Landrat und Regionalplaner über die neue Stromautobahn „SuedLink“

„Es gibt Punkte, die nicht zu akzeptieren sind“

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Die geplante Stromautobahn „SuedLink“ sorgt für Diskussionen.

Rotenburg - Von Michael Krüger. 800 Kilometer quer durch Deutschland, davon möglicherweise 47 mitten durch den Landkreis: Die geplante Stromautobahn „SuedLink“, die die Windkraftanlagen im Norden mit den Industriezentren im Süden verbinden soll, sorgt für Diskussionen.

Heute Nachmittag ab 14.30 Uhr stellt sich Netzbetreiber Tennet im Rotenburger Kreishaus den Fragen der Öffentlichkeit. Vorab sprechen Landrat Hermann Luttmann (CDU) und Regionalplaner Rainer Meyer über die neuen Belastungen, die auf die Region zukommen könnten.

Herr Luttmann, brauchen wir „SuedLink“?

Hermann Luttmann: Ja. Der Bund hat den Bedarf festgestellt, dass wir zum Gelingen der Energiewende den in Norddeutschland produzierten Strom in den industrialisierten Süden bringen müssen. Aber „SuedLink“ ist eine Ferntrasse. Im Landkreis Rotenburg brauchen wir sie nicht. Wir haben hier aus eigener Produktion eine Überversorgung.

Sie waren am 5. Februar sehr überrascht, als Tennet mit den Planungen an die Öffentlichkeit ging. Warum?

Luttmann:Wir wurden vergangenes Jahr dazu aufgefordert, eine Stellungnahme abzugeben. Da hatte Tennet noch ein Viertel der Bundesrepublik als Planungsraum. Normalerweise bekommen wir dann Informationen, bevor es in die Öffentlichkeit geht. Das war hier nicht der Fall.

Wie wird der Landkreis Rotenburg betroffen sein?

Luttmann:Tennet hat die Vorzugsvariante vorgelegt: Ein ein Kilometer breiter Korridor, der vom Nordosten der Samtgemeinde Sittensen quer den Landkreis durchschneidet und im Süden Westerwalsedes Richtung Verden weitergeht. Wir sind voll betroffen – wieder einmal. Diese Trasse bietet wie die Y-Trasse für uns überhaupt keine Vorteile, wenn man es nicht gesamtwirtschaftlich sieht. Das ist anders bei der Küstenautobahn A 20.

Warum wird der Landkreis Rotenburg gerne genommen für diese Planungen?

Luttmann:Das ist auf die Lage des Landkreises im Raum zurückzuführen und darauf, dass er sehr groß ist. Wenn Sie von Nord nach Süd eine Trasse planen, gäbe es die Möglichkeit, am Landkreis Rotenburg vorbei zu kommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir getroffen werden, ist aber groß. Die dünne Besiedelung spielt auch eine Rolle.

Wie kann man den Ängsten der Bürger begegnen? Niemand will einen Riesenmasten im Garten!

Luttmann:Das muss Tennet beantworten. Ich denke, dass der erste Schritt ist, ins Gespräch zu kommen.

Kann der Landkreis überhaupt auf den Trassenverlauf einwirken?

Rainer Meyer:Die Bundesnetzagentur wird, sobald Tennet bereit ist, relativ kurzfristig die Fachplanung einleiten. Dann werden alle betroffenen Behörden und die Öffentlichkeit um Stellungnahmen gebeten. Mir ist aber jetzt schon klar, dass einige Punkte dabei sind, die man so nicht akzeptieren kann.

Welche?

Meyer:Ein kritischer Punkt ist die Trassenführung über die Oste bei Kuhmühlen. Das ist bewaldetes FFH-Gebiet. Warum hier der Korridor durchgeht, erschließt sich mir nicht. Ebenso beim Sotheler Moor oder westlich von Rotenburg die Querung der Wümme.

Luttmann:Bei solchen Projekten kommen Sie aber über viele Dinge hinweg, wenn es keine Alternativen gibt. Wir haben ein Beteiligungsrecht, aber kein Vetorecht. Wenn die Trasse durch den Landkreis führen soll, müssen wir über die Oste und die Wümme.

Wie groß sind die Chancen auf Erdverkabelung bei uns in der Region?

Luttmann:Ich habe den Eindruck, dass versucht wurde, eine Trasse zu finden, die zu möglichst wenig Konflikten mit der Bevölkerung führt – dass also wenig unter die Erde muss. Aber darüber muss verhandelt werden. Auch ob Tennet über das hinaus geht, was sie gesetzlich leisten müssen.

Meyer: ...es geht um Abstände zu Siedlungen von 400 Metern. Aber Erdverkabelung ist bei 500kV-Gleichstromleitungen noch nicht Stand der Technik.

Luttmann: Interessanterweise sollen sich bei Tennet Landwirte gemeldet haben, die wegen Bodenveränderungen Bedenken gegen Erdverkabelung haben. Das war mir völlig neu.

Welche Gefahren drohen mir außer eines verstellten Ausblicks, wenn solch eine Gleichstromtrasse an meinem Haus vorbei führt?

Luttmann:Dazu möchte ich mich nicht äußern. Das sollten andere Experten tun.

Der Anfang Februar vorgestellten Trasse soll ein zweiter Abschnitt folgen. Auch diese Trasse könnte den Landkreis schneiden. Sind wir doppelt betroffen?

Meyer:Tennet plant, die zweite Leitung, dort wo es möglich ist, auf die gleichen Strommasten zu legen.

Wann wird gebaut?

Luttmann:2022 muss die Trasse stehen. Dann werden die Atomkraftwerke abgeschaltet.

Meyer:Zunächst muss das Verfahren in Auftrag gegeben werden. Wie die Bundesnetzagentur hier vor Ort alle Konflikte moderieren und lösen will, ist für mich noch schwer vorstellbar.

Erwarten Sie vehementen Widerstand wie gegen die Y-Trasse?

Luttmann:Ja.

Die Detailkarte zur bisherigen Planung unter http://www.lk-row.de

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