Guido Specht wieder gesund

Karlshöfener berichtet von Covid-19-Erkrankung: „Mir ging’s richtig dreckig“

Guido Specht aus Karlshöfen hat seine Covid-19-Erkrankung überstanden. 13 Tage war der 48-Jährige im Krankenhaus, nun spricht er darüber.

  • Guido Specht aus Karlshöfen war an dem Coronavirus erkrankt.
  • Der 48-jährige hat sich mutmaßlich bei einer Gartenparty infiziert.
  • Guido Specht zeigt Verständnis für das Gesundheitsamt.

Karlshöfen – Die Gier nach Normalität – damit erklärt sich Guido Specht jenen Moment am 26. September, in dem er einfach nicht richtig nachgedacht hat. „Das muss ich mir ankreiden“, sagt der 48-jährige Karlshöfener, der drei Wochen später das Krankenhaus verlässt – nach überstandener Covid-19-Erkrankung.

Gemeinde Gnarrenburg
Bevölkerung9.396
BürgermeisterAxel Renken
Postleitzahl 27442

Zugleich knabbert er immer noch daran, dass er mindestens vier andere Menschen mit dem Coronavirus angesteckt hat. „Das tut mir für jeden, den ich angesteckt habe, echt leid“, sagt er. Jetzt ist er wieder zu Hause, will das alles erst einmal sacken lassen. Specht zählt zum Gnarrenburger Cluster – zusammen mit einer Vielzahl von Menschen, die sich das Coronavirus eingefangen haben. Eine Gartenparty als Ausgangspunkt und mit erheblichen Auswirkungen für viele Menschen. Specht spricht ganz offen darüber – und damit bekommt die Pandemie plötzlich ein Gesicht.

Nur eine halbe Stunde auf der Party

Es ist ein Samstag. Ein Freund ruft an. Sie seien bei einer Gartenparty. Eine bestimmte Sorte Schnaps sei ausgegangen. Man wisse, er habe davon noch was zu Hause. Guido Specht erweist sich als hilfsbereit, packt ein paar Flaschen davon ein und fährt hin. „Ich war nur eine halbe Stunde dort, habe eine Cola getrunken und mich mit ein paar Leuten unterhalten.“ Dann macht er sich vom Acker.

Guido Specht geht’s nach seiner Covid-19-Erkrankung besser, das Krankenhaus hat er nach 13 Tagen wieder verlassen.

Montag und Dienstag geht der Marketing-Fachmann wieder zur Arbeit, doch in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch schon geht es ihm richtig schlecht. Er telefoniert mit einem Freund, der ebenfalls bei der Gartenparty war, und erzählt ihm davon, wie er sich fühlt. „Dann habe ich erfahren, dass einer der Gäste Symptome hat und getestet worden ist“, erinnert sich Specht. Der Veranstalter der Party richtet eine „WhatsApp“-Gruppe ein, informiert alle darüber, was los ist, und bittet die Freunde, Kontakte zu vermeiden und sich testen zu lassen.“ Specht ruft seinen Chef an, der reagiert richtig: „Bleib’ zu Hause.

Vom Arzt zum Gesundheitsamt und zurück: Komplizierter Verlauf zum Corona-Test

Kopfschmerzen, Fieberschübe, Husten, Durchfall und Appetitlosigkeit: „Mir ging’s richtig dreckig.“ Inzwischen trifft die Nachricht ein, dass der Test des Gastes mit Symptomen positiv ausgefallen ist. Der 48-Jährige will am Donnerstag einen Test in die Wege leiten – das erweist sich als gar nicht so einfach. Erst der Anruf beim Arzt, dann der Rückruf mit dem Hinweis, das Gesundheitsamt sei zuständig. Dort allerdings erfährt er, der Arzt müsse testen. Läuft.

„Dann meldete sich noch einmal das Gesundheitsamt und sagte mir, ich könne gar nicht positiv sein, weil die Kontaktperson, um die es gehe, erst seit Sonntag hätte ansteckend sein können.“ Er, Specht, könne sich also frei bewegen, rausgehen. Der Test sei überflüssig. Specht: „Bei allem Verständnis: So werden wir das Ding nicht los.“ Er sei sich allerdings auch sicher: „Ich denke, sie geben ihr Bestes, aber zu dem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl: Das Gesundheitsamt ist extrem überfordert.“

Mehrere Arbeitskollegen und Vater von Guido Specht ebenfalls infiziert

Dem Fußball-Obmann des TSV Karlshöfen geht es weiterhin dreckig, Samstag kommt der Anruf: Er ist positiv. Er notiert alle Kontakte der vergangenen Tage, übermittelt sie an das Gesundheitsamt. „Ich war nur wenig unterwegs.“ Doch mehrere Arbeitskollegen und auch seinen Vater hat es erwischt.

