Am Mittwoch können Stellen besichtigt werden

Archäologen finden Wege: Straßen im Moor sind bis zu 600 Jahre alt

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Ein Team aus Archäologen des Kreises sowie des Landesamts für Denkmalpflege hat bei Gnarrenburg an mehreren stellen Grabungen durchgeführt und ist auf alte Wege im Teufelsmoor gestoßen.

Gnarrenburg - Welche Wege verliefen in früheren Zeiten durch das Teufelsmoor? Mit dieser Frage hat sich die Kreisarchäologie zusammen mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege beschäftigt und führte dazu Grabungen durch. Interessierte können die Grabungsstellen am Mittwoch von 17 bis 18 Uhr besichtigen, heißt es vom Landkreis in einer Pressemitteilung.

Dr. Marion Heumüller, Leiterin des Fachbereichs „Feuchtbodenarchäologie“ beim Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege, und Dr. Stefan Hesse von der Kreisarchäologie werden vor Ort sein und die Situation erklären. Auch zu einzelnen Befunden könnten sie etwas sagen. Die Grabung befindet sich beidseitig der Straße zwischen Gnarrenburg und Karlshöfenerberg. Parkplätze seien nicht direkt vor Ort vorhanden, ein kleiner Fußmarsch müsse daher eingeplant werden.

Moorarchäologie sei kein Alltagsgeschäft der Kreisarchäologie. Daher hätten die Mitarbeiter die Erkundung der Moorpfade mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege gemeinsam durchgeführt. Zur finanziellen Unterstützung bewarb sich die Kreisarchäologie um Fördermittel im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres (ECHY) beim Land Niedersachsen. Im Januar 2018 wurde das Projekt zur Förderung ausgewählt und in Hannover der Bewilligungsbescheid durch Vertreter des Ministeriums überreicht, heißt es..

Knapp 1 .000 Bohrungen

Die Arbeiten starteten im Juni. Zunächst habe das Projektteam aus Mitarbeitern der Kreisarchäologie und des Landesamtes mehrere Wegeverläufe mithilfe einer Peilstange geortet. Ähnlich der Suche nach Lawinenopfern werde hierfür eine dünne Metallstange in den Moorkörper gestoßen. Stößt sie auf Widerstand, kann ein Weg vermutet werden, heißt es weiter. Die Widerstände wurden ebenso wie die ergebnislosen Bohrungen genau eingemessen. Nach knapp 1 .000 Bohrungen sei so nun ein Bild der möglichen Wegverläufe entstanden.

Als die Voruntersuchungen abgeschlossen waren, habe das Grabungsteam mithilfe von Suchschnitten die Arbeiten weitergeführt. Dazu öffnete es – diesmal unterstützt durch Mitarbeiter der archäologischen Fachfirma „Denkmal3D“ – mehrere Schnitte. Schon wenige Dezimeter unter der Oberfläche seien die Archäologen auf Reste ehemaliger Wege gestoßen. Die obersten Hölzer seien leicht faserig, aber noch erkennbar. Die darunter liegenden Hölzer befänden sich in besserem Zustand. Erfreulich und nicht selbstverständlich für Kreisarchäologe Hesse: „Wir haben Glück, dass die Gegend immer nur als Wiese genutzt wurde und man dort kein Torf abbaute.“

Insgesamt konnten drei bis vier Wege nachgewiesen werden. Aufgrund der Tiefe könne man ein Alter von etwa 400 bis 600 Jahren schätzen. Genau werde sich dies erst nach naturwissenschaftlicher Untersuchung der Hölzer sagen lassen. Auch ältere Wege seien hier zu vermuten und sollen nach Möglichkeit noch ergraben werden. Die Verantwortlichen planen, geeignete Bohlenwegabschnitte anschließend zu bergen und zukünftig im Bachmann-Museum zu präsentieren.

Nutzung des Weges bis ins Mittelalter hinein

Das Teufelsmoor zieht sich ungefähr in Nord-Süd-Richtung durch das Elbe-Weser-Dreieck. In früheren Zeiten konnte es nur an wenigen Stellen gequert werden. Der wichtigste Weg verlief über Bremervörde und ist später als „Ochsenweg“ bekannt geworden. Ein weiterer, nachrangiger Weg verlief zwischen Gnarrenburg und Karlshöfen. Hier trenne ein nur ein Kilometer breiter Moorstreifen die beiden Geestzungen. Diese Strecke sei bereits seit der Jungsteinzeit durch hölzerne Wege überbrückt worden. Später wurde ein Damm aufgeschüttet, auf dem heute die Landstraße 122 verläuft.

Schriftliche Quellen belegen die Nutzung des Weges bis ins Mittelalter hinein, so die Kreisarchäologie. Beispielsweise seien die Söldner der berüchtigten „Schwarzen Garde“ 1499 hier entlang gezogen. Archäologische Funde reichten sogar in frühere Zeiten zurück. Die Heimatforscher Hans Müller-Brauel und August Bachmann fanden unter anderem Hinweise darauf. Letzterer hat 1942 ein Scheibenrad aus Eiche geborgen, das mit einem Alter von etwa 4 500 Jahren zu den ältesten Rädern Nordeuropas zählt und sich heute im Bachmann-Museum befindet. Da diese Entdeckungen über 70 Jahre zurückliegen, stellte sich der Kreisarchäologie die Frage, ob und in welchem Zustand die Wege noch vorhanden sind. Weiterhin sei bislang nur wenig über Bauweise, Zeitstellung und Bedeutung der Wege bekannt. 

faw

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