Wieder stirbt ein Stück Marktplatz / Nächster Geschäftsleerstand / Gewerbeverein will handeln

Gute Stube wird zum Geisterzimmer

Seit mehr als zwei Jahren eine unansehnliche Baulücke: Filetgrundstück in Vissels guter Stube.

Visselhoevede - Von Jens WietersVISSELHÖVEDE · „Am Sonntag ist Schluss, dann schließe ich ab und wieder stirbt ein Stück Marktplatz“, sagt Sascha Kelputt, der sein Tabak und Zeitschriftengeschäft in der eigentlich guten Stube Visselhövedes aufgibt – wie viele andere Kaufleute vor ihm, und sicherlich auch noch weitere nach ihm.

„Es rechnet sich einfach nicht“, so Sascha Kelputt, der jetzt die Selbstständigkeit aufgibt und einen Arbeitsplatz als Restaurantleiter in Rotenburg antritt. „Mein Geschäft ist im Low-Budget-Segment angesiedelt, und da bleibt nichts übrig.“ Für ihn ist klar, dass der „kostspielige Umbau des Marktplatzes nicht nur den Bürgern nichts, sondern den Geschäftsleuten schon gar nichts gebracht“ hat. Die damalige Entscheidung, nur sechs Parkplätze zuzulassen, die sich im Augenblick fünf Läden teilen müssten, sei grundlegend falsch gewesen. „Aber von Seiten des Stadtrats wurde uns damals gesagt, das ist so und basta!“, erinnert sich Kelputt.

Wenn am Montag der Tabakladen nicht mehr öffnet, werden noch mehr leere Schaufenster das Visselhöveder Wohnzimmer schmücken. Denn die Drogerie Witte hatte bereits vor Monaten geschlossen, direkt daneben klafft seit gut zwei Jahren eine große Baulücke, wo das historische Fachwerkhaus abgerissen wurde. Schräg gegenüber sucht Gastronom Willi Schumann bisher erfolglos einen neuen Wirt, der sein Bistro weiterführt, weil „Leonardo-Willi“ in einigen Monaten Schluss macht und schon jetzt nur noch sporadisch geöffnet hat.

Gleich nebenan gibt es den Schlecker-Drogeriemarkt. Aber auch bei dem ist die Zukunft nicht gesichert, denn bekanntlich will Firmenchef Lars Schlecker in den kommenden Monaten 800 Filialen dichtmachen. „Und dass der Standort Visselhöveder erhalten bleibt, zumal sich Rossmann in der Stadt ansiedeln wird, wage ich zu bezweifeln“, sagt Bürgermeisterin Franka Strehse (SPD).

Nach ihrer Meinung werde es sehr schwierig, dem Platz mehr Leben, sprich Geschäfte, einzuhauchen: „Der Handel befriedigt die Bedürfnisse der Einwohner und da hat sich die Goethestraße mit den beiden Supermärkten klar als Zentrum herauskristallisiert.“ Durch diese und weitere Vollsortimenter an anderen Standorten habe man keinen Versorgungsengpass mehr in der Stadt, so Strehse, die glaubt, dass die Chancen für eine Neuansiedlung von Gewerbe am Marktplatz und auch an der nördlichen Großen Straße eher schlecht stünden.

„Der Stadtrat muss sich nicht nur bei dieser Thematik die Frage stellen, ob wir so weiter machen wollen und kleiner werden, oder ob wir wachsen wollen, was eben nur durch Zuwanderung funktioniert“, spricht Strehse den demografischen Wandel an.

Gewerbevereinsvorsitzender Matthias Gutermann hat „den Marktplatz ganz oben auf der Agenda“ seines Gesprächskreises Stadtentwicklung stehen. Es fehle ein Nutzungskonzept für den Platz. Man habe damals zwar an den Umbau gedacht, aber die Frage vernachlässigt, was man später damit machen werde. „Jetzt werden wir uns mit den Hauseigentümern zusammensetzen und Ideen sammeln“, so Gutermann, der aber auch verfrühten Optimismus dämpft: „Wir sind keine Heilsbringer, aber man muss nach vorn schauen und nicht zurück.“ Gerade die Gastronomie habe auf der Sonnenseite des Marktplatzes eine große Chance. „Aber die muss so gut sein, dass sie auch Kunden von außerhalb lockt.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Meistgelesene Artikel

In Ostervesede gestrandeter „Circus May” ist immer noch auf Spenden angewiesen

In Ostervesede gestrandeter „Circus May” ist immer noch auf Spenden angewiesen

In Ostervesede gestrandeter „Circus May” ist immer noch auf Spenden angewiesen
Autofahrerin verletzt sich bei Unfall auf Glatteis schwer

Autofahrerin verletzt sich bei Unfall auf Glatteis schwer

Autofahrerin verletzt sich bei Unfall auf Glatteis schwer
95 Prozent Omikron im Landkreis

95 Prozent Omikron im Landkreis

95 Prozent Omikron im Landkreis
Näher dran

Näher dran

Näher dran

Kommentare