Die Matthias-Claudius-Altenhilfe gibt Menschen mit Behinderung eine Berufsperspektive

„Genau richtig an diesem Platz“

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Feierliche Vertragsunterzeichnung mit Thorsten Tillner (v.l.), Michael Wekel, Katrin Schröder-Grehl, Karsten Böning, Petra Bergmar, Steffen Tietz, Sven Fitschen, Rüdiger Haase und Heiko Müller.

Rotenburg - „Ich wünsche Ihnen eine tolle Zukunft.“ Heiko Müller, Geschäftsführer des Vereins der Matthias-Claudius-Altenhilfe (MCA), hatte für einen besonderen Rahmen gesorgt, als die ersten zwei Alltagshelfer jetzt ihren Arbeitsvertrag unterschrieben.

Karsten Böning und Sven Fitschen sind ab sofort auf dem ersten Arbeitsmarkt in zwei Einrichtungen der Matthias-Claudius-Altenhilfe beschäftigt. Der eine hat eine Beschäftigung im Dementenbereich des Scheeßeler Beekehauses gefunden, der andere eine in der Küche des Matthias-Claudius-Heims in Rotenburg.

Die jungen Männer wohnen in den Rotenburger Werken und haben gerade im Berufsbildungsbereich der Einrichtung (tobbi) ihre Qualifikation zum Alltagshelfer abgeschlossen. „Dies ist der Beginn einer größeren Entwicklung, die wir seit einiger Zeit verfolgen“, sagt Thorsten Tillner, Vorstand Finanzen in den Rotenburger Werken, der ebenfalls bei der Vertragsunterzeichnung zugegen war. Die diakonische Einrichtung ist verstärkt dabei, Menschen mit Behinderung einen Weg in die Gesellschaft zu ebnen. Dazu gehört auch, sie auf externe, dezentrale Arbeitsplätze zu vermitteln, alternativ zu den Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Inklusion ist das Stichwort.

„Gerade im Berufsbildungsbereich sind die Veränderungen besonders gut zu beobachten“, sagt Tillner. Dazu gehört eine Kooperation mit den Berufsbildenden Schulen (BBS) in Rotenburg und eine inhaltliche Neuausrichtung. Sie stellt noch stärker als zuvor die individuelle Person und deren Vorstellung von einer beruflichen Zukunft in den Vordergrund und bezieht sie in den Bildungsverlauf ein. Das bildet sich ab im neuen Namen tobbi: teilnehmerorientierte berufliche Bildung.

„Um inklusives Denken in unserer Gesellschaft zu platzieren und vor allem Inklusion zu leben, bedarf es Partner, die diesen Weg mitgehen“, betont Rüdiger Haase, Bereichsleiter der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) und verantwortlich für tobbi. Die Matthias-Claudius-Altenhilfe war gern dazu bereit. „Wir mussten dazulernen, aber es hat sich gelohnt“, sagt Steffen Tietz, Service Manager im Matthias-Claudius-Heim. Es braucht meist eine Weile, bis die Teilnehmer ihren Platz im Unternehmen finden. Geduld und viele Gespräche gehören dazu. Sven Fitschen ist nun in der Warenannahme tätig. „Der Keller ist mein Reich“, sagt der 22-Jährige stolz. Karsten Böning (23) arbeitet im Dementenbereich. Er erledigt eine Reihe von Tätigkeiten, die früher die Zivildienstleistenden übernommen hatten. „Mit seiner ruhigen Art ist er genau richtig an seinem Platz“, sagt Michael Wekel, Bereichsleiter im Beekehaus. Während der zehnmonatigen Qualifizierungsmaßnahme zum Alltagshelfer, die genau darauf abzielt, Fachkräften in Einrichtungen wie Altenheimen oder Kindergärten unterstützend zur Hand zu gehen, absolvieren die Teilnehmer einen Praxisteil in einem kooperierenden Betrieb. Das wird ergänzt durch Unterrichtsmodule im tobbi mit Inhalten wie Hygiene, praktisches Rollstuhltraining, Trauerarbeit und Arbeiten im Team. Der Kontakt zwischen dem tobbi, den Teilnehmern und dem Betrieb ist in der Zeit der Qualifizierung sehr eng. Auch nach der Vertragsunterzeichnung bleibt die Verbindung zum tobbi bestehen. „Die jungen Leute brauchen diese Anbindung auch weiterhin“, sagt Petra Bergner, die für die Alltagshelfer zuständig ist.

MCA-Geschäftsführer Müller sowie die Rotenburger Werke wollen auch in Zukunft an einer engen Zusammenarbeit festhalten und an weiterführenden Konzepten gemeinsam arbeiten. Der nächste Qualifizierungskurs für den Alltagshelfer startet im Januar. „In unseren Häusern gibt es so viele unterschiedliche Arbeitsbereiche. Wir würden uns freuen, wenn wir noch viel mehr jungen Menschen mit Behinderung eine berufliche Perspektive bieten könnten“, so Müller. · am

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