Gisela Weiß-Jäger (Die Grünen) verabschiedet sich vorzeitig aus dem Rotenburger Stadtrat

„Fühle mich wie ein Schaffner“

Bürgermeister Detlef Eichinger verabschiedet Gisela Weiß-Jäger aus dem Stadtrat.
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Bürgermeister Detlef Eichinger verabschiedet Gisela Weiß-Jäger aus dem Stadtrat.

Rotenburg - Von Guido Menker. Zum zweiten Mal in der laufenden Wahlperiode müssen die Grünen eine Frau aus ihrer Fraktion verabschieden: Nach Ute Pommerien hat nun Gisela Weiß-Jäger ihr Ratsmandat niedergelegt. Am Dienstag verabschiedete sie sich. Zugleich rückte Dr. Matthias Hülsemann für sie nach.

„Ab morgen fühle ich mich wie ein Schaffner – und genieße das Leben in vollen Zügen“, sagte Weiß-Jäger. Genau das war ihr zuletzt nicht mehr gelungen. „Nach der letzten Ratssitzung habe ich meiner Fraktion gesagt, dass ich aufhöre“, erklärte die Grüne, die seit November 2006 dem Stadtrat angehörte. Schuld an der Entscheidung sei sie selbst, und es habe mit einschneidenden persönlichen Erlebnissen zu tun. „Es geht um meine kostbare Lebenszeit – es gibt etwas Sinnvolleres, als Sitzungen, deren Ergebnisse anders gelaufen sind, als es erwartet worden ist.“ Zu oft seien eigene Anträge der inzwischen aufgelösten rot-grünen Mehrheitsgruppe gescheitert. Gisela Weiß-Jäger: „Das habe ich so nicht gewollt, und ich glaube, ich kann das nur schwer aushalten.“ Sie wisse, dass es auch anderen so gehe. Damit verbundene gesundheitliche Probleme müssten nicht sein.

Die Wahl Andreas Webers zum neuen Bürgermeister stehe aus ihrer Sicht für einen Politikwechsel und hänge auch mit dem Thema Stockforthsweg zusammen. Weiß-Jäger: „Wir hätten als Mehrheitsgruppe den Plan verhindern müssen.“ Dennoch: Sie dankte ihrer Fraktion für die meist entspannte Atmosphäre. Fraktions-Sprecher Manfred Radtke gab den Dank zurück und lobte ihre Arbeit: „Du hast immer treffend analysiert und die Sache auf den Punkt gebracht. Wir bedauern Deinen Schritt.“ Sie ist die zweite Grüne, die vorzeitig geht. Radtke: „Wir wissen, warum. Das hätten eigentlich auch andere machen müssen, aber die kleben an ihren Stühlen – ich weiß auch nicht, warum. Das werden wir wohl nie erfahren.“ Hartmut Leefers (CDU) bescheinigte Weiß-Jäger eine kritische, aber konstruktive Mitarbeit: „Das war eine Bereicherung für den Rat und für die Stadt.“ Und er fügte hinzu, dass Koalitionsvereinbarungen manchmal nicht mehr wert seien als das Papier, auf dem sie geschrieben sind. Man sollte es aber nicht tadeln, wenn Entscheidungen nach Recht und Gewissen fielen. Unter 34 Ratsmitgliedern eine Mehrheit suchen – das könne gelingen. Hartmut Schaarschmidt, Vorsitzender der SPD-Fraktion fasste sich kurz, sprach von Respekt für und bedauern wegen der Entscheidung Weiß-Jägers, für die nun Dr. Matthias Hülsemann in den Stadtrat nachrückt.

Neue Mehrheiten suchen – Hartmut Leefers brachte auf den Punkt, was den Rat fortan kennzeichnen wird. Im Falle der Wahl der stellvertretenden Bürgermeister war das aber kein Problem: Hartmut Leefers als erster ehrenamtlicher Stellvertreter Detlef Eichingers wurde ohne Gegenstimme, Hedda Braunsburger als zweite Stellvertreterin mit sechs Gegenstimmen gewählt. Die Grünen hatten Elisabeth Dembowski ins Rennen geschickt.

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