Lehrer haben verschiedene Methoden, um abgekupferte Textstellen zu entdecken

Mit geschultem Auge

Wer für die Facharbeit aus Internet-Quellen abschreibt, ohne ein Zitat zu setzen, riskiert am Gymnasium eine glatte Sechs in der Benotung.

Rotenburg - Von Lars WarneckeLANDKREIS · Schummeln bei der Doktorarbeit ist kein Kavaliersdelikt – das hat unlängst auch Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zu spüren bekommen. Das Verfolgen von Plagiaten beginnt aber nicht erst an der Uni: Auch in den gymnasialen Oberstufenkursen prüfen die Lehrer genau, ob ihre Schüler in Facharbeiten oder Referaten alle fremden Textpassagen mit Quellen versehen haben.

Tatsächlich sind die Augen der Lehrer geschult: „Sobald mir Zweifel kommen, ob bestimmte Textpassagen wirklich vom Schüler selbst stammen, wird das nachgeprüft“, sagt Lehrer Friedhelm Horn vom Schulvorstand des Rotenburger Ratsgymnasiums. Derzeit würden seine Schüler an ihrer Facharbeit schreiben. „Da bot der Fall von Herrn zu Guttenberg nochmal Anlass, nachdrücklich auf die Konsequenzen eines Verstoßes hinzuweisen“, so Horn. Was diese Art von Verstoß an seiner Schule für Konsequenzen hat? „Null Punkte in der Bewertung – ohne wenn und aber.“

Gerade in den Fremdsprachen, weiß Rektor Franz Wenzl vom Sottrumer Gymnasium, falle schnell auf, wenn jemand fremde Quellen genutzt habe, ohne sie kenntlich zu machen. „Da reicht es manchmal schon aus, nach der Übersetzung bestimmter Wörter zu fragen, die unsere Schüler in ihrer Arbeit verwendet haben“, sagt er.

In der Vergangeneheit gab es an den Gymnasien im Landkreis tatsächlich schon vereinzelt Fälle, dass Schüler ganze Textpassagen abgekupfert hatten. „Das ist in meinen Augen ein eindeutiger Täuschungsversuch, der für mich in den Bereich von Betrug geht“, erzählt Friedhelm Horn. Auf die Affäre von zu Guttenberg angesprochen, schüttelt der Lehrer nur mit dem Kopf: „Dass die CDU in dieser Angelegenheit hinter ihrem Minister steht, ist für den Wissenstandort Deutschlandein Armutszeugnis“, meint er. Zudem würde der Umstand, dass der Politiker im Amt bleibt, falsche Signale an Schüler senden.

Eine große Schwierigkeit, überhaupt an fertige Texte heranzukommen, gibt es in Zeiten des Internets nicht mehr. „Komplette Facharbeiten sind beispielsweise relativ leicht im Netz zu finden“, weiß Ralf Goebel, Leiter der Scheeßeler Eichenschule. „Das geschulte Auge eines Lehrers erkennt aber genau, wenn diese in einer Arbeit ohne Angabe der Quelle auftauchen.“ Allein der ungewohnte Schreibstil sorge dann für Zweifel.

Selbst für den Fall, dass Schüler aus weniger naheliegenden Quellen abschreiben, ohne ein Zitat zu setzen, gibt es für die Fachlehrer Prüfungsmöglichkeiten. „Über bestimmte Kontrollprogramme im Internet, oder aber mit Google lässt sich die Herkunft von Textstellen recherchieren“, erklärt Franz Wenzl.

Bei allen Vorsichtsmaßnahmen betonen die Schulleiter und Lehrkräfte, dass der Großteil ihrer Schüler formal korrekte Arbeiten abgibt, die keine Zweifel zulassen.

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