Spechts Beschwerden nehmen zu. Er weiß: „So kann es nicht weitergehen.“ Donnerstag kommt er in Bremervörde ins Krankenhaus. Ein paar Tests und Röntgenaufnahmen – dann die Empfehlung, nach Rotenburg ins Diakonieklinikum zu wechseln. Wenig später die Diagnose: zusätzlich zu Covid-19 eine beidseitige Lungenentzündung. Der 48-Jährige befindet sich in einem Isolationszimmer – „eine Einzelkabine mit Schleuse für die Ärzte und Pfleger“. Er hat einen Fernseher, seinen Laptop dabei und kann im Zimmer auf und ab gehen. „Das ist beklemmend und ein wirklich doofes Gefühl, wenn man nach und nach wieder zu Kräften kommt.“

Auch, weil der Musik- und Fußball-Fan ein Leben mit vielen Kontakten pflegt. Es darf keiner zu ihm, er ist irgendwie allein. „Viele meiner Freunde und Bekannten haben mir geschrieben, wollten wissen, wie es mir geht. Das baut einen echt auf.“ Angst habe er nicht gehabt, aber er habe sich gesagt: „Das kann doch nicht das Ende sein. Aber klar, man macht sich schon so seine Gedanken.“ Guido Specht bekommt zwischendurch – zusätzlich zu der Medikation – Sauerstoff.

Karlshöfener liegt 13 Tage im Krankenhaus

Nach 13 Tagen im Krankenhaus steht die Entlassung bevor. Ein Test zum Abschluss, dann das Warten auf das Ergebnis. Negativ. „Sie können nach Hause“, heißt es. Specht packt seine Sachen, verlässt zum ersten Mal das Zimmer, geht in Richtung Ausgang und stellt fest: Der Hinweis der Ärzte, es ruhig angehen zu lassen, hat seine Berechtigung. Die Atemnot ist noch nicht ganz überstanden.

Dennoch dürfe sich der Patient aus Karlshöfen wieder frei fühlen – die Quarantäne sei aufgehoben, hieß es. Das wundert das Gesundheitsamt am Tag drauf, das sich täglich nach seinem Zustand erkundigt. Die Drähte glühen – dann erst steht fest: „Ja, ich kann wieder raus.“ Mit der Arbeit will Guido Specht noch ein paar Tage warten. Er bleibt zu Hause, lässt alles sacken. Er denkt über die „Gier nach Normalität“ nach, knabbert weiter daran, andere angesteckt zu haben. Hat die Erkrankung seinen Blick auf die Pandemie verändert? „Nein, ich war und bin mir der Gefahr bewusst.“ Daher könne er nur unterstreichen, was auch die Fachleute sagen: „Seid vorsichtig, achtet auf Euch und auf andere. An Corona zu erkranken, ist alles andere als ein Kindergeburtstag!“ Er kann ein Lied davon singen.

Die Verläufe seien sehr unterschiedlich – seinen Vater habe es weniger schlimm erwischt. „Es gibt viele Menschen, die einfach zu sorglos sind und sagen, es jucke sie nicht, weil sie ja topfit seien. Das habe ich auch gedacht, und dann hat es mir von heute auf morgen komplett den Boden unter den Füßen weggezogen. Niemand kann wissen, wie doll es einen erwischen kann.“ Die Maßnahmen der niedersächsischen Landesregierung, der Mund-Nasen-Schutz, die Abstände – „klar, das gefällt alles nicht, aber es geht einfach nicht anders“.

Guido Specht lobt Rotenburger Krankenhaus-Personal

Der Blick geht noch einmal zurück auf die vergangenen Tage im Krankenhaus. Das Personal, sagt er, habe sich wirklich sehr gut um ihn gekümmert. „Auch für sie ist das alles nicht leicht, allein der Aufwand, um ins Zimmer zu kommen, ist enorm.“

Er schäme sich nicht wegen seiner Erkrankung, aber es mache ihn betroffen. Ebenso die Gerüchte, die sich um die Gartenparty ranken. Eine normale Party mit überschaubar vielen Teilnehmern. 15 von ihnen werden wenige Tage später positiv getestet. Es entsteht ein Cluster, das dem Gesundheitsamt viel Arbeit beschert. „Klar, es sind Fehler gemacht worden, aber die sollten nicht dazu führen, solche Märchen zu verbreiten.“ Da sei sehr viel Blödsinn erzählt worden. Guido Specht, einer von 27 Patienten im Landkreis, die – Stand Donnerstag – ins Krankenhaus mussten: „Ich weiß nicht, woher die Leute das haben.“

Rubriklistenbild: © privat

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Sechs Monate Audible inkl. Gratis-Hörbücher für monatlich 4,95 Euro statt 9,95 Euro

Sechs Monate Audible inkl. Gratis-Hörbücher für monatlich 4,95 Euro statt 9,95 Euro

Das sind die Minister und Ministerinnen der Ampel-Koalition

Das sind die Minister und Ministerinnen der Ampel-Koalition

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Meistgelesene Artikel

Prozessbeginn: Freier in Bothel in Hinterhalt gelockt

Prozessbeginn: Freier in Bothel in Hinterhalt gelockt

Prozessbeginn: Freier in Bothel in Hinterhalt gelockt
Lehrreich zurück zur Natur

Lehrreich zurück zur Natur

Lehrreich zurück zur Natur
Visselhövede: Neues Testzentrum läuft gut an

Visselhövede: Neues Testzentrum läuft gut an

Visselhövede: Neues Testzentrum läuft gut an
Scherben, Unrat und ein Einbruch: Heimatverein Fintel kämpft auf seinem Gelände gegen Müll und Vandalismus

Scherben, Unrat und ein Einbruch: Heimatverein Fintel kämpft auf seinem Gelände gegen Müll und Vandalismus

Scherben, Unrat und ein Einbruch: Heimatverein Fintel kämpft auf seinem Gelände gegen Müll und Vandalismus

Kommentare