Ratsgymnasium verabschiedet Walter Jarecki in den Ruhestand

„Es geht ein Vertreter der alten Schule“

Bewegender Abschied für Walter Jarecki. ·
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Bewegender Abschied für Walter Jarecki. ·

Rotenburg - Von Michael KrügerDass bei den meisten Schülern zunächst Freude herrscht, hat andere Gründe: drei Schulstunden, dann ist Schluss. Für alle. Dieser Tag gilt ausschließlich Dr. Walter Jarecki. In der zweiten Stunde übernimmt er noch eine Vertretungsstunde, dann ist für ihn die Zeit am Rotenburger Ratsgymnasium beendet. Nach mehr als 19 Jahren als Schulleiter folgt für ihn der Ruhestand.

Gut zwei Stunden lang nehmen Kollegen, Weggefährten, Freunde, Familie und Vertreter aus Politik und Verwaltung mit einer emotional bewegenden Feier in der Aula der Schule Abschied von dem Pädagogen. „Es geht ein Vertreter der alten Schule“, bringt es Kollege Volker Evers in einer launischen Moderation auf den Punkt. „Sie haben es wie kein anderer verstanden, ihren eigenen Weg zwischen Eigensinn und Gelassenheit zu finden“, heißt es bei Hans-Dieter Freytag, der zunächst kommissarisch die Schulleitung übernimmt – bis sich die Landesschulbehörde für einen Nachfolger entschieden hat. Dazu fallen an diesem Dienstagmittag jedoch keine Worte, die Laudatio des Leitenden Regierungsschuldirektors Volker Wrigge ist stattdessen ein der Art des künftigen Ruheständlers entsprechender, mit Ironie versetzter Abriss einer steilen Karriere im Schuldienst.

„Drei Bände, 600 Seiten“ hätten sich in der Behörde angesammelt, berichtet Wrigge, eher Durchschnitt, wenn auch nicht vom Inhalt: „Sie sind ein begeisterter Kenner und Lehrer der alten Sprachen“, lobt Wrigge, enthüllt dabei keine Geheimnisse, offenbart aber doch Überraschendes. Jarecki ist auch ein Freund des Hebräischen, nicht immer nur Latein, wie so mancher Schüler dann doch vom Mann mit der „schwingenden Brille“ befürchtet hatte. Er sei kein Lehrer der lauten und dominanten Auftritte gewesen, ein Pädagoge „mit Ecken und Kanten, aber immer zum Wohle der Schule“.

Dass er in der Sache ein durchaus streitbarer Mensch gewesen ist, wird in den Grußworten von Landrat Hermann Luttmann deutlich. Der Landkreis als Schulträger musste wohl einige Diskussionen durchstehen: Luttmann lobt, Jarecki sei „hier seiner Aufgabe als Schulleiter immer gerecht geworden“, erntet aber ein unüberhörbar kritisches Murmeln von den geladenen Ehrengästen und insbesondere des Kollegiums, als er konstatiert, „das G8 (Turbo-Abi) überfordert unsere Schüler nicht“.

Mehr als 50 000 Euro schenke Jarecki dem Land Niedersachsen und seinen Schülern mit dem Abschied in den Ruhestand, sagt Hans-Dieter Freytag, resultierend aus nie eingeklagten Überstunden. Es gehe ein pflichtbewusster Pädagoge, für den der traditionell gebildete Mensch das Leitmotiv gewesen sei.

Jarecki selbst zeigt sich bei der Verabschiedung im Kreise seiner Familie, neben Ehefrau Wiebke begleiten den Verdener Kinder und Enkelkinder zur Verabschiedung. Ein ungewohntes Bild für die Schüler, die zwischen den Lobreden mit Orchester und Chor den feierlichen Rahmen künstlerisch begleiten. Erst am Ende ergreift Jarecki auch das Wort, unangekündigt, wie es am Ratsgymnasium stets seine Art gewesen sei: „Da überkommt mich fast Rührung“, sagt er in Richtung der Schülerschaft und seiner Gäste, bevor ihm dann tatsächlich die Stimme stockt: „Ich hoffe, ich bin als Schulleiter den Ansprüchen gerecht geworden.“

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