsam begehen. „40 Jahre lang waren wir enge Partner. Es wurden Biwaks gefeiert, Tage der offenen Tür, Sportveranstaltungen und vieles mehr. Viele Bürger haben schöne Erinnerungen an ihre Zeit, in der sie hier Soldat waren oder Angehörige eines Soldaten.“ Die Einsätze der Bundeswehr würden von immer mehr Menschen in Frage gestellt, genau wie die finanziellen Hilfen an europäische Nachbarstaaten. Der auch nicht zu stoppende Krieg und die anscheinend nie endende Gewalt in Afghanistan hätten das Bild vom Frieden schaffenden deutschen Soldaten verdunkelt. „Wir leben in dem Widerspruch, dass breite Mehrheiten in der Bevölkerung gegen den Einsatz sind und ebenso breite Mehrheiten im Bundestag den Einsatz befürworten und mehrfach verlängert haben. Auch hier fällt die Parallele zur Euro-Krise auf“, so Strehse. · jw

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