Erzieherinnen-Streik: Zentrale Verdi-Kundgebung mit 600 Teilnehmern

Marsch aufs Rathaus

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Jürgen Hohmann, Vorsitzender des Verdi-Landesverbandes Niedersachsen-Bremen, wertete den Streik als gesellschaftspolitisches Signal für mehr Gerechtigkeit.

Gnarrenburg - Von Thomas Schmidt. Gnarrenburg war gestern fest in der Hand der streikenden Erzieherinnen und Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter. Rund 600 Teilnehmer aus den Landkreisen Rotenburg, Stade, Osterholz, Cuxhaven und aus Bremen folgten einem Aufruf von Verdi zur zentralen Kundgebung in Gnarrenburg. Mal abgesehen von der Demo für den Erhalt der Rettungswache vor sieben Jahren war der rund 300 Meter lange Demonstrationszug durch die Ortschaft die größte Kundgebung, die Gnarrenburg je gesehen hat.

Bei Wind und Wetter treffen sich die Erzieherinnen um kurz nach 10 Uhr vor dem ehemaligen Schützenhof. Doch von der Kälte lassen die Erzieherinnen wenig beeindrucken. Mit „In unserem Land muss was gescheh‘n, ihr müsst den Wert sozialer Arbeit seh‘n“ singen sich die Demonstrantinnen mit einem umgedichteten, sanft-tönenden Folklore-Song warm. Das Startsignal für den wird dann aber deutlich lauter: Zu den aus dem Verdi-Lautsprecherwagen dröhnenden Rockriffs von „Hell‘s Bells“ der Band AC/DC setzt sich der rund 500 Meter lange Demonstrationszug, der vom ehemaligen Schützenhof bis zur Kita „Kinderburg“ reicht, in Bewegung.

Vor der Kita in der Hindenburgstraße kommt es zu einem emotionalen Moment für viele Gnarrenburger Erzieherinnen, die den Demonstrationszug als Gastgeber der Verdi-Veranstaltung anführen: Kinder winken durch die Scheibe der Notdienst-Kita ihren streikenden Erzieherinnen zu. „Natürlich haben wir Sehnsucht, wieder an die Arbeit zu den Kindern zu gehen. Aber jetzt müssen wir für unsere Ziele einstehen“, kommentiert eine Streikende diesen Moment. Sie freut sich darüber, dass ein Kind sie mit „Daumen hoch“ begrüßt hat.

Welch emotionale Zerreißproben der von Woche zu Woche härter werdende Arbeitskampf für viele Kolleginnen sei – auch angesichts von Beschimpfungen in Leserbriefen oder von Nachbarn – machte Heike Meyer-Alpers, Vollzeitkraft in der Kita Oerel in einem Redebeitrag vor dem Rathaus deutlich. Doch es sei endlich an der Zeit anzuerkennen, dass sich Kitas zu einer Bildungseinrichtung gewandelt hätten. Jetzt müsse der Beruf aufgewertet werden, Arbeitsbedingungen müssten verbessert werden.

Dass von dem Streik längst auch ein gesellschaftspolitisches Signal für mehr Gerechtigkeit in diesem Land ausgehe, ist Jürgen Hohmann, Vorsitzender des Verdi-Landesverbandes Niedersachsen-Bremen, überzeugt. Er kritisierte, dass die kommunalen Arbeitgeberverbände Eltern gegen die Streikenden regelrecht aufhetzt hätten. Ulrike Schilling, Gewerkschaftssekretärin von Verdi Bremen, verliest Solidaritätsbekundungen des Betriebsrates der Humuswerke Gnarrenburg und von Elternverbänden. Eine Musikgruppe der Kita Bremen verpackt die Verdi-Botschaften in umgedichtete Songs von Queen und Status Quo.

Dass Verdi in der vierten Streikwoche Gnarrenburg für die gut zwei Stunden dauernde Kundgebung ausgesucht hat, sei auch damit zu erklären, dass sich Gnarrenburgs Bürgermeister Axel Renken (SPD) besonders scharf gegen die Streikenden ausgesprochen habe, ist von den Streikenden mehr als einmal zu hören. Den Aufmarsch vor dem Rathaus erlebt der Bürgermeister indes nicht, da er wegen eines Termins in Sachen Moorentwicklung nach Hannover musste.

Die Aktionen der Erzieherinnen gehen indes weiter. Unter anderem treffen sich heute ab 10 Uhr Erzieherinnen zu „Flashmobs“ in Bremervörde.

bz

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