Fulminantes Auftaktkonzert mit Marimba und Streichquartett

Ein großer Star aus Holz

Die Expressivität von Katarzyna Mycka (r.) steckte auch die Streicherkollegen des Mandelring-Quartetts an. ·
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Die Expressivität von Katarzyna Mycka (r.) steckte auch die Streicherkollegen des Mandelring-Quartetts an. ·

Rotenburg - Wenn eine Streicherformation von Weltrenommee wie das Mandelring-Quartett zur Nebensache avanciert – wenn auch zu einer schönen –, dann will das etwas heißen. Groß war der Star des Abends, mit mehr als zwei Metern Länge – und aus Holz. Denn zum Auftakt der neuen Saison der Rotenburger Konzerte hatte Organisator Bodo Lemme neben besagtem Quartett die Marimbaphonistin Katarzyna Mycka geladen.

Das hatte, neben den treuen Abonnenten und einer Streicherklasse des Ratsgymnasiums, am Donnerstagabend auch den ein oder anderen zusätzlichen Gast in die fast ausverkaufte Aula der Rotenburger Realschule gelockt. Und das Klangerlebnis, das sich nach einem soliden Mendelsohn Bartholdy mit durchaus außergewöhnlichen Momenten bot, hatte es in sich: Mal dumpf, mal hölzern – die Vielfalt der Klangfarben des relativ jungen Instruments, das mit vier Klöppeln gespielt wird, war erstaunlich. Ebenso wie die Virtuosin, Vorreiterin und Dozentin, Gewinnerin diverser Wettbewerbe und gern gesehener Gast bei zahlreichen Marimba-Festivals.

Mal abgesehen vom Musikgenuss bei den Stücken der zeitgenössischen Komponisten Séjourné und Rosauro – erst seit etwa 30 Jahren werden für das Instrument klassische Stücke geschrieben: Beim Agieren zwischen den Palisander-Klangstäben wirkte Mycka abwechselnd als Akrobatin, Magierin, Gauklerin oder Zeremonienmeisterin, wirbelte mit beeindruckender Geschwindigkeit hinter dem stattlichen Instrument. Jeder Ton – viele immer wieder angeschlagen, da der Klang schnell verhallt – schien der 40-Jährigen Spaß zu machen. Das übertrug sich auch auf die Akteure der Streichergruppe, die bis dahin technisch einwandfrei, jedoch eher zurückhaltend konzertiert hatten.

Dabei ließen sich der Mendelsohn und ihr Debussy durchaus hören – allein, die Erwartungshaltung an so gern gesehene Gäste war hoch. Da wurde jede kleine Intonationsunsicherheit registriert, jedes anfängliche „sich finden müssen“, bis es zum gewohnt homogenen Klangbild kam. Und auch hier gab es große Momente, etwa das herrlich verhaltene Andantino von Debussys Streichquartetts in g-Moll.

Ihr Herz verloren die meisten Zuhörer dann aber doch an die überwältigende Darbietung mit der Marimba. So bot sich in der Pause ein für Rotenburg eher ungewöhnliches Bild: Viele Besucher enterten die Bühne und ließen sich von der publikumsnahen Musikerin die ein oder andere Frage zur Marimba beantworten.

Überwogen beim erste Stück romantische Anklänge, etwa an Rachmaninow oder Liszt, so war das Konzert Rosauros von lateinamerikanischen Einflüssen und einer starken Rhythmusbetonung geprägt. Belohnt wurde der ebenso verdiente wie anhaltende Applaus mit einer Zugabe, wiederum eines zeitgenössischen lateinamerikanischen Komponisten. Das Stück des Argentiniers Lucas Guinot subsumierte die Erkenntnisse des Abends: Zeitgenössische Musik, zumal, wenn sie mit volkstümlichen Motiven wie hier des Tangos durchsetzt, kann unmittelbar eingängig sein – und bringt auch das Rotenburger Publikum aus dem Häuschen. · hey

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