Einigung auf den letzten Drücker: Angebot bleibt

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Die Ganztagsbetreuung an der Kantor-Helmke-Schule ist nun doch gesichert. 

Rotenburg - Von Guido Menker. In einem Brief hat die Leiterin der Rotenburger Kantor-Helmke-Grundschule in dieser Woche die Eltern von 90 Kindern darüber informiert, dass am Montag und somit zu Beginn des zweiten Schulhalbjahres der Ganztagsbetrieb nicht planmäßig starten könne.

Die Schule plane mit einer Notbetreuung für die erste Woche – konnte aber in letzter Minute noch eine Lösung finden.

Während sich die Eltern die Augen rieben, versuchte Catrin Cramme zu retten, was noch zu retten ist. Zu Beginn des zweiten Schulhalbjahres würden vom Land Niedersachsen jeweils die Verträge der im Ganztagsbereich tätigen Mitarbeiter neu genehmigt. An der Kantor-Helmke-Schule lagen für vier Mitarbeiter diese Genehmigungen bis Montag aber noch nicht vor. „Deshalb mussten wir reagieren“, erklärt die Schulleiterin auf Anfrage der Kreiszeitung.

Nach einem Streit mit der Rentenversicherung hatte das Land anerkannt, dass die Honorarkräfte in der Praxis so in den Schulalltag eingebunden sind, dass keine selbstständige, sondern eine abhängige Beschäftigung vorgelegen hat. Damit waren dann auch Rentenbeiträge fällig. Landesweit waren seit Beendigung des Rechtsstreits im November rund 23 000 Schul-Mitarbeiter betroffen. Mehr als zwölf Millionen Euro Sozialbeiträge wurden vom Land Niedersachsen an die Rentenversicherung nachgezahlt.

Problem dabei nicht nur für die Kantor-Helmke-Schule: Mit den Mitarbeitern sind nun neue Verträge zu vereinbaren – mit zum Teil erheblichen Einbußen. „Das hätte sich das Land auch früher überlegen können. Aber nicht erst zwei oder drei Tage vor Ende des Halbjahres“, ärgert sich auch Catrin Crammes Kollegin Carola Ahrens, die den Ganztagsbetrieb in der Kantor-Helmke-Schule betreut. Die entsprechende Nachricht habe die Schule am Montag per E-Mail erreicht. Erst die Warterei, dann die Anrufe – Catrin Cramme fühlte sich hingehalten. Und aufgrund der Kürze der Zeit entschied sie sich zunächst für den Elternbrief, um anschließend mit den Mitarbeitern zu verhandeln.

Nun kann sie sagen: Gerade noch mal gut gegangen. Einer der Mitarbeiter ist Rentner und könne als Ehrenamtler beschäftigt werden, eine weitere Kollegin ist selbstständig und kann auf der bisherigen Basis weitermachen. Zwei weitere Verträge sind allerdings neu aufzusetzen. Und weil Catrin Cramme es geschafft hat, konnte sie den 90 Kindern der Ganztagsbetreuung (von insgesamt rund 250) mit dem Zeugnis auch noch einen handgeschriebenen Zettel mit nach Hause geben. Inhalt: Der Ganztagsbetrieb geht nach den Zeugnisferien wie gewohnt weiter. Und wie ist das gelungen? „Wir konnten sie überzeugen, auch mit den neuen Konditionen zufrieden zu sein – weil jetzt auch ihre Vorbereitungszeit berücksichtigt wird.“

Das, was diese vier Mitarbeiter für die Kinder auf die Beine stellen, ist vielseitig: Textiles Gestalten, Malen, Schach und eine Koch-AG. Die sportlichen Angebote bleiben von den Neuerungen unberührt – diese basieren an der Kantor-Helmke-Schule auf einer Kooperation mit dem TuS Rotenburg.

Und auch für die Mitarbeiter in der Betreuung ändert sich nichts: Sie hatten ohnehin schon ganz normale Arbeitsverträge, so Catrin Cramme. Gerade noch mal gut gegangen, aber Cramme und Ahrens hätten sich gewünscht, dass das Land etwas früher die jetzt erforderlichen Umstellungen in die Wege leitet – und auch finanzielle Anpassungen vornimmt. Beispiel: Für die Ganztagsbetreuung gewährt das Land nur eine zusätzliche Verwaltungsstunde. Ein Witz sei das für alle, die wissen, wie hoch der Aufwand ist. „Das Budget bleibt so, wie es vorher schon war“, so Cramme. Deshalb sei sie froh darüber, dass die Schule auch von der Stadt unterstützt wird.

Ungeachtet der Probleme an einzelnen Schulen hat Niedersachsens Kulturministerin Frauke Heiligenstadt gestern angekündigt, Ganztagsangebote an Schulen massiv auszubauen. Dafür stünden bis 2017 zusätzlich 260 Millionen Euro

bereit. Dafür sollten insbesondere Lehrer selbst mehr in die Stunden am Nachmittag eingebunden werden. Ziel des Landes ist es, bis zur nächsten Landtagswahl den Anteil von Ganztagsschulen von derzeit 25 auf 60 Prozent anzuheben.

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